Titelbild: pix4U / Adobe Stock
STIKO-Impfempfehlung: Meningokokken: Ausbruch von Infektion in England

Seit Anfang März 2026 registrieren die britischen Gesundheitsbehörden einen massiven Anstieg an Meningokokken-Infektionen in der Grafschaft Kent im Südosten Englands. Zwei junge Menschen kam bereits durch die Erkrankung ums Leben.
Als möglicher Ursprung der Infektionswelle gilt das Nachtlokal „Club Chemistry“ in Canterbury. Es wird davon ausgegangen, dass es bei Feiern und gemeinsamen Aktivitäten in Studierendenwohnheimen zu einem sogenannten Superspreader-Ereignis gekommen ist.
Die Regierungsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) ruft alle Personen, die das Lokal zwischen dem 5. und 7. März besucht haben, dazu auf, sich vorsorglich mit Antibiotika behandeln zu lassen.
Die UKHSA hat einen nationalen Notfall ausgerufen: Hunderte Menschen standen bereits vergangene Woche vor der Universität von Kent Schlange, um Antibiotika gegen die Erreger zu erhalten. Mehr als 30.000 Menschen in Canterbury seien von der Behörde bereits kontaktiert worden. Rund 5.000 Studierende in Wohnheimen der University of Kent sollen nun den Meningitis-B-Impfstoff erhalten.
Jüngst wurde auch in Frankreich ein Patient hospitalisiert, der sich mutmaßlich zuvor in Kent infiziert hatte. Diese Entwicklungen schüren auch hierzulande Bedenken vor einem möglichen Ausbruch. Quelle: Deutsches Ärzteblatt / vs
Gut zu wissen: Warum betrifft der Meningokokken-Ausbruch in England vor allem Jüngere?
Junge Menschen, die zum ersten Mal an die Universität gehen sind besonders gefährdet, schreibt die Behörde UKHSA, da sie dort mit vielen anderen Studierenden in Kontakt kommen, von denen einige unwissentlich die Bakterien im hinteren Bereich der Nase und des Rachens tragen.
Hinzu kommt, dass die Meningokokken-B-Impfung in Großbritannien erst seit 2015 Teil der Standard-Impfungen für Kinder ist. Die nun studierenden, jungen Menschen sind demzufolge größtenteils ungeimpft.
Was sind Meningokokken?
Meningokokken (Neisseria meningitidis, früher Meningococcus meningitis) sind gramnegative Diplokokken, die bei ungefähr zehn Prozent der europäischen Bevölkerung im Nasen-Rachen-Raum auftreten, ohne eine Krankheit auszulösen.
In seltenen Fällen – etwa bei einem geschwächten Immunsystem – können die Bakterien jedoch äußerst gefährlich werden: Gelangen sie in den Blutkreislauf (invasive Infektion), rufen sie meist schwere Krankheitsbilder hervor, vor allem Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis).
Bleibende Schäden wie Lähmungen, Krampfanfälle oder Hörschäden sind dann häufige Folgen. Insbesondere eine Sepsis kann außerdem dramatisch verlaufen – in Form eines schweren septischen Schocks. Dieses sogenannte Waterhouse-Friderichsen-Syndrom endet zu einem Drittel tödlich.
Schnell Lebensgefahr durch Meningokokken-Infektion
Ein lebensbedrohlicher Zustand kann sich bei einer Meningokokken-Infektion schon binnen weniger Stunden einstellen. Häufig treten zuvor kurzfristig unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und schweres Krankheitsgefühl auf.
Die Meningitis äußerst sich dann mit Krämpfen, hohem Fieber, Bewusstseinsstörungen und typischerweise Nackensteifigkeit. Charakteristisch für eine Sepsis sind punktförmige Hauteinblutungen und Kreislaufkollaps.
Entscheidend ist eine möglichst frühe Antibiotika-Behandlung. Doch diese Hilfe kommt oft zu spät, da die Anfangssymptomatik unspezifisch ist. Bei Säuglingen und Kleinkindern fehlen außerdem häufig die charakteristischen Symptome, vor allem die Nackensteifigkeit.
Meningokokken-Infektion am häufigsten bei Kleinkindern
Gerade bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren treten die meisten Meningokokken-Infektionen auf. Zudem gibt es einen kleineren Häufigkeitsgipfel bei jungen Menschen zwischen 15 und 19 Jahren.
Als Grund für diese Verteilung macht man den Übertragungsweg der Meningokokken verantwortlich: Sie verbreiten sich über Tröpfcheninfektion, zuerst zwischen Eltern und Kleinkindern und später zwischen Beziehungspartnern.
