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Was ist eigentlich Klaustrophobie?

Mann in Hocke mit Händen über Kopf im Aufzug
Menschen mit Klaustrophobie spüren im Alltag mehr oder weniger starke Einschränkungen. | Bild: Andrey Popov / AdobeStock

Der Begriff „Klaustrophobie“ setzt sich aus dem lateinischen „claustrum“ für Verschluss, Riegel oder Schloss und dem altgriechischen „phóbos“ für Furcht zusammen. Die Klaustrophobie ist eine psychische Erkrankung, die sich als Angst vor dem tatsächlichen oder gefühlten Eingesperrtsein oder vor der bloßen Präsenz enger oder abgeschlossener Räume äußert.  

Sie ist im Alltag weit verbreitet. Schätzungen gehen davon aus, dass vier bis sieben Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens unter klaustrophoben Ängsten leiden.

Was passiert bei einer Klaustrophobie?

Die Angst eines Klaustrophobikers wirkt auf Außenstehende irrational und übertrieben, und auch die Betroffenen selbst sind sich bewusst, dass sie objektiv unbegründet ist. Trotzdem rufen angstauslösende Situationen körperliche und psychische Symptome hervor. Die Angst übernimmt die Kontrolle und überdeckt das rationale Denken.  

Sie erfüllt ihren Zweck wie bei einer realen Gefahr und sorgt dafür, dass Betroffene die Angstquellen verlassen und/oder meiden. Dabei wissen die Betroffenen, dass ihre Angst nur ein Fehlalarm ist.

Gut zu wissen: Klaustrophobie vs. Platzangst

Umgangssprachlich wird die Klaustrophobie auch als Platzangst bezeichnet, während die Psychologie unter Platzangst die Agoraphobie, also die Angst vor öffentlichen Plätzen, weiten Räumen oder großen Menschenansammlungen, versteht. 

Beide Angststörungen rufen ähnliche Symptome hervor, können gemeinsam auftreten und führen bei Betroffenen zu Vermeidungsstrategien. Ein korrekter, aber selten verwendeter Alternativbegriff für die Klaustrophobie ist „Raumangst“.

Ursachen der Klaustrophobie

Eine Klaustrophobie kann durch ein prägendes Angsterlebnis in der Vergangenheit entstehen, das nicht zwangsläufig als bewusste Erinnerung gespeichert ist. Eine betroffene Person könnte beispielsweise als Kind von den Geschwistern in einen Schrank gesperrt worden sein.  

Manchmal haben Betroffene auch eine andere Person während einer Angstreaktion beobachtet oder sich (übermäßig) mit möglichen – oder höchst unwahrscheinlichen – Gefahren wie dem Absturz eines Aufzugs beschäftigt.

Die genetische Disposition, also eine angeborene Anfälligkeit für Phobien, kann eine Klaustrophobie ebenfalls auslösen oder begünstigen – genauso wie eine besonders reaktionsbereite Amygdala (das an der Gefahrenbewertung beteiligte Angstzentrum im Gehirn).  

Die Ursachen, die zu einer Klaustrophobie führen, sind jedoch sehr individuell und vielschichtig. Sie können auch mit weniger naheliegenden Faktoren wie Leistungsdruck, Erschöpfung, Beziehungsproblemen oder Traumata, die nichts mit engen Räumen zu tun haben, in Verbindung stehen.

Symptome der Klaustrophobie

Klaustrophobie löst neben psychischen Symptomen wie dem reinen Angstgefühl oder Fluchtgedanken auch zahlreiche körperliche Erscheinungen aus:  

  • Enge in der Brust
  • Atemnot
  • beschleunigter Herzschlag
  • Schwindel
  • Schweißausbrüche

Bei sehr starker Ausprägung kommen auch Panikattacken mit Herzrasen, schwerer Atemnot und einem Gefühl von Kontrollverlust oder gar Todesangst vor.

Auswirkungen einer Klaustrophobie auf den Alltag

Menschen mit (unbehandelter) Klaustrophobie spüren im Alltag mehr oder weniger starke Einschränkungen. Manche meiden Fahrstühle, Umkleidekabinen oder Abstellkammern, andere gehen weite Wege zu Fuß, statt Bus oder Bahn zu nutzen, und wieder andere fahren mit dem Auto große Umwege, um Tunnel zu umgehen – wenn sie überhaupt zum Einsteigen in ein Auto fähig sind.  

In besonderen Fällen kann schon enge Kleidung oder umgeschnallte Ausrüstung die typischen Reaktionen auslösen.  

Besonders häufig wird von klaustrophoben Symptomen im Zusammenhang mit MRT- oder CT-Untersuchungen berichtet, bei denen Patienten viele Minuten lang bewegungslos in einer engen, lauten Röhre liegen müssen. Mit „offenen MRT-Systemen“ wird dieser Umstand an einzelnen Untersuchungszentren inzwischen berücksichtigt.

Viele Betroffene arrangieren sich mit einer Klaustrophobie und nehmen alltägliche Einschränkungen in Kauf, wie z. B. Treppen statt des Fahrstuhls zu nutzen oder ein Familienmitglied zu bitten, Vorräte aus dem kleinen Kellerraum zu holen.  

Die meisten Klaustrophobiker nehmen erst dann professionelle Hilfe in Anspruch, wenn der Leidensdruck zu groß wird, zum Beispiel weil das Berufs- oder Sozialleben erkennbar leidet.

Therapie einer Klaustrophobie

Wie bei anderen Phobien ist auch bei der Raumangst eine Psychotherapie in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie besonders vielversprechend. Meist werden die Patienten in mehreren Stufen an typischerweise angstauslösende Situationen herangeführt.

Oft verringert sich die Angst schon innerhalb weniger Sitzungen, sodass die Betroffenen nach und nach wieder mehr Selbstbestimmung erlangen und lernen, dass ihre Angst sich kontrollieren lässt.  

Wenn angstauslösende Situationen sich nicht nachstellen lassen – zum Beispiel mit vielen Menschen in einem Bus oder Flugzeug zu sitzen –, können VR-Brillen Abhilfe schaffen.  

Ziel der Therapie ist es, bisher gemiedene Situationen durch Achtsamkeit, Reflexion und Entspannungstechniken wie bewusstes Atmen oder Meditation bewältigen zu können und damit Freiheit und Lebensqualität zurückzuerlangen. Quellen:
https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/angst/klaustrophobie-1334202
https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/psyche/klaustrophobie-verstehen-symptome-ausloeser-und-therapieoptionen-1418233.html#behandlung-der-klaustrophobie
https://de.wikipedia.org/wiki/Klaustrophobie
https://flexikon.doccheck.com/de/Klaustrophobie
 

Klaustrophobie in Kürze

  • Krankheitstyp: Angststörung
  • Krankheitsbild: Angst vor dem tatsächlichen oder gefühlten Eingesperrtsein oder vor der Präsenz enger oder abgeschlossener Räume
  • Symptome: Enge in der Brust, Atemnot, beschleunigter Herzschlag, Schwindel, Schweißausbrüche, unter Umständen Panikattacken
  • Ursache: meist prägendes Angsterlebnis und/oder genetische Disposition  
  • Häufigkeit: laut Schätzungen vier bis sieben Prozent
  • Therapie: kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontationsverfahren
  • Therapieaussichten: gute Chancen auf mehr Freiheit und höhere Lebensqualität