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Bluthochdruck: unter­schätzt und verharmlost

Blutdruckmessgerät am Handgelenk einer Frau
Viele Menschen nehmen einen hohen Blutdruck nicht ernst genug. Das kann schwerwiegende Folgen haben. | Bild: forma82 / AdobeStock

Als „stummen Killer“ bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Bluthochdruck. Denn die Erkrankung bleibt oft lange symptomlos, schlägt dann aber lebensbedrohlich zu. 

Ein kürzlich veröffentlichter globaler WHO-Bericht zu Bluthochdruck alarmiert die Experten. Demnach steigen die Erkrankungsraten weltweit an. Zwischen 1990 und 2019 hat sich die Zahl der Betroffenen verdoppelt. 

Laut WHO-Bericht leidet inzwischen weltweit einer von drei Erwachsenen unter Hypertonie. Von den Betroffenen wiederum sind vier von fünf nicht adäquat behandelt. Doch damit haben sie ein hohes Risiko, in der Folge schwere Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen zu erleiden – und vorzeitig zu sterben. 

Zur Erinnerung: Welcher Blutdruck gilt als normal?

Nach Angaben der europäischen Fachgesellschaft für Kardiologie gelten Werte unter 120/80 mmHg als optimal, von 120–129/80–84 mmHg als normal und von 130–139/85–89 mmHg als hochnormal.

Die europäische Leitlinie sieht vor, die Mehrzahl der Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von 140/90 mmHg medikamentös zu behandeln.

Übergewicht treibt Blutdruck hoch

Auch für Deutschland sei die Bilanz erschreckend, beschreibt die Deutsche Hochdruckliga die aktuelle Lage. So leiden hierzulande 20 bis 30 Millionen Menschen unter Hypertonie. Fast die Hälfte der Patienten ist nicht ausreichend therapiert und hat zu hohe Blutdruckwerte – und das, obwohl Betroffene in Deutschland Zugang zu ärztlicher Versorgung und Medikamenten haben. 

Einen Hauptgrund dafür benennt der Vorsitzende der Deutschen Hochdruckliga, Professor Dr. Markus van der Giet: die Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit in der Bevölkerung

Medikamentenskepsis erschwert Dauertherapie

Hinzu komme, dass gerade in Industrienationen eine wachsende Skepsis gegenüber Medikamenten bestehe. Eine Dauertherapie sei schwer vermittelbar, wenn sich die Erkrankten auch ohne Therapie vermeintlich wohlfühlten. 

Das sei aber eine gefährliche Illusion. Bluthochdruck werde in der Bevölkerung massiv unterschätzt und bagatellisiert. Doch ein unbehandelter Bluthochdruck sei letztlich gefährlicher als viele Krebsarten, meint Professor van der Giet. 

Mehr Aufklärung zu Hypertonie

Die Deutsche Hochdruckliga fordert von der Gesundheitspolitik mehr Maßnahmen gegen Bluthochdruck. „Wir brauchen groß angelegte Informationskampagnen und Präventionsprogramme mit Blutdruckscreenings“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga. 

Fachleute unterstreichen aber auch eine weitere Notwendigkeit: Menschen sollten ihren Blutdruck zu Hause messen und bei Bedarf ihren Lebensstil umstellen

Für alle Interessierten hält die Deutsche Hochdruckliga Informationen rund um das Thema Hypertonie bereit unter www.hochdruckliga.de. Quelle: Deutsche Hochdruckliga e.V.