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Gilenya® jetzt auch für Kinder mit schubförmiger MS

Seit November 2018 steht mit Gilenya® eine krankheitsmodifizierende Therapieoption auch für junge MS-Patienten zur Verfügung. | Bild: Novartis

Dass bereits Kinder an Multipler Sklerose (MS) erkranken, ist eher die Ausnahme als die Regel. Die meisten Patienten entwickeln erste Symptome der neurodegenerativen Erkrankung im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Der Häufigkeitsgipfel des Krankheitsbeginns liegt bei 30 Jahren. Dennoch trifft in 3 bis 5 Prozent der Fälle MS auch bereits Kinder und Jugendliche, wenn sie noch jünger als 17 sind. Man spricht dann von pädiatrischer MS.

Gilenya® für Kinder ab zehn Jahren

Multiple Sklerose ist bislang nicht heilbar, es gibt bestenfalls krankheitsmodifizierende Arzneimittel, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Jedoch: An Kindern sind die meisten dieser MS-Medikamente in klinischen Studien nicht untersucht und somit auch nicht zugelassen. Das hat sich bei Gilenya® jüngst geändert: Seit November 2018 dürfen auch Kinder ab zehn Jahren Fingolimod zur MS-Behandlung erhalten. In den Vereinigten Staaten besteht diese Therapieoption für pädiatrische MS-Patienten bereits seit Mai 2018. Aktuelle Therapieoptionen für Kinder mit MS sind Interferon-β und Glatirameracetat (Copaxone®).

Neue Stärke: Gilenya® 0,25 mg

Da sich jedoch die im Markt befindliche Stärke von Gilenya® nicht für alle Kinder eignet, bringt Novartis Gilenya® in einer neuen Dosierung auf den Markt: Für Kinder, die unter 40 Kilogramm wiegen, wird es künftig Gilenya® 0,25 mg geben, alle anderen Kinder dürfen das „alte“ Gilenya® 0,5 mg erhalten.

Gilenya® wurde an 215 Kindern im Alter von zehn bis 17 Jahren untersucht

Studien bei MS-Kindern sind Mangelware. Vor diesem Hintergrund kommt Gilenya® tatsächlich ein enormer Stellenwert in der Behandlung der pädiatrischen MS zu. Wie Novartis, der Hersteller von Gilenya®, erklärt, ist Gilenya® „die erste und bislang einzige krankheitsmodifizierende MS-Therapie, die in einer speziellen klinischen Phase-III-Studie mit dieser jungen Patientengruppe geprüft wurde“. Somit ist Gilenya® zwar nicht das einzige krankheitsmodifizierende MS-Medikament, aber das erste, das speziell an Kindern getestet wurde. 

In der Studie erhielten 107 Kinder Fingolimod oral einmal täglich (dosiert mit 0,25 mg oder mit 0,5 mg, je nach Körpergewicht) und 108 Kinder Interferon-β mit 30 µg pro Woche als intramuskuläre Injektion. Fingolimod reduzierte im Vergleich zu Interferon-β die jährliche Schubrate um 82 Prozent. 

88,8 Prozent der Fingolimod-Patienten litten unter unerwünschten Arzneimittelwirkungen, in der Interferon-β-Gruppe waren es mehr, 95,3 Prozent. Allerdings litten die Patienten unter Fingolimod häufiger unter schweren Nebenwirkungen (16,8 Prozent) – unter anderem Infektionen, Leukopenie und Krampfanfälle –, wohingegen nur bei 6,5 Prozent der Interferon-β-Patienten schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen auftraten.

Kindliche MS unterscheidet sich von MS im Erwachsenenalter

Erkranken Patienten bereits im Kindesalter an MS, zeigen diese Patienten mehr Schübe als bei Krankheitsbeginn im Erwachsenenalter. Die Schübe bilden sich bei Kindern jedoch auch schneller und vollständiger zurück. Die Behinderung schreitet langsamer voran. Durch den frühen Krankheitsbeginn im Kindesalter sind die Patienten meist jedoch erst um die 34 Jahre alt, wenn im Alltagsleben einschränkende Behinderungen auftreten. Bei adulten MS-Formen liegt der Gipfel des Erkrankungsbeginnes erst bei 30 Jahren. Der Grad der Behinderung wird unter anderem durch den EDSS (Expanded Disability Status Scale) beschrieben. Eine das Alltagsleben einschränkende Behinderung wird mit einem EDSS von 4 klassifiziert. Während bei schubförmiger MS im Erwachsenenalter Frauen deutlich häufiger erkranken als Männer, ist die Geschlechterverteilung im Kindesalter ausgeglichen.

Was ist der EDSS?

Der EDSS (Expanded Disability Status Scale) bewertet den Schweregrad der Behinderung bei Patienten mit multipler Sklerose. Die Skala reicht von null bis zehn (in 0,5er Schritten) und bewertet Störungen in unterschiedlichen Funktionellen Systemen (FS) des Körpers: 

  • Pyramidenbahn, zum Beispiel Lähmungen
  • Kleinhirn, zum Beispiel Störungen des Bewegungsablaufs, Tremor
  • Hirnstamm, zum Beispiel Sprach- und/oder Schluckstörungen
  • Sensorium, zum Beispiel verminderter Berührungssinn
  • Blasen- und Mastdarmfunktion, zum Beispiel Harn- und/oder Stuhlinkontinenz 
  • Sehfunktion, zum Beispiel eingeschränktes Gesichtsfeld
  • Zerebrale Funktionen, zum Beispiel Wesensveränderung, Demenz 

Je nach Anzahl der betroffenen Funktionsbereiche und dem Ausmaß der Einschränkung erfolgt die Abstufung von EDSS null (keine Symptome, kein Funktionsbereich betroffen) bis EDSS zehn (Tod durch MS).