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Bei Panikstörungen: Sport kann helfen

Zwei Männer und eine Frau auf Fahrradergometern
Intensive Trainingseinheiten auf einem Fahrradergometer können eine Therapie bei Panikstörungen ergänzen. | Bild: JackF / AdobeStock

Zur Therapie von Panikstörungen werden oft interozeptive Expositionsübungen empfohlen. Dabei sollen Patienten gefürchtete körperliche Empfindungen wie Herzklopfen, Schwindel oder Atemnot gezielt auslösen, um sie von der normalerweise damit verbundenen Angst zu entkoppeln.  

Mögliche Expositionsübungen sind Hyperventilieren oder schnelles Drehen um die eigene Achse, um Schwindel zu erzeugen, oder das Atmen durch einen Strohhalm, um Atemnot hervorzurufen.  

Gut zu wissen: Was ist Interozeption?

Interozeption ist der Teil der Sensibilität, der Vorgänge aus dem Körperinneren erfasst. Das Gegenteil ist Exterozeption, also die Wahrnehmung der Außenwelt.

Viele Patienten empfinden diese Herangehensweise jedoch als unnatürlich oder unangenehm und lehnen die Therapie deshalb ab oder vernachlässigen sie. Deshalb haben brasilianische Wissenschaftler um Ricardo Willian Muotri von der Universität São Paulo intensive sportliche Aktivität als mögliche Alternative untersucht.  

An ihrer Studie nahmen 72 körperlich inaktive Erwachsene mit Panikstörung teil, die keine medikamentöse Therapie erhielten. Ein Teil von ihnen absolvierte ein zwölfwöchiges Trainingsprogramm mit kurzen, intensiven Belastungsintervallen auf einem Fahrradergometer, während die Kontrollgruppe regelmäßig Übungen zur progressiven Muskelentspannung durchführte.

Ergebnisse der Studie über Sport und Panikstörungen

Bei beiden Gruppen verbesserten sich die Symptome für Panikattacken im Verlauf des Beobachtungszeitraums, allerdings zeigte sich ein Unterschied zugunsten des Sportprogramms:  

In der Trainingsgruppe waren die Werte auf der „Panik- und Agoraphobie-Skala“ mit durchschnittlich 14,9 signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (23,1). Zudem reduzierte sich bei den Sporttreibenden neben der Schwere auch die Anzahl der Panikattacken stärker, und depressive Symptome nahmen deutlicher ab.

Gut zu wissen: Was ist die Panik- und Agoraphobie-Skala?

Die Panik- und Agoraphobie-Skala ist ein Beurteilungsfragebogen zur Einschätzung der Schwere von Panikstörungen oder Agoraphobie. 

Aus den Antworten auf mehrere Fragen werden fünf Intensitätsskalen gebildet:  

  • Panikattacken
  • agoraphobische Vermeidung
  • antizipatorische Angst (Erwartungsangst)
  • Einschränkungen (Familie, Partnerschaft, soziale und Freizeitaktivitäten)  
  • Gesundheitsbefürchtungen

Diese Ergebnisse hielten nach dem Therapiezeitraum an: Die am Ende der Trainingsphase festgestellten Unterschiede bestanden auch noch nach weiteren zwölf Wochen (14,2 zu 24,7 Punkte auf der Panik- und Agoraphobie-Skala).  

Die Wissenschaftler haben mit ihrer Studie freilich keine Überlegenheit von sportlichen Übungen gegenüber klassischen Formen der interozeptiven Expositionstherapie bewiesen – sondern höchstens gegenüber einer Entspannungstherapie.  

Sie wollen jedoch eine sinnvolle Alternative zu unangenehmen Expositionsformen wie Hyperventilation oder Strohhalmatmung identifiziert haben: „Unsere Ergebnisse stützen die Einbindung sportbasierter interozeptiver Expositionsübungen in die Behandlung von Panikstörungen als kostengünstige und für die Patienten ansprechendere Option.“ Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/kurze-intensive-sporteinheiten-konnen-bei-panikstorungen-helfen-8dd09640-f4ec-4a76-aea6-bc31aceaaf8c
https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2025.1739639/full
https://flexikon.doccheck.com/de/Interozeption
https://de.wikipedia.org/wiki/Panik-_und_Agoraphobie-Skala