Superfoods

Ein genialer Marketing-Trick verzaubert das menschliche Gehirn: Während „gesundes Gemüse“ oder „Vollkorn“ eher abschreckend und lustfeindlich klingen, lässt der Begriff „Superfood“ die Herzen höher schlagen. „Superfoods“ gelten als hip und cool. Selbsternannte Ernährungsfachleute versprechen die Lösung aller Gesundheitsprobleme, Gewichtsabnahme meist inbegriffen. Was steckt hinter den als Superfoods gepriesenen Produkten? In dieser Serie wollen wir die am meisten beworbenen und beliebtesten „Superfoods“ unter die Lupe nehmen.
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MCT-Öl und Kokosöl – gesund oder nur gehypt?

zwei Fläschchen mit Öl neben einer aufgeschlagenen Kokosnuss
Während Kokosöl häufig bei Schwangerschaftsbeschwerden verwendet wird, findet MCT-Öl oft Anwendung in der parenteralen Ernährung. | Bild: LIGHTFIELD STUDIOS / AdobeStock

MCTs – „medium-chain triglycerides“ – sind gesättigte Fettsäuren mittlerer Kettenlänge (sechs bis zwölf Kohlenstoffatome). Dazu zählen Capron-, Capryl-, Caprin- und Laurinsäure.  

Im Körper werden sie schneller als langkettige Fettsäuren gespalten und über die Pfortader direkt zur Leber transportiert. Sie haben den Vorteil, unabhängig von Gallensäuren und fettspaltenden Enzymen absorbiert zu werden.  

Aufgrund dieser Eigenschaften haben sie ihren festen Platz in der parenteralen Ernährung sowie in der diätetischen Therapie verschiedener Darmerkrankungen, insbesondere bei Fettverdauungs- und Lymphabflussstörungen, bei Morbus Crohn, Mukoviszidose oder nach Dünndarmoperationen.  

Darüber hinaus werden MCT-Öle aber im Internet als Abnehmwunder und Hilfe gegen verschiedenste Gesundheitsbeschwerden von Bluthochdruck über Gicht bis Diabetes beworben. Ähnliches gilt für das gesamte Kokosöl, aus dem die MCTs in der Regel stammen.  

Was sind MCTs?

MCTs kommen in hohen Konzentrationen in Kokos- und Palmöl vor und liegen in geringem Ausmaß auch in Milch, Butter und Muttermilch vor. Für die Diätetik werden spezielle Streichfette hergestellt, so sind zum Beispiel MCT-Margarinen im Handel.

MCT-Fette haben tatsächlich zehn Prozent weniger Kalorien als andere Nahrungsfette. Sie führen in der ersten Zeit ihrer Anwendung zu einem höheren Sättigungsgefühl, und es wurden kurzfristige Gewichtsabnahmen beschrieben.  

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) räumt ein, dass auf diese Weise der Beginn einer Reduktionsdiät erleichtert werden kann, doch es komme sehr schnell zu einem Gewöhnungseffekt.  

Es gibt laut DGE keine wissenschaftlichen Beweise für Langzeiterfolge und erst recht nicht für eine Einstufung von MCT-Fetten als „Schlankmacher“ oder Kalorieneinsparer. Deshalb hält die DGE MCT-Fette für die Therapie der Adipositas nicht für empfehlenswert.

Kokosöl – die Fakten

Kokosöl wird aus dem frischen Fruchtfleisch der Kokosnuss gepresst oder aus der Kokosmilch gewonnen und bleibt weitgehend unbehandelt. Zu den wichtigsten Anbauländern von Kokospalmen zählen Indonesien, die Philippinen und Indien.

Kokosöl enthält nur wenige der gesunden ungesättigten Fettsäuren und besteht zu rund 92 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Dabei handelt es sich um MCT-Fette, zu 50 Prozent ist Laurinsäure vertreten, daneben Capryl- und Caprinsäure.

Das wachsartige Kokosöl riecht mild und frisch, leicht nach Kokos. Man spricht auch von Kokosfett, weil es unter 23 Grad Celsius fest oder cremig ist.

