Der Mensch ist ein visuelles Wesen, weshalb gutes Sehen und gesunde Augen sehr wichtig sind. Umwelteinflüsse, Erkrankungen und Genetik können das Sinnesorgan jedoch beeinträchtigen. In diesem Wissen am HV erfahren Sie, welche Tipps Sie Ihren Kunden zu Problemen wie Trockenheit, Gerstenkorn und mehr in der Beratung mitgeben können.
Hyposphagma: Was tun bei rotem Auge?

Bei einem Hyposphagma, einem „roten Auge“, handelt es sich um eine flächenhafte Einblutung unter die Bindehaut des Auges. Der Bluterguss ist typischerweise scharf begrenzt und wird im Alltag häufig als geplatztes Äderchen bezeichnet.
Viele Betroffene sind beunruhigt, sobald sie ein rotes Auge bei sich selbst bemerken. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn keine äußere Ursache damit in Verbindung gebracht werden kann. Aus diesem Grund suchen sie oft schnellen Rat in der Apotheke.
Ursachen für Hyposphagma
Ein rotes Auge kann durch viele Auslöser auftreten, wobei nicht immer alle eindeutig identifizierbar sind. Oft lässt sich das Hyposphagma auf eine kurzfristige Druckerhöhung zurückführen. Der Bluterguss entsteht beispielsweise durch Pressen, Husten, Niesen oder Erbrechen. Auch schnelle Druckänderungen, wie etwa beim Tauchen oder Fliegen, sind typische Ursachen.
In einigen Fällen führen auch Verletzungen im Bereich der Augen oder des Kopfes, z. B. nach einem Sportunfall, zu einem Hyposphagma. Hier werden die Gefäße meist durch die äußere Krafteinwirkung verletzt.
In vielen Fällen tritt das rote Auge allerdings ohne erkennbare Ursache, also idiopathisch, auf.
Rotes Auge: Vorerkrankungen und Medikamente erhöhen das Risiko
Häufig tritt die idiopathische Form bei Senioren auf, da sie oft unter einer altersbedingten Gefäßschwäche leiden. Die feinen Äderchen im Auge reagieren demnach leichter auf bestimmte Reize, was schneller zu einem Bluterguss führt.
Weitere Gründe sind
- Gefäßerkrankungen,
- Gerinnungsstörungen,
- Diabetes,
- schwerer bzw. unkontrollierter Bluthochdruck,
- Infektionskrankheiten, z. B. Keuchhusten,
- die Einnahme von Blutverdünnern, z. B. Acetylsalicylsäure, Rivaroxaban oder Clopidogrel,
- operative Eingriffe am Auge sowie
- starke Reizungen durch eine vorangegangene Bindehautentzündung.
Auch bei Neugeborenen kann unter dem hohen Druck bei einer vaginalen Geburt eine Einblutung unter die Bindehaut erfolgen.
Hyposphagma im Alltag leicht erkennbar
Charakteristisches Erscheinungsbild des Hyposphagmas ist ein blutrot unterlaufenes Auge. Die normalerweise weißen Bereiche sind deutlich verfärbt. Die Blutung wirkt flächig und lässt sich gut gegenüber nicht betroffenen Bereichen abgrenzen.
Ist die Einblutung nicht mehr frisch, verändert sich die Farbe wie bei einem typischen Erguss von tiefrot über blau bis hin zu grünlich-gelb. Normalerweise treten keine Schmerzen auf und das Sehvermögen ist auch nicht eingeschränkt.
Gut zu wissen: Hyposphagma oder gerötetes Auge?
Im Apothekenalltag wird der Begriff „rotes Auge“ auch gelegentlich für ein stark gereiztes bzw. gerötetes Auge verwendet. Hier gibt es keine klare Einblutung, sondern die Rötung entsteht vielmehr durch eine Erweiterung und verstärkte Durchblutung der Gefäße, beispielsweise bei einer Bindehautentzündung oder Allergie.
