Selbsttests
In dieser Serie stellen wir Ihnen wichtige Testmöglichkeiten und deren Anwendung vor. Außerdem erfahren Sie, welche Besonderheiten es dabei zu beachten gibt und welche Hinweise Interessierten in der Apotheke mitgegeben werden sollten.
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Zöliakie-Selbsttest: Was ist zu beachten?

Kit für ein Blut-Selbsttest
Comedy-Star Hazel Brugger leidet unter einer Glutenunverträglichkeit. | Bild: IMAGO / Gonzales Foto

Auf der Bühne sorgt Hazel Brugger regelmäßig dafür, dass sich Besucher ihrer Shows oder Menschen vor dem TV-Bildschirm vor Lachen nicht mehr einkriegen. Doch lange Zeit war der Comedian gar nicht zum Lachen zumute. Erstmals hat die 32-Jährige im Podcast von Barbara Schöneberger detailliert über ihre Erkrankung gesprochen.

Im Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ hat Hazel Brugger offen über ihre Zöliakie-Erkrankung gesprochen – eine lebenslange Autoimmunerkrankung, die auch als Glutenunverträglichkeit bekannt ist. Oft ist die Krankheit Thema ihres Comedy-Programms, doch wirklich ernsthaft spricht Hazel Brugger nur selten über ihr Leiden.

Die Erkrankung sei vor allem in der Kindheit schlimm gewesen, denn da habe die Komikerin lange nicht gewusst, dass sie kein Gluten vertrage. Erst als Teenager sei die Zöliakie festgestellt worden. „Also ich würde sagen, ich hatte so acht Jahre, wo ich einfach unerklärliche Bauchschmerzen hatte. Und dann hieß es auch immer: Ja, du bist halt gestresst. Ja, ich war zwölf und ich war halt wirklich nicht gestresst“, schildert sie.

Was versteht man unter Zöliakie?

Zöliakie zählt zu den Autoimmunerkrankungen und wird durch das Eiweiß Gluten ausgelöst. Die Erkrankung führt zu funktionellen und morphologischen Veränderungen der Darmschleimhaut. 

Mit der Nahrung aufgenommenes Gluten aktiviert die Immunzellen in der Dünndarmschleimhaut und infolgedessen kommt es zu Entzündungsreaktionen. Durch diesen entzündlichen Prozess bilden sich die Zotten der Darmschleimhaut zurück, was zu einer Oberflächenverkleinerung führt. So können nicht mehr ausreichend Nährstoffe ins Blut gelangen und es kommt zu Nährstoffdefiziten.

Gut zu wissen: Was ist Gluten?

Gluten ist ein Sammelbegriff für verschiedene Eiweiße, die in den Samen zahlreicher Getreidesorten wie Weizen, Dinkel und Roggen vorkommen. 

Diese Speicherproteine können in die beiden Polypeptide Prolamin und Glutenin unterteilt werden. Beim Weizen wird der Prolaminanteil im Gluten auch als Gliadin bezeichnet. 

Gluten spielt beim Backen der Getreidemehle eine wichtige Rolle und sorgt für den Zusammenhalt und die Elastizität des Teiges. Aus diesem Grund wird Gluten auch als „Klebereiweiß“ bezeichnet. 

Aufgrund seiner Emulgatoreigenschaft und als Träger von Aromastoffen wird Gluten in zahlreichen Fertiggerichten und Saucen eingesetzt.

Eine genaue Ursache für die Entstehung einer Zöliakie ist nicht bekannt. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus Umwelteinflüssen und genetischer Veranlagung verantwortlich. 

In Deutschland leiden etwa ein Prozent der Bevölkerung an dieser Erkrankung. Man geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Krankheit kann bei Kindern und Erwachsenen in jedem Alter auftreten, eine Vorbeugung ist nicht möglich.

