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Stammzellspender werden – wie geht das und wer darf das?

Die Stammzellspende ist seit einigen Jahren in aller Munde. Und tatsächlich haben die verstärkten Bemühungen auf diesem Gebiet bereits viel Gutes bewirkt.
Doch nicht jeder kennt sich mit dem Thema aus. Die ein oder andere PTA wurde sicherlich bereits von Kunden gefragt, ob eine Registrierung sinnvoll ist, wie diese abläuft und in welchen Situationen eine Stammzellspende überhaupt helfen kann.
Damit am HV auf diese und ähnliche Fragen kein peinliches Schweigen folgt, sollten alle Apothekenmitarbeiter die Bedeutung von Stammzellspenden sowie die wichtigsten Fakten zur Registrierung und dem Ablauf einer Spende kennen. Die folgenden Informationen helfen dabei.
Was sind Stammzellen?
Stammzellen sind die Mutterzellen aller Blutzellen und für die Blutbildung zuständig. Sie befinden sich im Knochenmark und, in geringer Konzentration, auch im Blut. Aus ihnen können sich sowohl rote und weiße Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) als auch Blutplättchen (Thrombozyten) bilden.
Stammzellen sind zur Therapie von Blutkrebs wichtig, wenn Chemo- und Strahlentherapie keine Aussicht auf Heilung bieten, was leider meistens der Fall ist.
Bei den verschiedenen Arten von Blutkrebs werden die gesunden, funktionstüchtigen Blutzellen von entarteten, sich unkontrolliert vermehrenden Zellen verdrängt, bis sie irgendwann ihre Aufgaben – Sauerstofftransport, Infektionsbekämpfung beziehungsweise Blutgerinnung – nicht mehr erfüllen können.
Die häufigste Form von Blutkrebs ist Leukämie, bei der ein Übermaß von weißen Blutkörperchen und vor allem deren nicht funktionstüchtigen Vorläuferzellen die Blutzusammensetzung durcheinanderbringt.
Eine Stammzellenspende kann das durch Blutkrebs gestörte Gleichgewicht wiederherstellen und damit Leben retten.
Gut zu wissen: Spenderdatenbank der DKMS
Um für Blutkrebspatienten einen genetisch passenden Spender zu finden, führt die gemeinnützige DKMS Donor Center gGmbH eine Datenbank mit registrierten Spendern.
Die Abkürzung DKMS bedeutete ursprünglich „Deutsche Knochenmarkspenderdatei“; heute ist die Organisation aber auch in anderen Ländern wie den USA, Indien und Südafrika unter dem Kürzel vertreten und betreibt mit anderen Registern ein weltweites Netzwerk.
Finanziert wird die DKMS in Deutschland durch Spenden von Privatleuten und Unternehmen sowie durch die Krankenkassen. Mit den Spendenbeträgen wird der tägliche Betrieb gesichert, aber auch Forschung zu Blutkrebs betrieben und Stammzelltransplantationen in ärmeren Ländern ermöglicht.
Wie läuft eine Stammzellspende ab?
Die Voruntersuchungen, die die Eignung einer Person als Stammzellspender und eine ausreichend stabile Konstitution für den Eingriff feststellen sollen, finden, genau wie die eigentliche Stammzellspende, in einem der deutschen DKMS-Collection-Center oder in einer Partnerklinik statt. Die Kosten für Anreise, Aufenthalt und den etwaigen Arbeitsausfall übernimmt die DKMS.
Bei etwa 90 Prozent aller Spenden werden die Stammzellen aus dem Blut gewonnen (periphere Entnahme). Dazu verlässt es an einem Arm den Körper, durchläuft eine sogenannte Apherese-Maschine, die die Stammzellen separiert, und gelangt über den anderen Arm wieder in den Kreislauf.
In den fünf Tagen vor der peripheren Entnahme spritzt sich der Spender einen Wachstumsfaktor, der die Konzentration der Stammzellen im Blut erhöht. In dieser Zeit kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie erhöhter Temperatur, Muskelschmerzen oder selten auch Übelkeit kommen, die aber nach der Spende abklingen.
Nur im restlichen Zehntel der Fälle ist ein Eingriff zur Knochenmarkentnahme (aus dem Beckenkamm, nicht aus der Wirbelsäule!) nötig. Unter Vollnarkose werden auf beiden Seiten des Beckens je rund fünf Prozent des enthaltenen Knochenmarks entnommen.
Die Entnahme aus dem Becken ist ein Routineeingriff. Komplikationen beschränken sich im Wesentlichen auf die allgemein bekannten möglichen Nachwirkungen chirurgischer Eingriffe wie Infektion, Blutergüsse oder Wundheilungsstörungen. Und wie bei der peripheren Entnahme aus dem Blut regenerieren sich die Stammzellen innerhalb weniger Wochen vollständig.