Typische Symptome sind Juckreiz, verschwommenes Sehen, vermehrtes Tränen und Reizung. Die Behandlung richtet sich nach dem Erscheinungsbild und der Ursache und kann teilweise im Rahmen der Selbstmedikation erfolgen.
Rotes Auge: Wann ist ein Arztbesuch zu empfehlen?
Ein Hyposphagma sieht zwar bedrohlich aus, ist in der Regel aber harmlos und heilt innerhalb von ein bis drei Wochen von allein aus. Ein Arztbesuch ist immer dann anzuraten, wenn die Beschwerden zum wiederholten Male auftreten, eine Krafteinwirkung auf den Kopf stattgefunden hat oder wenn keine Ursache bekannt ist.
Sollten neben der Einblutung unter die Bindehaut zusätzlich
- starke Kopfschmerzen,
- Seh- und Pupillenveränderungen,
- eine Schwellung des Augenlids,
- Übelkeit und Erbrechen oder
- ein verstärktes Druckgefühl
auftreten, sollte der Betroffene direkt an einen Augenarzt verwiesen werden.
Dies dient der Abklärung weiterer Ursachen wie einer Hornhautverletzung, einer Gewebeschädigung oder Hirnvenenthrombose. Außerdem kann ein erhöhter Augeninnendruck ursächlich sein, wie er bei einem akuten Glaukomanfall vorkommt.
Hyposphagma: Meist keine Behandlung notwendig
Ein Hyposphagma heilt in der Regel von selbst aus und erfordert in den meisten Fällen keine Therapie. Sollte der Arzt als Ursache eine bestimmte Grunderkrankung diagnostizieren, muss diese speziell behandelt werden, um ein erneutes Auftreten zu verhindern.
Ist die Einblutung so stark ausgeprägt, dass das Auge nicht richtig geschlossen werden kann, begünstigt dies die Entstehung eines trockenen Auges. Dann ist der Einsatz von Tränenersatzprodukten sinnvoll.
Bei Hornhautschäden kann zur Unterstützung der Wundheilung auch Dexpanthenol eingesetzt werden (z. B. Corneregel® Fluid EDO®, Bepanthen® Augen- und Nasensalbe). Augentropfen mit Heparin (z. B. HYLO PARIN®) können mehrmals täglich angewendet werden und beschleunigen den Abbau des Blutergusses.
Sollte sich der Zustand, ob mit oder ohne Behandlung, innerhalb von sieben Tagen nicht bessern, ist eine erneute ärztliche Kontrolle ratsam.
Beratung bei Hyposphagma: beruhigen und aufklären
Im Beratungsgespräch ist es sinnvoll, den Kunden mit einem roten Auge zu beruhigen. Die Information, dass es meist eine harmlose Einblutung ist, die innerhalb von drei Wochen ausheilt, ist dabei besonders hilfreich. Auch nach einem potenziellen Auslöser kann gefragt werden. Bei großer Unsicherheit empfiehlt sich dennoch die Vorstellung beim Augenarzt.
Um die Heilung zu unterstützen, sollte man immer wieder Pausen in den Alltag integrieren und auf einen ausgiebigen und erholsamen Schlaf setzen. Auf das Tragen von Kontaktlinsen sollte man verzichten. Außerdem werden kühlende Umschläge oder Augenkompressen als besonders angenehm empfunden. Quellen:
https://www.msdmanuals.com/de/profi/augenkrankheiten/krankheiten-der-binde-und-lederhaut/subkonjunktivale-blutungen
Lennecke, Hagel, Selbstmedikation für die Kitteltasche, 8. Auflage, 2025, Deutscher Apotheker Verlag
https://www.aerzteblatt.de/archiv/rotes-auge-leitfaden-fuer-den-nicht-ophthalmologen-56e04b80-12d6-4b24-baec-7bec6d743246