Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

6 min merken gemerkt Artikel drucken

Waldbrände: Wie gefährlich ist der Rauch für die Gesundheit?

Brand im Wald
Trockenheit und Hitze verursachen immer wieder Waldbrände. | Bild: IMAGO / Jan Eifert

In Europa haben die jüngsten Hitze- und Trockenperioden zahlreiche Waldbrände begünstigt und die Folgen daraus sind längst nocht nicht vorbei: Ausgetrocknete Böden, dürre Vegetation und fehlender Regen sorgen weiterhin für eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Während vor allem Südeuropa in diesem Sommer mit großflächigen Waldbränden zu kämpfen hat, sind auch in Deutschland immer wieder Feuer ausgebrochen. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Waldbrände sind längst nicht mehr nur ein Problem mediterraner Regionen. Mit zunehmender Hitze und längeren Trockenperioden steigt auch hierzulande die Gefahr, dass sich Brände schnell ausbreiten. 

Doch welche Faktoren begünstigen Waldbrände, welchen Einfluss hat der Klimawandel und wie gefährlich sind die Rauch- und Brandfolgen für Mensch und Umwelt?

Was macht Waldbrände so gefährlich?

Waldbrände sind mit einer starken Rauchentwicklung verbunden. Was den Rauch besonders gesundheitsgefährlich macht, sind seine kleinsten Teilchen – der sogenannte Feinstaub. Es ist erwiesen, dass sich Feinstaub negativ auf die Gesundheit auswirken kann. 

Dies ist nicht nur der Fall, wenn sich an der Oberfläche von Stäuben gefährliche Stoffe wie z. B. Schwermetalle oder Krebs erzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe anlagern. Die Staubpartikel selbst stellen bereits ein Gesundheitsrisiko dar. 

Je nach Größe der Staubpartikel können sich ihre Wirkungen unterscheiden. Im Fokus stehen dabei laut Umweltbundesamt (UBA) sehr kleine Partikel, die einen Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer haben – auch als PM2,5 bezeichnet. Sie dringen sehr tief in die Lunge ein und können dort Schäden verursachen, wie Husten, Augen- und Halsbeschwerden, Kopfschmerzen oder Atemlosigkeit.

Gesundheitliche Risiken von Waldbränden

Die Wirkungen von PM2,5 sind durch eine Vielzahl von Beobachtungsstudien und Zellexperimenten gut untersucht. Die kleinen Partikel sind lungengängig und dringen bis in die Lungenbläschen vor. Dort können sie entzündliche Prozesse auslösen und zu Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Asthma und Lungenkrebs führen. 

Doch nicht nur das: Die Feinstaub-Partikel können auch in den Blutkreislauf gelangen und somit Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben. So nimmt zum Beispiel die Gefahr zu, dass arteriosklerotische Veränderungen stattfinden, Blutgerinnsel, Bluthochdruck oder auch Herzrhythmusstörungen entstehen. 

Langfristig steigt auch das Diabetesrisiko und sogar ein negativer Einfluss auf die Gehirnleistung wird angenommen. Akute gesundheitliche Wirkungen sind laut UBA abhängig davon, wie lange die Belastung anhält (Stunden oder Tage) und wie hoch sie ausfällt.

Je nach Art des Brandes können nach Angaben des UBA noch weitere Schadstoffe wie Methan und Stickstoffdioxide entstehen und verbreitet werden. Auch Dioxine und Schwermetalle wie Quecksilber und Blei könnten, angelagert an Feinstaubpartikel, im Rauch enthalten sein.

Waldbrände: Wer ist besonders gefährdet?

Feinstaub stellt besonders für Kinder, Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen und ältere Personen eine Belastung dar. Für Letztere insbesondere dann, wenn sie unter chronischen Krankheiten leiden.

Kinder atmen im Verhältnis zu ihrer körperlichen Größe mehr Luft ein als Erwachsene. Zudem befindet sich ihre Lunge noch im Wachstum. Wird die Lunge durch Feinstaub geschädigt, kann diese in ihrer Funktion beeinträchtigt werden, was sich wiederum auf das weitere Leben der Kinder auswirkt. 

Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen, wie Asthma oder chronischer obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), reagieren besonders empfindlich auf Feinstaub. Folglich kann es zu vermehrten Asthmaanfällen oder sogar Krankenhauseinweisungen kommen. 

Ein amerikanisches Forscherteam stellte sogar eine starke Fernwirkung von Waldbränden fest. Demnach kann die Rauchbelastung noch in über 100 Kilometer Entfernung so hoch sein, dass Menschen dort bestimmte Biomarker-Veränderungen aufweisen, die auf eine Fehlfunktion des Herz-Kreislauf-Systems hinweisen. Auch dem UBA zufolge sei eine hohe Luftverschmutzung durch Waldbrände teils in größerer Entfernung zum Brandherd messbar.

Gut zu wissen: WHO empfiehlt niedrigere Feinstaub-Grenzwerte

An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung wird gefährdeten Personen geraten, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Eventuell könnten auf lokaler Ebene zukünftig Schutzräume mit gefilterter Luft erforderlich werden. 

Feinstaub wird auch ohne Waldbrände ständig freigesetzt, vor allem durch Abgase, aber unter anderem auch durch Abrieb von Autoreifen.

Laut der WHO-Leitlinie zur Luftqualität liegt der derzeitige Richtwert für die Langzeitbelastung mit Feinstaub PM2,5 bei 5 (statt bisher 10) Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der geltende EU-Grenzwert ist jedoch mit 25 Mikrogramm wesentlich großzügiger.

Ab welcher Entfernung wird ein Waldbrand gefährlich?

Da sowohl die Witterungsbedingungen – etwa Wind und Windrichtung – als auch die individuelle Empfindlichkeit gegenüber Schadstoffen eine Rolle spielen, lässt sich laut UBA kein pauschal sicherer Abstand zu einem Waldbrand angeben. 

Mit zunehmender Entfernung vom Brandherd nimmt jedoch die Wahrscheinlichkeit akuter gesundheitlicher Auswirkungen durch den Rauch ab. Ab einer Entfernung von einigen hundert Metern stehen insbesondere die gesundheitlichen Folgen der Feinstaubbelastung im Vordergrund.  

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist zudem darauf hin, dass sich Waldbrandrauch über große Entfernungen ausbreiten kann – über Regionen und Ländergrenzen hinweg bis hin zu anderen Kontinenten. Dadurch kann sich die Luftqualität auch an weit vom Brand entfernten Orten deutlich verschlechtern, insbesondere in Windrichtung. 

Waldbrandrauch: Wie kann man sich davor schützen?

Um die gesundheitliche Belastung durch Waldbrandrauch möglichst gering zu halten, empfiehlt die WHO, zunächst die Hinweise und Warnungen der örtlichen Behörden zu beachten. 

Bei starker Rauchbelastung sollte man sich möglichst in geschlossenen Räumen aufhalten und Fenster und Türen geschlossen halten. Auch Lüftungs- und Klimaanlagen sollten nicht so betrieben werden, dass sie Außenluft in die Räume führen – bei Klimaanlagen ist nach Möglichkeit der Umluftbetrieb zu wählen.  

Lässt sich ein Aufenthalt im Freien nicht vermeiden, kann eine gut sitzende FFP2- oder N95-Maske die Aufnahme von Rauchpartikeln reduzieren. Treten gesundheitliche Beschwerden auf, sollte medizinischer Rat eingeholt werden. Quellen:
- Spektrum.de
- Umweltbundesamt
- Deutsche Herzstiftung e.V.
- Universität Rostock
- dpa