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Erdnussallergie: Palforzia wird vom Markt genommen

In Deutschland leiden etwa 4,2 Prozent der Kinder an einer Nahrungsmittelallergie. Dabei ist ein anaphylaktischer Schock (Anaphylaxie) zweifelsohne der Alptraum aller Eltern. Im Kindesalter ist jede vierte Nahrungsmittel-induzierte Anaphylaxie auf die Erdnuss zurückzuführen.
Neben der Strategie, alles, was Erdnüsse enthält (oder Spuren davon), zu meiden und für den Notfall mit einem Adrenalin-Pen vorbereitet zu sein, stand auch seit Ende 2021 mit Palforzia® ein Arzneimittel zur Verfügung, um eine orale Densibilisierung bei Erdnussallergie durchzuführen. Zugelassen ist Palforzia® ab einem Alter von vier Jahren.
Nun soll laut Medienberichten die Produktion eingestellt werden. Das habe der Hersteller Stallergenes Greer bestätigt, berichtet aktuell der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB).
Zu wenig Bedarf für Palforzia®
Palforzia® enthält entfettetes Pulver mit Erdnussprotein von Arachis hypogaea L., semen (= Erdnüsse), und wird in spezialisierten Gesundheitszentren eingesetzt. Ziel der Therapie mit Palforzia® ist die Erhöhung der Schwellendosis, die eine allergische Reaktion auslöst.
Die Einstellung von Palforzia® erfolge nicht aufgrund von Qualitäts- oder Sicherheitsmängeln und habe auch nichts mit der Wirksamkeit der Behandlung zu tun, berichtet jetzt der DAAB. Vielmehr sollen strategische und wirtschaftliche Gründe zu dem Aus geführt haben – dazu zählten wohl auch zu wenig Patienten und hohe logistische Herausforderungen. Was bedeutet dies nun für die Versorgung von Erdnussallergikern?
Palforzia® Initialdosis noch bis Ende März verfügbar
Der Hersteller Stallergenes Greer hat in Zusammenarbeit mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) einen Stufenplan erarbeitet, um Palforzia schrittweise aus dem Markt zu führen.
So wird nach Angaben des DAAB die Packung zur initialen Aufdosierung (PZN 16903164) noch bis zum 31. März 2026 verfügbar sein. Danach sollen keine neuen Patienten mehr mit Palforzia® eingestellt werden.
Die Präparate zur Aufdosierung (Stufe 1 bis 11) sollen wohl bis Dezember 2026 und die Erhaltungsdosis (300 mg) bis März 2027 erhältlich sein.
Palforzia®: Das müssen Patienten wissen
Der DAAB erklärt, dass Patienten, die bereits Palforzia® erhalten, die Therapie auch fortführen und abschließen können. Mit einem behandelnden Zentrum Kontakt aufnehmen sollte man jedoch,
- wenn der Start der Therapie angedacht ist oder man auf den Start wartet,
- wenn man konkrete Pläne hat, eine Desensibilisierung zu beginnen, um einen Termin für die Initialdosis noch bis Ende März zu bekommen,
- wenn der Patient auf einer Warteliste für die Behandlung steht,
- wenn der Starttermin bereits bekannt ist, um abzusichern, dass der Hersteller eine ausreichende Menge zur Verfügung stellt.
DAAB kritisiert Produktionseinstellung von Palforzia®
In einer Pressemitteilung äußert sich der DAAB kritisch zu der geplanten Einstellung von Palforzia®: „Für die Allergie-Gemeinschaft ist die Entscheidung des Herstellers ein Rückschritt in der Versorgung von Patienten mit Erdnussallergie. In Ländern wie in Deutschland, in denen es keine anderen Optionen für die Durchführung einer OIT [orale Immuntherapie] bei Lebensmittelallergien gibt, bedeutet dies eine Versorgungslücke.“
Er versichert, es werde aktuell an weiteren Therapiemöglichkeiten geforscht. „Auch die orale Immuntherapie mit natürlichen Lebensmitteln, die in einigen Ländern bereits angewendet wird, rückt hier für bestimmte Patienten mehr in den Fokus.“ Quelle: https://www.daab.de/2026/02/palforzia-vom-markt-genommen