In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Wie entstehen Asthma-Schübe nach Virusinfektionen?

Asthmatiker kennen es: Virusinfektionen der Atemwege führen nicht selten zu gefährlichen Schüben ihrer lebensbegleitenden Krankheit. In der medizinischen Fachsprache heißt eine solche plötzliche Verschlimmerung von bestehenden, meist chronischen Krankheiten Exazerbation.
Die Forschungsgruppen „Epigenetik chronischer Lungenerkrankungen“ und „Lungenimmunologie“ am Forschungszentrum Borstel (Schleswig-Holstein) haben nun einen zugrunde liegenden Mechanismus entschlüsselt und einen Biomarker gefunden, der schwere Verläufe vorhersagen und neue Therapieoptionen ermöglichen könnte.
Zur Erinnerung: Was ist Asthma bronchiale?
Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung mit Überempfindlichkeit und Verengung der Atemwege. Eine Vielzahl von Reizen verursacht die bronchiale Hyperreaktivität und die damit verbundene Entzündung.
Asthma beginnt in der Regel im Kindesalter und ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Schätzungen zur Häufigkeit in der deutschen Bevölkerung liegen zwischen zwei und zehn Prozent.
Forscher entdecken Schlüsselfaktor für Asthma-Schübe
Die Arbeitsgruppe aus Borstel untersuchte akute Asthma-Exazerbationen im Mausmodell und stellte fest, dass Interleukin-6 (IL-6) wesentlich an den Krankheitsschüben beteiligt war.
Interleukine sind eine Gruppe von Botenstoffen, die von körpereigenen Abwehrzellen abgesondert werden und der Regulation des Immunsystems dienen.
Den Mäusen ging es umso schlechter, je mehr IL-6 gebildet wurde. Schaltete man jedoch das IL-6 gentechnisch aus oder hinderte es durch Gabe eines Antikörpers an der Ausübung seiner Funktion, so war die Maus vor der Exazerbation geschützt.
Nun wollten die Forscher verstehen, was die hohe Freisetzung von IL-6 auslöst. Dazu infizierten sie Gewebezellen aus den Atemwegen in vitro wiederholt mit Rhinoviren, die typischerweise die oberen Atemwege befallen. Die Zellen reagierten mit einer immer höheren Freisetzung von IL-6, je häufiger sie infiziert wurden.
Genetisches Muster kann Asthma-Schübe vorhersagen
Die Wissenschaftler folgerten aus der steigenden IL-6-Freisetzung, dass die Zellen eine Art immunologisches Gedächtnis bilden. Das dafür zuständige genetische Muster fanden die Wissenschaftler auch bei Menschen mit Asthma. Hier korrelierte es ebenfalls mit einer hohen IL-6-Ausschüttung und in der Folge mit einem Bedarf an Notfallmedikamenten.
Außerdem ließen sich aufgrund des genetischen Musters künftige Schübe vorhersagen. „Damit ist ein erster Schritt getan, um diejenigen Asthma-Patienten mit hohem Exazerbationsrisiko zu identifizieren“, folgert die Arbeitsgruppe.
Und auch bei der Suche nach einer geeigneten Therapie könnten die neuen Erkenntnisse helfen. So halten die Forscher bei den betreffenden Patienten eine antikörperbasierte Anti-IL-6-Therapie für vielversprechend. Quellen:
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.70070
https://flexikon.doccheck.com/de/Asthma_bronchiale