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Herzinfarkt: Wohnlage beeinflusst das Risiko

Das Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung untersuchte den Einfluss des Bioklimas in verschiedenen Wohnlagen auf das Risiko für frühe Herzinfarkte. Dazu analysierten sie die Daten aller Patienten mit ST-Hebungsinfarkt im Alter bis 55 Jahre, die in den Jahren 2015 bis 2022 im Herzzentrum Bremen behandelt worden waren.
Gut zu wissen: Was ist die ST-Hebung?
Die ST-Hebung ist eine charakteristische Anhebung über die horizontale (isoelektrische) Linie im Elektrokardiogramm, die zu den EKG-Infarktzeichen zählt.
Um die Wohnlage mit dem Herzinfarktrisiko in Zusammenhang setzen zu können, wurden die Adressen der Patienten mithilfe des Bremer Geoportals bioklimatisch in günstig oder ungünstig unterteilt, abhängig von Bebauungsdichte, Straßenstruktur, Oberflächenmaterial und Begrünung.
Ungünstiges Bioklima erhöht offenbar das Herzinfarktrisiko
Von den 644 in der Studie inkludierten Herzinfarktpatienten hatten 395 eine bioklimatisch günstige und 249 eine ungünstige Wohnlage.
Das Erkrankungsprofil beider Gruppen war nahezu gleich, sowohl in Bezug auf das Alter zum Zeitpunkt des Herzinfarkts (48 Jahre) als auch in Bezug auf die Infarktschwere, die unter anderem an der Zahl veränderter Koronararterien und an der Sterblichkeit der Patienten bemessen wurde.
Überraschend war dieses Ergebnis vor allem deshalb, weil die Gruppe mit ungünstigem Bioklima am Wohnort (zufällig) geringere Risikofaktoren für einen Herzinfarkt aufwies, also eigentlich seltener hätte erkranken müssen:
- Nur 12,1 % hatten Diabetes, während es bei den Patienten mit günstiger Wohnlage 21,3 % waren.
- Adipositas war mit 30,1 vs. 38,5 % ebenfalls seltener.
- Auch das familiär bedingte Risiko für einen Herzinfarkt war mit 22,1 vs. 31,1 % geringer.
- Zu guter Letzt wurde das Risiko, in den folgenden zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, mithilfe des LIFE-CVD-Modells auf 3,9 % geschätzt – im Vergleich zu 5 % bei Menschen in günstiger Wohnlage.
Während das Erkrankungsprofil zum Zeitpunkt des Herzinfarkts noch gleich war, zeigten sich im Follow-up deutliche Unterschiede: Die Anzahl der Patienten, die in den acht Jahren nach dem Herzinfarkt schwere kardio- und zerebrovaskuläre (die Blutgefäße des Gehirns betreffende) Ereignisse verzeichneten, lag um 88 % höher als in der Gruppe mit günstigem Wohnklima.
Bioklimatische Stressoren können Herzgesundheit beeinflussen
Die Studienautoren behaupten nicht, dass sich zwingend kausale Zusammenhänge zwischen dem Bioklima am Wohnort und dem Herzinfarktrisiko ableiten lassen.
Gleichwohl halten sie einen etwaigen Einfluss der Wohnlage für plausibel, da verschiedene bioklimatische Stressoren nachweislich kardiovaskuläre Prozesse beeinflussen können:
- Kälte führe zu Vasokonstriktion (Verengung von Blutgefäßen), Blutdruckanstieg und erhöhter Viskosität des Blutes.
- Hitze fördere dagegen Dehydratation, sympathische Aktivierung und die Thromboseneigung.
- Hohe Luftfeuchtigkeit erschwere die Thermoregulation.
- Schlechte Belüftung verstärke Luftverschmutzung und entzündliche Prozesse.
- Nächtliche Wärmeinseln könnten den Schlaf stören und Blutdruckspitzen begünstigen.
Die Schlussfolgerung der Forscher
Die Autoren um Studienleiter Hatim Kerniss sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass die bioklimatische Situation ein neuer, unabhängiger Risikofaktor sein könnte, und schlagen vor, Risikomodelle künftig um entsprechende Daten zu ergänzen.
Außerdem lägen in einer günstigen Städteplanung mit Frischluftschneisen, grüner Infrastruktur und hitzeoptimierten Flächen Chancen für eine aktive Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/ungunstige-wohnumgebung-konnte-fruhe-herzinfarkte-begunstigen-269e833f-8e07-441e-8b56-3f7a305c18b5
- https://esc365.escardio.org/presentation/304130?resource=abstract%29.
- https://flexikon.doccheck.com/de/