Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

3 min merken gemerkt Artikel drucken

Was ist eigentlich das Locked-in-Syndrom?

junge Patientin mit Beatmungsschlauch in der Nase starrt im Krankbett liegend ins Leere

Wenn weder willentliche Bewegungen noch das Sprechen möglich sind, der Patient aber bei vollem Bewusstsein ist und seine Umwelt wahrnehmen kann, spricht man vom Locked-in-Syndrom.  

In den meisten Fällen können Betroffene die Augen noch vertikal bewegen sowie die Lider schließen und so beispielsweise Ja-Nein-Fragen beantworten. Wenn gar keine willentliche Muskelaktivität mehr vorhanden ist, liegt ein „vollständiges Locked-in-Syndrom“ vor.

Die Aufnahmefähigkeit des Patienten bleibt jedoch auch hier erhalten und unterscheidet das Krankheitsbild vom Wachkoma.

Gut zu wissen: Weitere Begriffe für das Locked-in-Syndrom

Für das Locked-in-Syndrom werden auch diese Bezeichnungen verwendet:

  • Pseudokoma
  • ventrales Ponssyndrom
  • deefferenzierter Status
  • Monte-Christo-Syndrom

Ursachen und Symptome des Locked-in-Syndroms

Dem Locked-in-Syndrom liegen Schädigungen im Hinterhirn, seltener auch im Mittelhirn oder der Großhirnrinde, zugrunde. Direkte Ursache ist meist eine Gefäßstörung, die durch eine Thrombose in der Arteria basilaris (einer der Schlagadern im Gehirn) verursacht wurde.  

Als Folge werden die motorischen Nervenbahnen selektiv und vollständig geschädigt, was zur Lähmung bei Erhalt allen übrigen Gewebes führt. Vertikale Augenbewegungen bleiben deshalb oft möglich, weil die dafür zuständigen motorischen Bereiche oberhalb der beschädigten Hinterhirn-Areale liegen.

Auch eine Blutung im Hinterhirn, ein Tumor, ein Schädel-Hirn-Trauma sowie Entzündungen können ein Locked-in-Syndrom auslösen.  

Die Wachheit und Daueraufmerksamkeit sowie das Sprachverständnis sind in der Regel nicht beeinträchtigt, und Sensibilität sowie Schmerzempfinden bleiben oft zumindest teilweise erhalten. Die Atmung kann eingeschränkt sein, ist aber nicht aufgehoben.

Häufigkeit und Therapie des Locked-in-Syndroms

Das Locked-in-Syndrom ist eine seltene Erkrankung: Genaue Angaben liegen nicht vor, aber in einer Studie wurde die Prävalenz in niederländischen Pflegeheimen auf etwa 0,7 von 10.000 Personen geschätzt.  

Die Sterblichkeit ist hoch, vor allem innerhalb der ersten Monate nach dem Auftreten der Krankheit: Schätzungen zur Mortalität liegen zwischen 60 und 75 Prozent. 

Die Therapie entspricht in der akuten Phase derjenigen eines Schlaganfalls, also der medikamentösen Auflösung oder mechanischen Entfernung des Thrombus. Danach sollten so schnell wie möglich Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen werden, was die soziale Integration des Patienten ermöglicht und eine Verarbeitung des Schicksalsschlags unterstützt.  

Kommunizieren können Betroffene beispielsweise durch Computer, die ihre Blicke auf Wort- oder Buchstabenfelder erfassen und in Sprache umwandeln. Diese Technik nutzte zum Beispiel der gelähmte britische Wissenschaftler Stephen Hawking.  

Des Weiteren hat sich zur Behandlung des Locked-in-Syndroms eine Kombination aus intensiver Psycho-, Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie bewährt. Auf diese Weise lassen sich häufig noch lange nach Krankheitsbeginn Besserungen wie eine teilweise oder gar vollständige Wiederherstellung der Schluck- und Sprachfähigkeit erreichen. Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Locked-in-Syndrom
https://de.wikipedia.org/wiki/Locked-in-Syndrom
 

Das Locked-in-Syndrom in Kürze

Krankheitstyp: neurologische Erkrankung

Symptome: fast vollständige Lähmung bei vollem Bewusstsein

Ursache: Hirnläsionen durch Thrombose, Blutung, Tumor, Schädel-Hirn-Trauma oder Entzündungen

Therapie: gegebenenfalls Entfernen des Thrombus, später Psycho-, Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie  

Heilungschancen: keine Heilung, aber Besserung, zum Beispiel der Schluck- und Sprachfähigkeit, möglich