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Schluss mit auffälligen Klebepflastern – Shutterbrillen als Alternative bei Amblyopie

Bislang wird die Amblyopie mit Hilfe von auffälligen Abdeckungen therapiert. Zukünftig sollen stattdessen elektronische Sehhilfen verwendet werden. | Bild: galitsin / Adobe Stock

Unter Amblyopie (griechisch „stumpfes Auge“) versteht man eine funktionelle Sehschwäche, bei der im Gehirn eine zu schwache Projektion des Gesehenen entsteht. „Funktionell“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Erkrankung keine organische Ursache zugrunde liegt. Vielmehr können Faktoren wie Schielen, starke und unkorrigierte Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie Trübung des Auges die verringerte Sehschärfe hervorrufen. Typischerweise sind davon Kinder bis zu einem Alter von zehn Jahren betroffen.

Schnelles Handeln notwendig

Wird eine Amblyopie festgestellt, gilt es schnellstmöglich mit der Therapie zu beginnen. Denn je früher die Behandlung erfolgt, desto besser stehen die Chancen eine Normalsichtigkeit zu erlangen. Zudem ist die Schwachsichtigkeit ab einem Alter von zehn Jahren meist irreversibel.

Um mit der Therapie der Amblyopie zu beginnen, müssen zunächst die zugrunde liegenden Ursachen wie z. B. Linsentrübung oder Fehlsichtigkeit korrigiert werden. Anschließend wird eine Okklusion durchgeführt - das bedeutet, dass das korrekt sehende Auge z. B. mit einem Pflaster abgedeckt wird. Auf diese Weise wird das geschädigte Auge verstärkt genutzt und währenddessen trainiert. Je nach Ausprägung der Amblyopie erfolgt die Okklusion stunden- oder tageweise.

Okklusionstherapie bei Kindern oft unbeliebt

Der Erfolg der Therapie ist allerdings nur gegeben, wenn das Kind das Pflaster auch wirklich regelmäßig und ausreichend lange trägt. Und genau das ist der springende Punkt: Zwar sind mittlerweile unterschiedlichste Farben und Motive erhältlich, dennoch wird kaum ein Kind ernsthaft von den Pflastern begeistert sein. Aus Scham und Angst vor Bloßstellung fällt den betroffenen Kindern vor allem das Tragen in der Öffentlichkeit – wie z. B. in der Schule oder im Sportverein – schwer.

Hinzu kommt, dass durch das Abdecken eines Auges das räumliche Sehvermögen stark eingeschränkt wird. Alltägliche Situationen, wie das Fangen von Bällen oder das richtige Einschätzen von herannahenden Autos, werden erschwert und bergen somit ein nicht zu unterschätzendes Unfallrisiko.

Eine Shutterbrille soll künftig Abhilfe schaffen

In Zukunft soll zur Therapie der Amblyopie eine elektronische Sehhilfe zur Verfügung stehen. Mittels sensorischem Feedback soll diese das gesunde Auge automatisch abdunkeln und so die Therapietreue der kleinen Patienten verbessern. Die Abdunklung erfolgt situationsbedingt durch das Ein- und Ausschalten von im Brillenglas integrierten Flüssigkristallen. Die dafür nötige Steuerung und Sensorik werden im Brillengestell verbaut.

Neben der sozialverträglicheren Optik bietet die neue Technologie außerdem die Möglichkeit, während bewegungsintensiver Aktivitäten die automatische Abdunkelung auszusetzen. So können Unfälle beim Sport oder Spielen auf der Straße vermieden werden.

Ein weiterer Vorteil entsteht durch die mit der Brille verknüpfte App: Sie ermöglicht es Eltern und behandelnden Ärzten die Therapie zu überwachen und z. B. die tatsächliche Tragezeit zu ermitteln. Auf diese Weise kann die Therapie individuell angepasst werden.

Interessierte können auf der derzeit stattfindenden Weltleitmesse Medica in Düsseldorf ein erstes Funktionsmuster unter die Lupe nehmen. Quelle:Pressemitteilung Frauenhofer-Insitut/ sn