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WHO-Empfehlung : Werden Grippeimpfstoffe wieder dreifach?

Frau mit Maske impft Mann in den rechten Arm
Gibt es statt Vierfachimpfstoffen bald wieder Dreifachimpfstoffe gegen Influenza? | Bild: Summit Art Creations / AdobeStock

Jährlich im Februar überlegt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie die Grippeimpfstoffe der kommenden Saison für einen bestmöglichen Schutz konzipiert sein müssen. 

Die WHO spricht sodann eine Empfehlung für deren Zusammensatzung aus – so auch dieses Jahr am 23. Februar 2024. Eine Änderung soll es für die Influenzasaison 2024/25 lediglich bei der Influenza-A(H3N2)-Komponente geben. 

Kein Influenza B/Yamagata mehr

Interessant ist jedoch vor allem, dass die WHO für die kommende Saison auf der Nordhalbkugel zu einer Dreifachimpfung – ohne Antigen gegen Influenza B/Yamagata – rät. 

Die Influenza-B-Yamagata-Komponente sollte aus den Grippeimpfstoffen ausgeschlossen werden, da sie nicht mehr gerechtfertigt sei, sagt die WHO. Warum? Die Weltgesundheitsorganisation erklärt weiter, dass nach März 2020 keine natürlich auftretenden Viren der B/Yamagata-Linie mehr nachgewiesen worden seien.

Bereits bei der Empfehlung zur Grippeimpfstoffzusammensetzung der Südhalbkugel für 2024 – die identisch ist mit der für die Nordhalbkugel 2024/25 – war die Weltgesundheitsorganisation sodann der Auffassung, dass das Antigen gegen Influenza B/Yamagata aus den Grippeimpfstoffen „gestrichen werden sollte“. Es werde nicht mehr benötigt. 

Die Entscheidung, ob Länder, in denen standardmäßig vierfach gegen Grippe geimpft wird, wieder zu dreiwertigen Grippeimpfstoffen übergehen möchten, obliegt jedoch nicht der WHO. Dies entscheiden die jeweiligen Länder für sich.

In der nachfolgenden Tabelle sind die verschiedenen Impfstoffarten mit dem jeweiligen Grippeimpfstoff für die Saison 2023/24 bzw. 2024/25 aufgeführt:

Impfstoffart Grippeimpfstoff 2023/24 Grippeimpfstoff 2024/25 
Dreifachgrippeimpfstoffe (Hühnerei) 
  • A/Victoria/4897/2022 (H1N1)pdm09-like virus
  • A/Darwin/9/2021 (H3N2)-like virus
  • B/Austria/1359417/2021 (B/Victoria lineage)-like virus
  • A/Victoria/4897/2022 (H1N1)pdm09-like virus
  • A/Thailand/8/2022 (H3N2)-like virus
  • B/Austria/1359417/2021 (B/Victoria lineage)-like virus
Dreifachgrippeimpfstoffe (Zellkultur) 
  • A/Wisconsin/67/2022 (H1N1)pdm09-like virus
  • A/Darwin/6/2021 (H3N2)-like virus
  • B/Austria/1359417/2021 (B/Victoria lineage)-like virus
  • A/Wisconsin/67/2022 (H1N1)pdm09-like virus
  • A/Massachusetts/18/2022 (H3N2)-like virus
  • B/Austria/1359417/2021 (B/Victoria lineage)-like virus
Vierfachgrippeimpfstoffe 
  • B/Phuket/3073/2013 (B/Yamagata lineage)-like virus
  • Influenza-B/Yamagata-Stammeskomponente sollte ausgeschlossen werden. Bei Vierfachgrippeimpfstoffen bleibt die B/Yamagata-Stammeskomponente unverändert.

Vierfachgrippeimpfung auch in Deutschland Standard

Seit dem Epidemiologischen Bulletin 2/2018 vom Januar 2018 rät die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland zum Vierfachgrippeschutz als Standardimpfung. Die quadrivalente Influenzavakzine schützt vor je zwei Influenza-A-[(H1N1) und (H3N2)] und zwei Influenza B-(Victoria und Yamagata)-Stämmen. 

Zuvor war die Dreifachgrippeimpfung gegen zwei Influenza-A-Stämme und lediglich einen Influenza-B-Stamm (Victoria oder Yamagata) Standard.  

Wie geht man bei der STIKO mit der neuen Empfehlung der WHO um? PTAheute hat nachgefragt.

Ändert die STIKO ihre Empfehlung zur Grippeimpfung? 

„Gemäß der Empfehlung veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin  04/2024 empfiehlt die STIKO für die Influenzaimpfung einen Influenzaimpfstoff mit aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination zu verwenden“, erklärt das Robert Koch-Institut. 

Die WHO habe nun eine Empfehlung ausgesprochen, die B/Yamagata-Linie vorzugsweise aus den attenuierten Influenza-Lebendimpfstoffen und in Folge auch aus den anderen Impfstoffen zu entfernen. 

Inwieweit dies von Herstellerseite bereits in der kommenden Saison umgesetzt werden könne – hier gelte es die lange Vorlaufzeit bei der Produktion der Influenzaimpfstoffbedarfe zu berücksichtigen –, könne das RKI jedoch nicht beantworten.  

Und weiter: „Die STIKO evaluiert aber kontinuierlich die neu verfügbare Evidenz und auch die Empfehlung der WHO. Allerdings berücksichtigt die STIKO bei ihrer Empfehlung auch die Umsetzbarkeit einer Empfehlung, die unter anderem abhängig von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ist sowie von der Evidenz zur Immunogenität/Effektivität der (verfügbaren) Impfstoffe in den verschiedenen Altersgruppen. Derzeit liegen der STIKO zu all diesen Aspekten keine Daten vor.“ 

Sobald diese verfügbar seien, werde sich die STIKO auch zu einer möglichen Anpassung ihrer bestehenden Empfehlung äußern.  

Zur Erinnerung: Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung für

  • alle Personen ab 60 Jahren,
  • alle Schwangeren ab dem zweiten Trimenon; bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem ersten Trimenon,
  • Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, neurologische Grundkrankheiten wie Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben,   angeborene oder erworbene Immundefizienz),
  • Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen,
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen (siehe oben) gefährden können.

Geimpft werden sollten im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos außerdem

  • Personen mit erhöhter Gefährdung (z. B. medizinisches Personal),
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr,
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können.

Ebenso sollten Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln eine Grippeschutzimpfung erhalten. Die Impfung schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, aber es werden damit problematische Doppelinfektionen vermieden.