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Masern in Deutschland nicht eliminiert

Kleinkind mit Masern auf dem Körper
Im Jahr 2024 stiegen die Erkrankungszahlen mit Masern in Europa und damit auch in Deutschland an. | Bild: Joa Souza / AdobeStock

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Elimination einer Infektionskrankheit als einen Zustand, in dem über drei Jahre hinweg keine einzelne Virusvariante länger als zwölf Monate kontinuierlich zirkuliert.

Es ist also nicht erforderlich, dass die Zahl der Neuerkrankungen – im konkreten Fall an Masern – bei null liegt. Schließlich lassen sich importierte Fälle aus anderen Ländern aufgrund der hohen aerogenen Übertragbarkeit der Viren kaum vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, dass die durch Virusimporte ausgelösten Übertragungsketten rasch unterbrochen werden.

Dieser Definition zufolge stand Deutschland kurz vor der offiziellen Anerkennung der Masern-Elimination, denn für die Jahre 2022 und 2023 wurde die Unterbrechung der Zirkulation bestätigt.  

Über das ganze Jahr 2024 und auch im ersten Halbjahr 2025 wurde jedoch – bei insgesamt steigenden Maserninfektionen in Deutschland und Europa – die Sequenzvariante D8-5963 nachgewiesen. Die Regionale Verifizierungskommission für Masern/Röteln (RVC) sah darin einen Beleg für eine endemische Ausbreitung und erteilte Deutschland somit nicht das Prädikat der Masern-Elimination.

Deutsche Expertinnen halten Masern-Elimination für erreicht

Drei Wissenschaftlerinnen vom Nationalen Referenzzentrum für Masern, Mumps, Röteln (NAVKO) in Berlin widersprechen der Argumentation der RVC und WHO in einer aktuellen Veröffentlichung: Die Ganzgenomsequenzierung, die mittlerweile bei allen eingesandten Proben durchgeführt werde, habe gezeigt, dass es sich bei den Ausbrüchen im Jahr 2024 nicht um eine typische endemische Ausbreitung einer Virusvariante gehandelt habe.  

Schließlich würden bei einer endemischen Ausbreitung nur wenige Mutationen auftreten, während es bei erneuten Virusimporten oft größere Abweichungen im Genom der einzelnen Proben gebe.

Den Sequenzierungsergebnisse zufolge habe 2024 in Deutschland ein diffuses Geschehen mit mehrfachen Virusimporten eng verwandter D8-5963-Varianten sowie ein zeitlich und räumlich begrenzter Ausbruch einer weiteren Variante vorgelegen.  

So hätten sich mehrere Infektionsketten zwar teilweise über mehrere Bundesländer erstreckt, seien allerdings nach kurzer Zeit wieder zusammengebrochen.  

Nach dieser Interpretation hätte Deutschland auch 2024 und damit in drei aufeinanderfolgenden Jahren die Kriterien der WHO für eine Masern-Elimination erfüllt.

Zur Erinnerung: Impfquote essenziell für Masern-Elimination

Die Masern-Elimination hängt vor allem von der Impfquote ab. Diese liegt in Deutschland weiterhin unter dem Richtwert von 95 Prozent.  

So wurden beispielsweise von allen 2022 geborenen Kindern nur 78 Prozent bis zum Alter von 24 Monaten geimpft.

Fehlende Daten vereiteln Masern-Elimination

Die Regionale Verifizierungskommission für Masern/Röteln folgt der Bewertung des Nationalen Referenzzentrums für Masern, Mumps, Röteln allerdings nicht. Ausschlaggebend dafür waren laut den Autorinnen der aktuellen Stellungsnahme insbesondere Datenlücken hinsichtlich der Exposition und der molekularen Charakterisierung, allerdings vor allem bei den sporadischen Fällen.

Bei der Entscheidung der RVC, die im Januar 2026 fiel, seien laut NAVKO die für die langanhaltenden Übertragungsketten vorliegenden Ganzgenomdaten, die eine differenzierte Bewertung des Übertragungsgeschehens ermöglichen, nicht berücksichtigt worden.  

Somit muss der Nachweis der Unterbrechung nun erneut über einen Zeitraum von drei Jahren erbracht werden. Das könnte nach Jahresabschluss 2027 geschehen, da die Voraussetzungen für die Masern-Elimination bereits 2025 wieder erfüllt wurden. Quellen:
- https://edoc.rki.de/handle/176904/13739
- https://www.aerzteblatt.de/news/who-europa-deutschland-hat-masern-elimination-verpasst-1d845360-72c1-417e-9ba5-8fb7a23d005a?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20260518