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Migräne: Leitlinie um neue Therapien ergänzt

Migräne gehört in Deutschland zu den zehn häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Fehltage. Betroffene – dreimal mehr Frauen als Männer mit der höchsten Prävalenz zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr – haben dabei oft große Einschränkungen in ihrer Lebensqualität.
Aber die Forschung macht stetig große Fortschritte, die sich in den vergangenen Jahren auch in neuen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien sowie wirksamen Prophylaxe-Maßnahmen niedergeschlagen haben.
Seit dem letzten Update der S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ Ende 2022 hat sich dementsprechend einiges getan. Das zeigt sich nun im neuesten Update der Leitlinie durch die Fachgesellschaften Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), das Anfang September 2025 veröffentlicht wurde.
Triptane als Firstline-Therapie bei akuter Migräneattacke
Als mittlerweile evident gesichert gilt, dass Triptane – konkret die Wirkstoffe Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan – das erste Mittel der Wahl sind, um akute Migräneattacken zu behandeln. Sie gelten (immer noch) als wirksamste Medikation.
Neu ist die Erkenntnis, dass die Fixkombination von 85 mg Sumatriptan und 500 mg Naproxen eine bessere Wirksamkeit für Schmerzfreiheit nach 2 Stunden und für anhaltende Schmerzfreiheit bis zu 24 Stunden hat als Sumatriptan oder Naproxen allein – und das bei „akzeptablen unerwünschten Arzneimittelwirkungen“.
Aber auch für die 2023 noch neue Wirkstoffklasse der Gepante gibt es mittlerweile gesicherte Evidenz der Wirksamkeit: Rimegepant als oraler CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide)-Rezeptorantagonist ist in einer Dosis von 75 mg bei der Behandlung akuter Migräneattacken wirksamer als ein Placebo und zeigt nicht nur in der Prophylaxe, sondern auch bei der Behandlung akuter Migräneattacken eine gute Verträglichkeit. Was bislang noch fehlt, sind Vergleichsstudien zu den Triptanen.
Die fehlen auch noch für den Serotonin-1F-Rezeptoragonisten Lasmiditan, der sich in Dosierung von 50 mg, 100 mg und 200 mg zur Behandlung akuter Migräneattacken wirksamer erwiesen hat als Placebo.
Ein Vorteil bei Lasmiditan ist, dass es keine vasokonstriktiven Eigenschaften besitzt und bei Patienten mit Kontraindikationen gegen Triptane verwendet werden kann. Allerdings hat es ein Spektrum an unerwünschten Wirkungen wie unter anderem Müdigkeit und Schwindel, sodass bis 8 Stunden nach der Einnahme kein Kraftfahrzeug geführt und keine gefährdenden Maschinen bedient werden dürfen.
Migräne: Nicht-medikamentöse Therapie gegen akute Attacken
Gesicherte Erkenntnisse zur Wirksamkeit liegen mittlerweile auch für die externe transkutane Stimulation des Nervus trigeminus im supraorbitalen Bereich (Cefaly®) vor als nicht-medikamentöse Akut-Behandlungsoption.
Ebenfalls als wirksam bei der Therapie akuter Migräneattacken gilt die Remote Electrical Neuromodulation (REN).
Für Akupunktur gibt es weiterhin lediglich „Hinweise auf eine Wirkung bei der Behandlung des akuten Migräneanfalls“ – problematisch sei allerdings die Qualität der vorliegenden Studien, die keine Aussage zur Evidenz zulassen, heißt es von den Leitlinienautoren.
Mehrere wirksame Optionen zur Migräneprophylaxe
Im Bereich der Prophylaxe von Migräneattacken gibt es nun einige medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen.
So ist Rimegepant in der Prophylaxe der episodischen Migräne jetzt gesichert wirksam und zugelassen. Eine randomisierte, doppelblinde Vergleichsstudie über 3 Monate konnte Rimegepant die gleiche Wirksamkeit wie Galcanezumab (ein monoklonaler Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor) in der Prophylaxe der episodischen Migräne bescheinigen.
Zu Letzterer, der Klasse der monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor, heißt es in der überarbeiteten Leitlinie, dass sie in der Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne gesichert wirksam sei und ein nachgewiesen sehr gutes Verträglichkeitsprofil habe.
Zur Erinnerung: Wann ist eine Migräne chronisch?
Von chronischer Migräne spricht man, wenn an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten und diese an mindestens acht Tagen die Kriterien einer Migräneattacke erfüllen. /cb
Für den Wirkstoff Erenumab aus dieser Klasse gibt es außerdem eine randomisierte Vergleichsstudie mit dem traditionellen Migräneprophylaktikum Topiramat, bei dem sich der Antikörper als besser wirksam und besser verträglich erwiesen hat.
Weiterhin gilt aber, dass Betroffene mit erhöhtem Risiko für vaskuläre Erkrankungen „aus pathophysiologischen Überlegungen“ noch nicht mit den monoklonalen Antikörpern gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor sowie mit Gepanten behandelt werden sollten.
Aus der Klasse der Gepante wird für die Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne auch Atogepant 1 x 60 mg empfohlen, welches auch bei Betroffenen mit Kopfschmerz durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln wirksam ist.
Besser abgesichert ist mittlerweile auch die Erkenntnis, dass der Betablocker Propranolol in der Prophylaxe der chronischen Migräne eine vergleichbare Wirksamkeit hat wie Topiramat. Ältere Studien hatten aufgrund der Corona-Pandemie nur kleine Teilnehmerzahlen gehabt.
Als besser abgesicherte Empfehlung zur Prophylaxe auch bei bestehendem Medikamentenübergebrauch gilt die Kombinations-Medikation mit Topiramat, Onabotulinumtoxin A, einem Gepant oder einem monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe bei Migräne
Als erwiesen wirksame nicht-medikamentöse Prophylaxe empfehlen die Leitlinien neu neben der Vorbeugung durch Information und Verhaltensmodifikation:
- die Remote Electrical Neuromodulation (REN),
- die externe transkutane Stimulation des Nervus trigeminus im supraorbitalen Bereich (Cefaly®)
- und Ausdauersport.
Die Autoren betonen in der überarbeiteten Leitlinie „den hohen Stellenwert von Ausdauersport, Stressbewältigung und Entspannungsverfahren zur Prophylaxe der Migräne“ ganz ausdrücklich. Quelle:
http://www.dgn.org/leitlinien
https://www.ptaheute.de/aktuelles/2023/01/10/neue-leitlinie-so-beugt-man-migraeneattacken-vor
https://www.dgn.org/artikel/s1-leitlinie-therapie-und-prophylaxe-der-migrane-aktualisiert