Kinderwunsch
Schwangere benötigen zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe. Schon während der Kinderwunschzeit können Frauen auf eine gute Versorgung achten. Aber was, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt? Und wie geht es nach der Geburt weiter? In unserer neuen Wissen-am-HV-Reihe erhalten Sie Antworten auf diese Fragen.
Titelbild:  Halfpoint  / Adobe Stock
7 min merken gemerkt Artikel drucken

Unerfüllter Kinderwunsch: Das können Männer tun

Frau und Mann liegen Kopf an Kopf im Bett und lachen
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann viele Ursachen haben. | Bild: Dragana Gordic / AdobeStock

Schätzungen zufolge sind weltweit zehn bis 20 Prozent der Paare von Unfruchtbarkeit (Infertilität) betroffen. Das entspricht in etwa 50 Millionen Paaren, bei denen nach einem Jahr regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs noch keine Schwangerschaft eingetreten ist.  

In den letzten Jahrzehnten konnte man einen stetigen Anstieg beobachten, was auch an den Zahlen der durchgeführten Kinderwunschbehandlungen deutlich wird: Wurden in Deutschland in 1997 6.500 Kinder nach einer Kinderwunschbehandlung geboren, sind es im Jahr 2020 bereits über 22.000.

Man geht heute davon aus, dass die Ursache der Infertilität in 30 bis 50 Prozent der Fälle auch auf der Seite des Mannes liegt.

Ursachen für Unfruchtbarkeit beim Mann

Die Ursachen sind zahlreich und bis heute noch nicht vollständig bekannt. Einige Männer leiden unter angeborenen oder entwicklungsbedingten Erkrankungen, die es ihnen unmöglich machen, eigene Kinder zu zeugen. Dazu gehören beispielsweise  

  • ein Hodenhochstand,  
  • genetische Komponenten oder  
  • Veränderungen in der Produktion der Geschlechtshormone.  

Außerdem kann sich die Fruchtbarkeit im Laufe des Lebens verschlechtern. Mögliche erworbene Ursachen für eine männliche Sterilität können sein

  • Krampfadern am Hoden,
  • Hormonmangel,  
  • verschiedene Geschlechtskrankheiten (z. B. Syphilis, Chlamydien, Gonorrhö),  
  • Infektionen z. B. im Rahmen einer Mumpserkrankung (Mumpsorchitis),  
  • Hodentorsion (schmerzhafte Verdrehung des Hodens),  
  • Verletzungen oder Operationen des Gehirns,
  • Hodenkrebs mit Chemotherapie oder  
  • Prostataoperationen.

Zudem deuten Studien darauf hin, dass sich die Spermienanzahl in den letzten Jahrzehnten auch bei Männern ohne Vorerkrankungen weiter reduziert hat. Man geht anhand dieser Daten von einer Halbierung der Spermienkonzentration im Ejakulat innerhalb der letzten 50 Jahre aus. Die Menge der Spermien lässt allerdings keine direkte Aussage über die Fruchtbarkeit der Männer zu, da die Qualität der Spermien in den Studien nicht untersucht wurde. Ein Zusammenhang mit der modernen westlichen Lebensweise ist aber durchaus denkbar.

Ungesunder Lebenswandel bremst Spermien aus

Neben körperlichen Ursachen kann auch ein ungesunder Lebensstil Grund für die männliche Infertilität sein. Insbesondere  

  • Zigaretten mit Nicotin,
  • Drogen (z. B. Anabolika),
  • chronischer Stress,  
  • ungesunde Ernährung,  
  • Übergewicht mit hohem Körperfettanteil,  
  • hohe UV-Strahlenbelastung,  
  • höheres Lebensalter,
  • Umweltschadstoffbelastungen,
  • Medikamente (z. B. Zytostatika, Testosteron, Finasterid, Opioide) und  
  • extremer Leistungssport  

können die Spermienqualität und Spermienanzahl herabsetzen.

Viele dieser Faktoren führen zu einer Erhöhung der freien Sauerstoffradikale (ROS) im Körper. Werden diese durch ausreichend Antioxidantien nicht ausgeglichen, entsteht oxidativer Stress. Während der Reifung sind Spermien besonders anfällig für diese Art von Stress, da sie sich nicht selbstständig dagegen wehren können.

Nicht zu unterschätzen ist auch die regelmäßige Einwirkung einer erhöhten Temperatur auf den Hodenbereich. Dies ist beispielsweise bei regelmäßigen Saunabesuchen, der Nutzung einer Sitzheizung im Auto, der Platzierung des Laptops auf dem Schoß, aber auch einfach dem Tragen von zu enger Unterwäsche und Hosen gegeben.

Fruchtbarkeit: Wichtige Mikronährstoffe für den Mann

Um eine Verbesserung der Spermienqualität durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten zu erzielen, ist Geduld gefragt. Die Reifung der Spermien dauert in der Regel zwei bis drei Monate. Frühestens dann können erste Erfolge nach einer Umstellung des Lebensstils auch im Spermiogramm sichtbar werden.  