Gut zu wissen: Was ist Palmin?

Das bekannte Kokos-Plattenfett („Palmin“), das oft zum Frittieren genutzt wird, ist jedoch etwas anderes als Kokosöl: Es wird aus getrocknetem Fruchtfleisch gepresst und das so gewonnene Öl anschließend stark bearbeitet, bis es völlig geschmacksneutral ist. 

DGE rät: Kokosöl nur gelegentlich verwenden

Grundsätzlich sollte eine gesunde Ernährung möglichst viele ungesättigte Fettsäuren enthalten. Diesen Anspruch kann Kokosöl auch in seiner nativen Variante nicht erfüllen. 

Die DGE empfiehlt daher, Kokosöl in der Küche nur gelegentlich zu verwenden, beispielsweise bei der Zubereitung exotischer Speisen. 

Für die regelmäßige und tägliche Verwendung sind Oliven-, Raps- und Walnussöl laut DGE die bessere Alternative. Diese anerkannt hochwertigen pflanzlichen Öle zeichnen sich durch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus, die nachweislich das Herzinfarktrisiko senken und den Körper mit essenziellen Fettsäuren versorgen.

Kokosöl-Kampagne mit Wirkung

Die ursprünglich erzählte Geschichte vom „gesunden Kokosöl“ ging so: Die Einheimischen in all den exotischen Ländern, wo Kokospalmen gedeihen, leiden selten unter unseren üblichen Zivilisationskrankheiten, schon gar nicht unter Herz-Kreislauf-Krankheiten. 

Das führten selbsternannte Ernährungsexperten auf den Konsum von Kokosprodukten zurück. Dass die Einheimischen einen völlig anderen Lebensstil pflegen, ihre gesamte Ernährung anders ist und auch nicht das pure Kokosöl konsumiert wird, sondern eher das Kokosnussfleisch, das alles blieb im Marketing-Märchen unberücksichtigt. 

Gesundheitsbehauptungen zu Kokosöl nicht belegt

Man begann also, Kokosöl in den westlichen Ländern als herzschützend, gesund und natürlich zu vermarkten. Das vermeintliche Superfood Kokosöl erwarb sich weithin den Ruf, cholesterolsenkend, antientzündlich sowie antibakteriell zu wirken und Adipositas vorzubeugen.  

Begründet wurde und wird dies mit dem hohen Gehalt an MCTs sowie verschiedenen Polyphenolen. Wissenschaftlich nachgewiesen sind diese Aussagen jedoch nicht, und verschiedene Health Claims, die Anbieter von Kokosöl auf ihre Produkte drucken wollten, wurden von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht zugelassen.

Die Verbraucherzentrale NRW rät in einer aktuellen Stellungnahme dazu, „Berichte über Heilwirkungen sehr kritisch“ zu betrachten.  

Im Kokosöl steckten zwar relativ viele mittelkettige Fettsäuren, die leicht verdaulich seien und möglicherweise nicht vom Körper gespeichert würden. Doch für diese Theorie, die Kokosöl als Wundermittel zum Abnehmen erklärt, fehlten Langzeitstudien.

Umweltbelastung: Kokosöl legt weite Wege zurück

Umweltverbände sind der Ansicht, dass wir in Europa keine Pflanzenöle aus den Tropen brauchen.  

Die heimischen Öle aus Oliven, Raps, Sonnenblumenkernen oder Walnüssen seien nicht nur von ihrer Fettsäuren-Zusammensetzung her gesünder für uns, sie hätten auch keine so langen Transportwege hinter sich wie Produkte aus Übersee, für die in vielen Ländern der Regenwald abgeholzt werde, um riesige Anbauflächen für Monokulturen zu schaffen.

Beim Kauf von Kokosöl solle man unbedingt auf Fairtrade-Label und Bio-Qualität achten. Quellen (Autor ak):
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/alternatives-fett-ist-kokosoel-gesund-29294
https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/ist-kokosoel-gesund-das-tropische-oel-im-faktencheck/
https://medizindoc.de/studien-zeigen-vorteile-von-mct-oel/
 

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