Symptome bei Zöliakie

Betroffene leiden häufig unter Bauchschmerzen und Durchfall. Oft kommt es zu Gewichtsverlust, Müdigkeit oder Appetitmangel. Diese Krankheitszeichen treten aber nicht immer auf. 

Meist äußert sich die Erkrankung lediglich durch unspezifische Symptome wie Kopf- und Gelenkschmerzen oder durch einen ungeklärten Eisenmangel. In solchen Fällen wird die endgültige Diagnose oft erst nach vielen Jahren gestellt.

Wie kann auf Zöliakie getestet werden?

Bei Verdacht auf eine Zöliakie wird der Arzt zunächst eine Blutuntersuchung veranlassen und dabei auf bestimmte Antikörper testen. 

Dazu zählen Antikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebetransglutaminase. Dieses Enzym verarbeitet das aufgenommene Gluten in der Dünndarmschleimhaut. Außerdem wird auf Antikörper getestet, die das Immunsystem gegen das Endomysium – Bindegewebsschicht in der Darmwand – bildet.

Zusätzlich wird einmalig die Gesamtmenge an Antikörpern der Klasse A (IgA) bestimmt, da die bei Zöliakie gebildeten Antikörper zu dieser Gruppe gehören. Da es bei einer Glutenunverträglichkeit oft zu einem generellen Mangel an IgA kommt, können auch die Antikörper gegen Gewebetransglutaminase und Endomysium nur in geringer Konzentration vorliegen. Trotz Vorliegen einer Zöliakie kann es dann zu falsch-negativen Ergebnissen kommen. 

Zur endgültigen Absicherung der Diagnose wird zusätzlich zur Blutuntersuchung eine endoskopische Dünndarmbiopsie durchgeführt. Bei dieser feingeweblichen Untersuchung der Schleimhaut zeigen sich typische Vermehrung der Entzündungszellen und Schleimhautabbau. 

Wie funktionieren Zöliakie-Selbsttests?

Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller Zöliakie-Schnelltests für zu Hause an, die unter anderem auch in Apotheken erhältlich sind. 

Die im Handel erhältlichen Selbsttests weisen Antikörper gegen die Gewebetransglutaminase nach. Mithilfe einer beiliegenden Lanzette muss zunächst ein Tropfen Blut aus der Fingerbeere gewonnen werden. Dieser wird mit einem Kapillarröhrchen aufgenommen und in ein flüssigkeitsgefülltes Reaktionsgefäß gegeben. 

Anschließend wird ein Tropfen davon mittels Pipette auf das Feld einer Testkassette gegeben. Bei vorhandenen Antikörpern lässt sich eine Farbreaktion beobachten.

Wie sicher sind Zöliakie-Selbsttests?

Der Erkenntniswert der Selbsttests auf Gluten ist allerdings relativ gering und sie können keinesfalls einen Arztbesuch ersetzen. 

Ernährt sich die Person bereits vor der Durchführung des Selbsttests vorsorglich glutenfrei, kann der Test trotz Erkrankung negativ ausfallen, da die Antikörper nur noch in geringer Anzahl vorhanden sind. Der Schnelltest kann also in einem solchen Fall keine Entwarnung geben. 

Zudem kann, wie schon beschrieben, ein Mangel an IgA-Antikörpern vorliegen. Dabei liegen die Antikörper ebenfalls in so niedriger Konzentration vor, dass sie vom Test nicht erfasst werden können. Auch in einem solchen Fall können die Betroffenen trotzdem an Zöliakie erkrankt sein. 

Positives Testergebnis, was nun?

Bei einem positiven Testergebnis empfehlen einige Anbieter, sich direkt glutenfrei zu ernähren, allerdings kann dies die weitere Diagnosestellung durch einen Arzt behindern. Denn: Die Blutuntersuchung beim Arzt und die Dünndarmbiopsie muss unter normaler Glutenbelastung durchgeführt werden, da die Erkrankung sonst nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. 