Spermien werden fortlaufend in den Nebenhoden produziert. Für die Bildung der Spermien benötigt der Körper eine ausreichende Menge an Vitaminen und Mineralstoffen. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse ist hilfreich.  

Um die Fruchtbarkeit zu unterstützen und den oxidativen Stress zu reduzieren, können bestimmte Antioxidantien wie Vitamin E und C sowie pflanzliche Stoffe wie Beta-Carotin, Lutein und Lycopin als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen werden.  

Auch Zink, Selen und Coenzym Q10 konnten in Studien positive Effekte auf die Spermienqualität zeigen. Ebenfalls in außerordentlich hohen Mengen im Nebenhoden vorkommend ist L-Carnitin (2000-fach höhere Konzentration als im Blut), da es für die Energiegewinnung aus Fettsäuren für die Spermien notwendig ist. L-Carnitin vermittelt den Transport langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien, wo sie über die ß-Oxidation zu Energie verbrannt werden.

Weiterhin spielen die B-Vitamine Folsäure (B9), B6 und B12 eine besondere Rolle bei der Spermienbildung, indem sie den Homocystein-Blutspiegel regulieren. Das ist wichtig, da Homocystein eine schädliche Aminosäure ist, die die Qualität und Menge der Spermien erheblich beeinträchtigen kann.  

Außerdem sind Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Nüssen oder Avocados für die Entwicklung der Spermien wichtig. Während die Spermien reifen, steigt der Anteil langkettiger, mehrfach ungesättigter Fettsäuren wie EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) in ihrer Membran. Omega-3-Fettsäuren wirken zudem entzündungshemmend.  

Oft wird auch Vitamin D im Rahmen einer Verbesserung der Fruchtbarkeit des Mannes genannt. Hier sind die Studienergebnisse allerdings bislang nicht eindeutig. Es bestehen aber Indizien für einen förderlichen Effekt.

Nahrungsergänzungsmittel zur Steigerung der Fruchtbarkeit des Mannes

Spezielle Nahrungsergänzungsmittel können während des Kinderwunsches die Produktion von gesunden Spermien unterstützen. Eindeutige Studienergebnisse zur fertilitätsfördernden Wirkung dieser Mineralstoffe und Vitamine gibt es bislang allerdings nicht. Dennoch tragen diese Mikronährstoffe zur normalen Funktion der Spermienbildung bei und können, falls sie über die reguläre Ernährung nicht ausreichend zugeführt werden, als Ergänzung empfohlen werden.

In der Apotheke steht eine Auswahl an speziellen Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung der Familienplanung bei Männern zur Verfügung, die in der Regel einmal täglich ab Kinderwunsch eingenommen werden. Zu den gängigen Produkten gehören Folio® fertil Men, amitamin® fertilsan M, Elevit® for Men, aminoplus® mann, Fertilovit® M plus sowie Orthomol Fertil plus, wobei ausschließlich im Produkt von Orthomol auch Omega-3-Fettsäuren enthalten sind.

Weitere Tipps für die Beratung

Da Übergewicht, insbesondere mit einem erhöhten Fettanteil im Bauchbereich, den Hormonhaushalt durcheinanderbringen kann, sollten Männer mit Kinderwunsch Normalgewicht anstreben. Der gesteigerte Körperfettanteil sorgt aber nicht nur für geringere Mengen an männlichen Sexualhormonen, sondern fördert auch Entzündungen, die wiederum die Spermienbildung negativ beeinflussen.

Alkohol und Kaffee sollten nur selten konsumiert werden. Aktuell geht man davon aus, dass geringe Mengen keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben, wobei hier weiterer Forschungsbedarf notwendig ist, um konkrete Grenzen aufzuzeigen.

Auf das Rauchen von Zigaretten sollten Männer mit Kinderwunsch verzichten. Nicotin verringert die Anzahl und Qualität der Spermien sowie deren Beweglichkeit. Auch die Bindungsfähigkeit der Spermien an die Eihülle wird deutlich eingeschränkt. Außerdem kann Rauchen das Erbgut der Samen schädigen, was sich auch auf den Embryo auswirkt. Die verfügbaren Daten zu Cannabis sind derzeit noch uneindeutig, wobei erste Hinweise auf einen negativen Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit festgestellt wurden.

Die Temperatur im Hodensack sollte 36 °C nicht überschreiten, da die Spermienreifung bei höheren Temperaturen beeinträchtigt werden kann. Auf längere Autofahrten mit eingeschalteter Sitzheizung und zu heiße Vollbäder sollte deshalb verzichtet werden. Regelmäßiger Sport, insbesondere Ausdauersport, ist gesund und steigert die Fruchtbarkeit. Zu viel Sport hingegen bremst die Spermienbildung und lässt den Testosteronspiegel sinken.

Zurück