Ein genialer Marketing-Trick verzaubert das menschliche Gehirn: Während „gesundes Gemüse“ oder „Vollkorn“ eher abschreckend und lustfeindlich klingen, lässt der Begriff „Superfood“ die Herzen höher schlagen. „Superfoods“ gelten als hip und cool. Selbsternannte Ernährungsfachleute versprechen die Lösung aller Gesundheitsprobleme, Gewichtsabnahme meist inbegriffen. Was steckt hinter den als Superfoods gepriesenen Produkten? In dieser Serie wollen wir die am meisten beworbenen und beliebtesten „Superfoods“ unter die Lupe nehmen.
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Gerstengras: Was steckt im regionalen Superfood?

Ob im Smoothie, Joghurt oder als „Green Latte“ – Gerstengras gehört zu den aktuellen Superfoods. Es überzeugt nicht nur durch seine intensive grüne Färbung, sondern auch mit seinem hohen Gehalt an Mikronährstoffen.
Ausschlaggebend ist der richtige Erntezeitpunkt. Das noch junge und grüne Gerstengras, botanisch als Hordeum vulgare bekannt, wird bereits drei bis sechs Wochen nach der Keimung geerntet, wenn sich noch keine Ähren und Samen ausgebildet haben.
In dieser frühen Wachstumsphase liegen die sekundären Pflanzenstoffe in besonders hoher Konzentration vor. Direkt nach der Ernte erfolgt eine schonende Trocknung und feine Vermahlung, um die wertvollen Vitamine und Mineralstoffe bestmöglich zu erhalten.
Gerstengras: Reich an Antioxidantien
Gerstengras enthält bestimmte Pflanzenstoffe, die oxidativem Stress entgegenwirken können. Dazu gehören die Flavonoide Saponarin und Lutonarin, der grüne Pflanzenfarbstoff Chlorophyll, das Enzym Superoxiddismutase (SOD) sowie die Vitamine C und E.
Sie wirken positiv auf die Zellregeneration, das Immunsystem und sind meist zusätzlich entzündungshemmend. Zink und Eisen unterstützen in Kombination mit den Antioxidantien die Bildung gesunder Haut, Haare und Nägel.
Die im Gerstengras enthaltenen Inhaltsstoffe Calcium, Kalium und Magnesium tragen zu gesunden Muskeln und einem funktionierenden Herz-Kreislauf-System bei und unterstützen zudem die Regulation von Stress.
In Zusammenspiel mit der enthaltenen essenziellen Aminosäure Tryptophan und Gamma-Aminobuttersäure (GABA) kann sich Gerstengras zudem positiv auf das Schlafverhalten auswirken.
Gerstengras unterstützt Verdauung und Stoffwechsel
In Gerstengras sind besonders viele Ballaststoffe enthalten. Diese unterstützen eine gesunde Verdauung und haben positive Effekte auf das Mikrobiom des Darms. Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Verzehr von Gerstengras zur Regulierung des Blutzuckerspiegels beitragen kann.
Darüber hinaus zeigte sich, dass Gerstengras einen günstigen Einfluss auf den Cholesterinstoffwechsel hat. Verantwortlich sind auch hier insbesondere das Saponarin, GABA und das Enzym SOD.
Gut zu wissen: Gerstengras ist kein Wundermittel
Gerstengras enthält zwar viele nützliche Nährstoffe, jedoch müsste man große Mengen davon konsumieren, um die empfohlenen Tagesmengen an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen durch Gerstengras zu erreichen. Hinzu kommt, dass der Gehalt an Nährstoffen je nach Bodenqualität, Ernteverfahren und Verarbeitung stark variieren kann.
Die bisher untersuchten gesundheitlichen Effekte von Gerstengras beruhen überwiegend auf ernährungsphysiologischen Aspekten und wurden hauptsächlich in kleineren Studien erforscht. Deshalb sind bislang keine eindeutigen gesundheitsbezogenen Aussagen zu Gerstengras zugelassen.
Nahrungsergänzungsmittel: Gerstengras als Pulver, Pressling oder Kapsel
Gerstengras wird als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel in Form von Pulver, Kapseln oder Tabletten angeboten. Das Pulver eignet sich als Zusatz in Säften, Smoothies, Müsli, Joghurt oder Salatdressing. Der Geschmack erinnert an Heu und kann als intensiv erdig und leicht bitter beschrieben werden.
Die Hersteller empfehlen in der Regel ein bis drei Teelöffel des Pulvers pro Tag. Da Gerstengras auch Verdauungsbeschwerden verursachen kann, sollte man mit einer kleineren Menge, beispielsweise einer Messerspitze, starten und diese dann langsam steigern. So kann die individuelle Verträglichkeit gut eingeschätzt werden.
Tägliche Ernährung: Gerstengras zu Hause selbst ziehen
Alternativ kann auch frisches Gerstengras verarbeitet werden. Das kann auch selbst zu Hause angebaut werden. Die Keime werden in einer Schale mit Erde bedeckt und so lange wachsen gelassen, bis das Gerstengras zu kleinen Pflänzchen herangewachsen ist.
Dieses eignet sich als frisches Kraut für die Herstellung von Suppen, Kräuterquark oder Salaten. Mit einem Hochleistungsentsafter kann auch ein frisch gepresster Saft hergestellt werden.
Gerstengras: Auf Qualität und Herkunft achten
Das Gerstengraspulver wird in der Regel roh verzehrt, wodurch potenziell krankheitserregende Mikroorganismen erhalten bleiben können. Insbesondere Produkte, die nicht aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, weisen gelegentlich ein erhöhtes Risiko für Verunreinigungen auf.
Diese können bei immungeschwächten Personen sowie bei Schwangeren zu Infektionen führen. Auch für Personen mit stark supprimiertem Immunsystem empfiehlt sich besondere Vorsicht. Daher sollte man beim Kauf von Gerstengras besonders auf die Qualität und die Herkunft achten. Im Handel findet man häufig Gerstengras in Bioqualität, das aus Deutschland stammt. Quellen:
https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv-2024-und-frueher/gerstengras-und-weizengras
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5904770/