Eine glutenfreie Ernährung ergibt daher erst nach einer gesicherten, ärztlichen Diagnose Sinn.

Bei Zöliakie: Glutenhaltige Nahrungsmittel meiden

Betroffene von Zöliakie müssen lebenslang auf glutenhaltige Nahrungsmittel verzichten, denn Zöliakie kann nicht geheilt werden. Nur so bilden sich die Entzündungen zurück, die Darmschleimhaut kann sich regenerieren und eine normale Aufnahme der benötigten Nährstoffe ist möglich. Schon kleine Mengen an Gluten können die Entzündungsreaktionen erneut aufflammen lassen. 

Auch Hazel Brugger verzichtet seit ihrer Diagnose konsequent auf Gluten. Die Komikerin könne es nicht verstehen, wenn Leute sagen: „‚Oh Gott, das ist ja schrecklich, wenn man kein Gluten essen kann.‘ Das ist nicht schrecklich. Schrecklich ist, wenn du es nicht essen kannst, es aber nicht weißt. Also sobald du was rausgefunden hast, ist es immer besser als vorher.“

In der Apotheke können Betroffene bei der Auswahl ihrer Lebensmittel unterstützt werden. Hierzu bietet die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) eine Aufstellung sämtlicher glutenfreier Lebensmittel an, die jährlich aktualisiert wird. 

Als glutenfrei gelten entsprechende Nahrungsmittel nur dann, wenn ihr Glutengehalt höchstens 20 mg/kg beträgt. Diese Produkte tragen als gesetzlich geschütztes Zeichen eine durchgestrichene Weizenähre.

Gut zu wissen: Ernährung bei Zöliakie

Auf folgende Nahrungsmittel sollte bei Zöliakie verzichtet werden:

  • Getreide mit Gluten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Grünkern und Emmer
  • aus diesen Getreiden hergestellte Lebensmittel wie Mehl, Nudeln, Grieß, Paniermehl, Brot, Brötchen, Müsli, Kuchen, Torten, Gebäck, Zwieback und Malzkaffee

Diese Nahrungsmittel sind erlaubt:

  • Getreideersatz ohne Gluten wie Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth und Quinoa
  • glutenfreie Lebensmittel wie Kartoffeln, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milch, Butter, Margarine, Eier, Nüsse, Honig, Marmelade und Pflanzenöle.

Zöliakie und Arzneimittel: Worauf ist bei der Einnahme zu achten?

Gluten ist nicht nur in Lebensmitteln enthalten, auch bei Arzneimitteln muss darauf geachtet werden. Eine Kennzeichnung wie bei Lebensmitteln gibt es hier nicht. Gluten ist auch nicht unter der Auflistung der Hilfsstoffe aufgeführt. 

Stattdessen sollte man in der Packungsbeilage und Fachinformation auf das Vorhandensein von Weizenstärke achten. Auch wenn es sich bei Weizenstärke eigentlich nur um den Kohlenhydratanteil des Weizenkorns handelt, enthält dieser auch immer einen geringen Anteil an Proteinen und damit an Gluten. 

Betroffenen von Zöliakie wird daher empfohlen, so weit wie möglich Arzneimittel ohne Gluten einzunehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Zöliakie hält dazu ebenfalls eine Liste mit glutenfreien Arzneimitteln bereit, die für die Beratung in der Apotheke genutzt werden kann. Quellen:
- https://www.dzg-online.de/was-ist-zoeliakie
- https://www.dzg-online.de/system/files/2022-01/2021_diagnostik_erwachsene_web.pdf
-https://www.focus.de/kultur/stars/spaete-diagnose-hazel-brugger-leidet-jahrelang-an-schmerzen_917c91d5-95ed-413f-a0ce-d9b55d6f69f2.html
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/06/14/allergie-cholesterin-und-gluten-was-sagen-apothekentests-aus/chapter:2
 

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