Welches der beiden Verfahren zur Stammzellspende angewendet wird, richtet sich nach den Belangen und der Erkrankung des Patienten: Abhängig von der Einzelsituation kann eine Methode aus medizinischen Gründen wegfallen oder bevorzugt werden. Im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen werden aber auch die Wünsche des Spenders berücksichtigt.
Gut zu wissen: Die Spende bleibt immer freiwillig
Wer sich trotz des geringen Komplikationsrisikos vor der Stammzellentnahme aus dem Becken fürchtet oder Sorge hat, später möglicherweise eine Angst vor dem Eingriff zu entwickeln, kann sich zu jedem Zeitpunkt noch gegen eine Spende entscheiden.
Die Registrierung ist keine verpflichtende Erklärung, aber potenzielle Spender sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein: Ein „Match“ ist selten und oftmals steht im konkreten Fall kein anderer Spender für einen Erkrankten zur Verfügung.
Wer kann sich als Stammzellspender registrieren, wer nicht?
Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellspender registrieren. 17-Jährige dürfen zwar noch keine Stammzellen spenden, werden aber ab dem 18. Geburtstag automatisch im Register aktiviert und bei der Suche nach Spendern berücksichtigt.
Die Spende selbst ist dann bis zu einem Alter von einschließlich 60 Jahren möglich, danach wird der Registereintrag gelöscht.
Die folgenden Umstände sind Ausschlusskriterien für eine Registrierung beziehungsweise Spende:
- starkes Übergewicht (Body-Mass-Index über 40)
- starkes Untergewicht, (Body-Mass-Index unter 16,5)
- schwere Lungen-, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung
- schwere neurologische oder psychische Erkrankung
- schwere Stoffwechselstörung
- Tropenkrankheiten und schwere chronische Infektionskrankheiten
- Infektion mit HIV, Hepatitis B oder C
- systemische Autoimmunerkrankung oder andere schwere chronische Erkrankung (zum Beispiel Diabetes oder Rheuma)
- Krebserkrankung (auch ausgeheilte in der Vorgeschichte)
- schwere Krankheiten des Blutes oder des Immunsystems
- Suchterkrankungen (Alkohol, Drogen, Medikamente)
Im Zweifelsfall können Spendenwillige die DKMS kontaktieren, um ihre persönliche Eignung prüfen zu lassen. Mit den folgenden gesundheitlichen Erscheinungen ist die Registrierung jedoch ohne Rücksprache möglich:
- vergrößerte Schilddrüse / Unterfunktion der Schilddrüse / Hashimoto-Thyreoiditis (stabil und beschwerdefrei; auch mit Einnahme von Schilddrüsenhormonen oder Jodid; nicht Morbus Basedow)
- Bluthochdruck (stabil und gut eingestellt)
- Heuschnupfen, leichtes Asthma (ohne Anfälle), Nahrungsmittelallergie
- unipolare Depressionen (ohne Einschränkungen im Alltag)
- Eisenmangelanämie (gut mit Eisentabletten behandelbar)
- Basaliome (Hauttumoren ohne Metastasen) und Gebärmutterhalskrebs nach vollständiger Entfernung
Wie funktioniert die Registrierung als Stammzellspender?
Auf www.dkms.de und jeder Unterseite kann man den Button „Spender:in werden“ anklicken und sich registrieren. Teil des Vorgangs ist es, sich ein Set für einen Wangenabstrich nach Hause zu bestellen.
Diesen nehmen potenzielle Spender unter genauer Anleitung selbst vor und schicken die Teststäbchen in dafür vorgesehenen Behältern samt unterschriebener Einwilligungserklärung per Post an das DKMS-Labor:
DKMS Life Science Lab gGmbH
St. Petersburger Str. 2
01069 Dresden
Die DKMS wertet die relevanten Gewebemerkmale aus und stellt anschließend das Ergebnis der Probe pseudonymisiert für den weltweiten Spendersuchlauf zur Verfügung.
Die Analyse kann einige Wochen dauern. Anschließend erhält der potenzielle Spender eine Bestätigungsmail sowie per Post seine persönliche Spendercard im Scheckkartenformat.
Nun ist er im internationalen Stammzellspenderregister verzeichnet und hat bis zum 61. Geburtstag die Chance, Leben zu retten.
Und das ist wichtig, denn wie die DKMS betont, finden nur 30 Prozent der Menschen, die eine Stammzellspende benötigen, einen geeigneten Spender in der Familie. Quelle: DKMS
Gut zu wissen: Vor der Spende nicht tätowieren oder impfen lassen!
Die DKMS bittet Personen, die ein „Match“ haben und zur Spende geladen sind, sich vorher nicht mehr tätowieren oder piercen zu lassen, da eine etwaige Infektion nach diesen Eingriffen die Spende vereiteln könnte.
Auch Impfungen sollten vor der Stammzellspende möglichst nicht mehr verabreicht werden. Im Zweifel schätzen die Ärzte im Entnahmezentrum die individuelle Situation und erforderliche Karenzzeiten ein.