Zur Erinnerung: Unterscheidung Säuglinge, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche
- Säugling: 1. Lebensjahr
- Kleinkind: 2. und 3. Lebensjahr
- Frühe Kindheit: 4. bis 6. Lebensjahr
- Mittlere Kindheit: 7. bis 10. Lebensjahr
- Späte Kindheit: 11. bis 14. Lebensjahr
- Jugend/Adoleszenz: ab dem 15. Lebensjahr
Meningokokken-B-Impfung für Säuglinge
Seit 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B für alle Säuglinge ab zwei Monaten mit dem Impfstoff Bexsero, der nach dem 2+1-Impfschema im Alter von zwei, vier und zwölf Monaten verabreicht werden soll. Die Impfungen können bis zum fünften Geburtstag nachgeholt werden.
Insgesamt trete eine Erkrankung durch Infektion mit Meningokokken der Serogruppe B zwar sehr selten auf, doch der Krankheitsverlauf sei meist schwerwiegend. Die häufigsten Fälle manifestierten sich bei Säuglingen und Kleinkindern unter fünf Jahren, wobei das Risiko im ersten Lebensjahr am höchsten sei.
Säuglinge sollten also früh geimpft werden – möglichst an einem Termin zusammen mit anderen für diesen Zeitpunkt empfohlenen Impfungen. Konkret empfiehlt die STIKO die Kombination von bis zu drei Injektionsimpfstoffen:
- „1. und 2. Impfstoffdosis 4CMenB (Bexsero) in Kombination mit 6-fach-Impfstoff [DTaP-IPV-Hib-HepB], Pneumokokken-Konjugat-Impfung [PCV13 oder PCV15] und Rotavirus-Schluckimpfung“
- „3. Impfstoffdosis 4CMenB (Bexsero) in Kombination mit MenC-Konjugat-Impfstoff [MCV]“
Der MenB-Impfstoff Bexsero sei sehr reaktogen, weshalb Kinder unter zwei Jahren zur Vermeidung von Fieber eine prophylaktische Paracetamol-Gabe über 24 Stunden ab der Impfung erhalten sollten. Laut STIKO wird die Immunantwort dadurch nicht abgeschwächt.
Meningokokken-Impfung für Jugendliche
Die seit 2006 geltende Impfempfehlung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder ab zwölf Monaten sowie die empfohlene Nachholimpfung bis zum Alter von 18 Jahren hat die STIKO im Oktober 2025 aufgehoben.
Stattdessen sollen dafür Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y erhalten.
Diese kann etwa im Rahmen der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung bei Jugendlichen (kurz J1) verabreicht werden. Wer älter ist, kann eine Nachholimpfung bekommen – diese sollen laut STIKO junge Menschen bis zum 25. Geburtstag erhalten.
Eine Meningokokken-Impfung gegen die Serogruppen A, B, C, W und Y wird weiterhin bei bestimmten Indikationen empfohlen, z. B. bei Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz, gefährdetem Laborpersonal oder vor Aufenthalten in Hochrisikogebieten.
Für die Serogruppen A, C, W und Y gibt es die kombinierten Konjugatimpfstoffe MenQuadfi, Menveo und Nimenrix; für die Serogruppe B liegt seit 2017 der Impfstoff Trumenba vor, der ab einem Alter von zehn Jahren zugelassen ist. Quellen:
- Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2023, www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html
- Pressemitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur neuen Meningokokken-B-Impfempfehlung für Säuglinge, Stand: 18.01.2024, www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/PM_2024-01-18.html
- Epidemiologisches Bulletin 3/2024, Standardimpfung von Säuglingen gegen Meningokokken der Serogruppe B, 18. Januar 2024, www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2024/03/Art_01.html
- https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/meningokokken/meningokokken-node.html
- https://www.adac.de/gesundheit/impfungen/meningokokken/#wo-liegen-meningokokken-risikogebiete
- dpa / mg
Gut zu wissen: Besteht ein aktuelles Risiko für Deutschland?
In Deutschland habe es bislang keinen gemeldeten Fall gegeben, der mit dem Infektionsgeschehen in Kent in Zusammenhang steht, sagte das Robert Koch-Instituts (RKI). Reisende in der Region sollten sich gegebenenfalls reisemedizinisch beraten lassen.
Laut RKI waren in den Jahren 2023 bis 2025 jeweils mehr als 100 Meningokokken-B-Fälle in Deutschland registriert. 2025 waren es 123 Erkrankungen, 2026 bislang über 20.
Die Todesfallrate betrage sieben bis 15 Prozent, viele Überlebende litten an schweren Langzeitfolgen, so das RKI. Quelle: Deutsches Ärzteblatt / vs