Kann eine PTA gezwungen werden, ohne Sicherheitsausrüstung in der Rezeptur zu arbeiten?

Einhaltung von Schutzmaßnahmen

Alle Arbeitgeber sind zum Schutz ihrer Mitarbeiter verpflichtet. PTA müssen keinesfalls ohne Schutzkleidung arbeiten. | Bild: © Gerhard Seybert - Fotolia.com

Vor kurzem berichteten wir, wie PTA im gebärfähigen Alter mit Verordnungen zur Herstellung Isotretinoin-haltiger Rezepturen umgehen sollten - kurz gesagt: sie sollten diese nicht herstellen. Daraufhin erhielten wir einige Nachrichten, aus denen hervorging, dass junge weibliche PTA diese Rezepturen sogar ohne Schutzausrüstung herstellen müssten - auf Anweisung ihres Arbeitgebers. Wir haben ADEXA-Rechtsanwältin Minou Hansen gefragt, wie Betroffene hier am besten vorgehen sollten.

Darf eine PTA im gebärfähigen Alter Rezepturen mit Isotretinoin herstellen?

Retinoide sind die beim Menschen am stärksten teratogenen Wirkstoffe seit Thalidomid (Contergan®). Allerdings muss zwischen der systemischen und der lokalen Therapie unterschieden werden. Eine topische Anwendung führt nicht zu messbar erhöhten Plasmaspiegeln von Isotretinoin oder anderen endogenen Vitamin-A-Derivaten. Eine systemische Therapie ist bei Frauen im gebärfähigen Alter nur bei ausreichendem kontrazeptivem Schutz und nach Ausschluss einer Schwangerschaft erlaubt. Eine sichere Kontrazeption muss nach Absetzen von Isotretinoin noch mindestens einen Monat weitergeführt werden. Bei deutlichem Unterschreiten dieser Zeitvorgaben, insbesondere bei Behandlung in die Frühschwangerschaft hinein, ist eine erhebliche Schädigung der embryonalen Entwicklung möglich. Geht man nun von einer Exposition durch Isotretinoin, beispielsweise durch Einatmen in der Rezeptur aus und wäre oder würde die Mitarbeiterin schwanger, bestünde das Risiko einer erheblichen Schädigung der embryonalen Entwicklung. Deshalb sollten Rezepturen, in denen Isotretinoin verarbeitet wird nur von männlichen Personen oder weiblichen Personen, die sich nicht mehr im gebärfähigen Alter befinden, hergestellt werden. Es steht dem Apothekenleiter jedoch nicht zu, seine PTA nach einer eventuell bestehenden Schwangerschaft bzw. nach der Familienplanung / Kontrazeption zu fragen.

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"Ich muss das täglich herstellen - ohne Handschuhe, Mundschutz ..."

Im Nachgang zu unserem Beitrag erreichten uns Nachrichten von PTA, die uns berichteten, Sie müssten Isotretinoin-haltige Rezepturen ohne persönliche Schutzausrüstung herstellen, da ihnen diese vom Apothekenleiter schlicht nicht zur Verfügung gestellt würde.

ADEXA-Juristin Minou Hansen rät hier, den Arbeitgeber schriftlich unter kurzer Fristsetzung zur Einhaltung von Schutzmaßnahmen aufzufordern. Wenn er darauf nicht reagiert, sollte man umgehend die Berufsgenossenschaft (im Fall der Apotheken ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege - BGW zuständig) einschalten, die dann im Rahmen einer Begehung alles Erforderliche in Gang setzen würde.

"Weigern Sie sich, ohne Schutzkleidung zu arbeiten!

Hansen betont auch, dass sie sich als Mitarbeiterin aber durchaus auch weigern würde, ohne Schutzkleidung zu arbeiten. Das sollte man (als Team) dem Apothekenleiter freundlich aber bestimmt und am besten schriftlich auch so mitteilen. Alle Arbeitgeber sind zum Schutz ihrer Mitarbeiter verpflichtet und derartige eklatante Verstöße muss niemand hinnehmen. Also sollten betroffene PTA prüfen oder prüfen lassen, ob eine konkrete Gefährdung besteht, welche Schutzmaßnahmen es gibt, und diese dann einleiten. Weigert sich der Apothekenleiter, derartige Maßnahmen zu ergreifen, muss er die Tätigkeiten im Zweifelsfall selber durchführen.

Wir gehen davon aus, dass gerade mit CMR-Stoffe in Apotheken äußerst sensibel umgegangen wird und dass es sich bei den PTA, die sich an uns gewandt haben, um Einzelfälle handelt. Dennoch gilt: Sicherheit geht vor! Ihre Gesundheit ist Ihr wertvollstes Gut!

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
onlineredaktion@ptaheute.de