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Gewichtsverlust allein erhöht Spermienqualität nicht

Eine australische Arbeitsgruppe hat kürzlich untersucht, welche Abnehmmethode sich bei übergewichtigen Männern am positivsten auf die Spermienqualität auswirkt.
Dazu werteten die Forschenden Daten aus 32 Studien weltweit mit Teilnehmern zwischen 18 und 50 Jahren aus. Die Probanden hatten sich verschiedenen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion wie Chirurgie, Medikamententherapie oder Diät- und Bewegungsprogrammen unterzogen.
Die Einzelstudien waren zwar allgemeiner gefasst und zielten nicht primär auf eine mögliche Verbesserung der Spermienqualität ab, der Effekt der Adipositasinterventionen auf die Reproduktionsfähigkeit (Fruchtbarkeit) wurde aber in den meisten Fällen mit erfasst.
Chirurgie verbessert die Spermienqualität kaum
18 Studien untersuchten die Auswirkungen bariatrischer Chirurgie, also operative Eingriffe zur Behandlung von Übergewicht.
Es zeigte sich, dass die operierten Männer zwar schnell viel Gewicht verloren, sich aber die Spermienqualität nicht nennenswert verbesserte: Die relevanten Parameter wie Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und DNA-Schäden blieben weitgehend gleich.
Zudem schienen die Eingriffe kurzfristig die Fortpflanzungsfähigkeit negativ zu beeinflussen, da der schnelle Gewichtsverlust möglicherweise einen Mangel an Mikronährstoffen und hormonelle Schwankungen auslöste.
Gut zu wissen: Was bedeutet bariatrische Chirurgie?
Zu den bariatrischen Eingriffen, auch Adipositaschirurgie genannt, gehören unter anderem der Magen-Bypass und das Magenband. In Deutschland ist die Schlauchgastrektomie (Schlauchmagen) besonders häufig, bei der ein Großteil des Magens entnommen und nur ein schlauchförmiger Rest belassen wird.
Hierzulande ist die Adipositaschirurgie allerdings insgesamt selten: Vor allem wegen der restriktiven Genehmigungspraxis der Krankenkassen erhalten nur rund ein Prozent der Patienten mit hochgradiger Adipositas, für die eine Operationsindikation besteht, tatsächlich einen Eingriff.
Ernährung und Bewegung verbessert Spermienqualität
In Bezug auf Pharmakotherapien ergab die australische Übersichtsstudie keine neuen Erkenntnisse, da die fünf medikamentenbezogenen Einzelstudien nicht genügend Daten in Bezug auf die Spermienqualität lieferten.
Eindeutig waren dagegen die Ergebnisse der Studien, die Lebensstilinterventionen mit Fokus auf Ernährung und Bewegung untersuchten: Selbst Männer, die nur wenig Gewicht verloren, konnten ihre Spermienqualität deutlich steigern. „Dies deutet darauf hin, dass bei übergewichtigen Männern der reproduktive Erfolg – trotz der negativen Auswirkungen von Übergewicht – eher von einer optimierten Ernährung und ausreichend Bewegung als von einem alleinigen, deutlichen Gewichtsverlust abhängt“, folgert Studienerstautor Andrew Peel vom Robinson Research Institute der Universität Adelaide.
Außerdem sehen die Wissenschaftler dringenden Forschungsbedarf hinsichtlich neuerer Medikamente zur Gewichtsreduktion, wie der „Abnehmspritze“ Ozempic, um deren Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit zu untersuchen. Dies sei angesichts der zunehmenden Beliebtheit dieser Medikamente umso dringlicher.
Was Männer außerdem tun können, um ihre Spermienqualität zu verbessern, lesen Sie im Beitrag „Unerfüllter Kinderwunsch: Das können Männer tun“. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/gewichtsverlust-allein-reicht-nicht-aus-um-fruchtbarkeit-von-mannern-zu-steigern-30bc4aa8-7fe4-4557-94b2-159f9f131652
- https://academic.oup.com/humupd/advance-article/doi/10.1093/humupd/dmaf025/8279592?login=false
- https://flexikon.doccheck.com/de/Bariatrische_Chirurgie