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Studie klärt: Schützt Vitamin D vor Atemwegsinfekten?

Seit Jahren wird diskutiert, ob Vitamin D das Risiko für Atemwegsinfekte – etwa Erkältungen, Bronchitis oder Grippe – senken kann. Der Hintergrund: Vitamin D stärkt die angeborene Immunabwehr und hilft dem Körper, Krankheitserreger schneller zu bekämpfen. Beobachtungsstudien zeigten, dass Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln häufiger an Atemwegsinfekten leiden.
Schon 2021 hatte eine große Metaanalyse mit über 37.000 Teilnehmern einen leichten Schutzeffekt feststellen können. Damals deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass eine regelmäßige Einnahme von Vitamin D das Risiko für Atemwegsinfekte etwas verringern könnte. Seitdem sind jedoch neue, größere Studien erschienen.
Neue Metaanalyse zu Vitamin D berücksichtigt 46 Studien
Ein internationales Forscherteam hat nun alle verfügbaren, doppelblinden und randomisierten Studien zu Vitamin D überprüft, die bis Ende April 2024 veröffentlicht wurden. Grundlage war ein vorab festgelegtes Protokoll, das im PROSPERO-Register eingetragen wurde – ein Gütesiegel für wissenschaftliche Transparenz.
Eingeschlossen wurden nur Studien,
- die Vitamin D3, D2 oder 25(OH)D (Calcidiol) zur Vorbeugung akuter Atemwegsinfekte untersucht hatten,
- bei denen die Teilnehmer zufällig Vitamin D oder Placebo erhielten
- und bei denen Infektionen prospektiv erfasst und als Wirksamkeitsziel definiert waren.
Dadurch sollten Zufallsergebnisse und fehlerhafte Nachbeobachtungen vermieden werden. Langzeit-Nachbeobachtungen wurden ausgeschlossen, um die Aussage auf den tatsächlichen Einnahmezeitraum zu begrenzen. Am Ende flossen Daten von über 64.000 Teilnehmern aus 46 Studien in die Auswertung ein – darunter sechs neue Studien mit rund 19.000 Personen.
Schutzeffekt von Vitamin D nach neuen Studien nicht bestätigt
Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Personen, die Vitamin D einnahmen, erkrankten nicht seltener an Atemwegsinfekten als diejenigen in der Placebogruppe. Auch bei genauerer Betrachtung einzelner Gruppen – etwa Kinder, Senioren, Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Spiegel oder unterschiedlichen Dosierungen – zeigte sich kein Vorteil. Ob täglich, wöchentlich oder monatlich eingenommen: Die Häufigkeit von Atemwegsinfekten blieb gleich.
Zudem traten keine zusätzlichen Nebenwirkungen durch Vitamin D auf. Schwere unerwünschte Ereignisse, wie Nierensteine oder Calciumüberschuss, waren in beiden Gruppen ähnlich selten. Damit ist der zuvor vermutete leichte Schutzeffekt, den ältere und kleinere Studien gezeigt hatten, durch die neuen Daten nicht mehr zu bestätigen.
Vitamin D und Atemwegsinfektionen: Warum ältere Studien optimistischer waren
Die Forscher gehen davon aus, dass frühere kleinere Studien den Effekt überschätzt haben könnten. Größere und methodisch saubere Untersuchungen zeigen dagegen ein neutraleres Bild.
Außerdem werden in der wissenschaftlichen Literatur positive Ergebnisse oft häufiger veröffentlicht als neutrale oder negative. Dadurch kann der Eindruck entstehen, ein Präparat wirke besser, als es tatsächlich der Fall ist.
Gut zu wissen: Vitamin D in der Beratung
Für PTA bleibt Vitamin D ein wichtiges Thema in der Beratung – aber nicht als Wundermittel gegen Erkältungen.
Wichtige Punkte für den HV-Tisch:
- Vitamin D ist essenziell: Es unterstützt Knochen, Muskeln und Immunsystem und trägt zu einer normalen Abwehrfunktion bei.
- Mangel ist häufig: Besonders im Winter liegt der Vitamin-D-Spiegel vieler Menschen unter dem empfohlenen Bereich von 30 bis 50 ng/ml.
- Regelmäßige Einnahme: Eine tägliche Dosierung von 800 bis 2.000 I.E. ist sicher und hält den Spiegel langfristig stabil.
- Infektschutz unklar: Vitamin D allein schützt nicht zuverlässig vor Atemwegsinfekten, kann aber ein wichtiger Baustein für eine stabile Abwehrkraft sein.
- Spiegel regelmäßig kontrollieren: Besonders bei längerer Einnahme oder höherer Dosierung sollte der 25(OH)D-Spiegel alle sechs bis zwölf Monate überprüft werden, um Unter- oder Überdosierungen zu vermeiden.
Was zeigt die neue Metaanalyse über Vitamin D
Vitamin D ist kein sicherer Schutzschild gegen Erkältungen. Trotzdem bleibt es wichtig, auf eine gute Versorgung zu achten – vor allem bei älteren Personen oder chronisch Kranken und Menschen, die wenig ins Sonnenlicht gehen.
Vitamin D bleibt also ein wichtiger Baustein der Prävention, ist aber kein Ersatz für bewährte Maßnahmen wie Bewegung, ausgewogene Ernährung, Händehygiene und Impfungen. Quelle:
https://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(24)00348-6/fulltext