Impfungen
Wissen Sie, wo Ihr Impfausweis liegt? Viele von Ihren Patienten müssen über diese Frage wahrscheinlich länger nachdenken. Denn wenn nichts Besonderes passiert, sind Impfungen oft kein Thema mehr. Aber auch Erwachsenen wird empfohlen, ihren Impfschutz regelmäßig prüfen zu lassen. Welche Standard-Impfungen die Ständige Impfkommission (STIKO) für welches Alter empfiehlt, vor welchen Krankheiten diese schützen und was Sie sonst noch darüber wissen sollten, erfahren Sie in unserer Serie „Impfungen im Kurzportrait“.
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Röteln-Impfung – lebens­wichtiger Schutz für Un­geborene

Nahaufnahme eines kindlichen Oberkörpers bedeckt mit Röteln
Das Röteln-Virus wird durch Tröpfcheninfektionen übertragen. | Bild: Dr. med. J.P. Müller / Picture Alliance

Röteln sind eigentlich eine harmlose Kinderkrankheit. Häufig verläuft eine Infektion mit dem Virus, das ausschließlich Menschen befällt, sogar symptomlos.  

Richtig gefährlich wird es allerdings, wenn sich eine Frau während der ersten drei Schwangerschaftsmonate infiziert: Das Kind kann dann mit schweren bleibenden Schäden zur Welt kommen.  

Ziel der allgemeinen Röteln-Impfempfehlung ist es deshalb, Frauen im gebärfähigen Alter vor dem Röteln-Virus zu schützen.

Verschiedene Verläufe der Röteln-Erkrankung

Eine Röteln-Infektion wird oft gar nicht bemerkt – rund 70 Prozent der Fälle verlaufen ohne sichtbare Krankheitszeichen. Entwickelt sich jedoch der typische Röteln-Ausschlag, dann zeigen sich kleine hellrote, etwas erhabene Flecken oder Knötchen.

Der Ausschlag beginnt meist im Gesicht, von wo er sich über Körper und Extremitäten ausbreitet. Nach circa drei Tagen verschwindet er wieder. Zusätzlich können Lymphknotenschwellungen, erkältungsähnliche Symptome und Fieber auftreten.

Mit zunehmendem Erkrankungsalter treten häufiger Komplikationen auf. So kann es vor allem bei Erwachsenen zu Gelenkschmerzen, Bronchitis, Mittelohrentzündung sowie Herzmuskelentzündung kommen.  

Dramatische Folgen hat eine Röteln-Infektion bei Müttern im ersten Schwangerschaftsdrittel, wenn beim werdenden Kind die Organe angelegt werden. Das Röteln-Virus verursacht dann mit rund 30-prozentiger (im ersten Monat sogar 60-prozentiger) Wahrscheinlichkeit eine Fehlgeburt oder Fehlbildungen wie Herzschäden, Augendefekte, Taubheit oder geistige Beeinträchtigungen.  

Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist, desto geringer ist das Risiko für eine solche Röteln-Embryopathie. Im vierten Monat sind es noch zehn Prozent.

Wie erfolgt die Ansteckung mit dem Röteln-Virus?

Das Röteln-Virus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung nach Kontakt mit einem Infizierten bei 50 Prozent liegt.  

Die Inkubationszeit beträgt 14 bis 21 Tage, und rund eine Woche vor bis eine Woche nach dem Auftreten des Ausschlags besteht Ansteckungsgefahr. Auch wer die Infektion unbemerkt durchmacht, kann andere anstecken.

Röteln: Sicherer Schutz nur durch Impfung

Nur die vollständige Impfung schützt zuverlässig vor einer Röteln-Infektion. Sie sollte möglichst bis Ende des zweiten Lebensjahres erfolgen. Damit will man erreichen, dass sich das Röteln-Virus gar nicht mehr ausbreiten und Schwangere infizieren kann.

Die Impfung kann auch im Erwachsenenalter nachgeholt werden. Vor allem Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Impfschutz frühzeitig überprüfen. Nach einer Röteln-Impfung wird Frauen empfohlen, mit dem Schwangerschaftseintritt sicherheitshalber einen Monat zu warten; eine Impfung während der Schwangerschaft ist zu vermeiden.

Röteln-Impfung mit MMR-Kombinationsimpfstoff

Da für die Röteln-Impfung in Deutschland seit 2012 kein Einzelimpfstoff mehr zur Verfügung steht, erfolgt die Impfung mit einem MMR-Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln bzw. mit einem MMRV-Kombinationsimpfstoff, der zusätzlich vor Windpocken (V für Varizellen) schützt. 

Da der MMR-Impfstoff abgeschwächte Röteln-Viren enthält, können neben allgemeinen Impfreaktionen auch milde Röteln-ähnliche Symptome auftreten, vor allem bei Erwachsenen.

STIKO-Impfempfehlungen gegen Röteln

Standardimpfempfehlung:

  • alle Kleinkinder ab 11 Monaten bis zum Ende des 2. Lebensjahres

Indikationsimpfempfehlung:

  • Frauen im gebärfähigen Alter mit unklarem, fehlendem oder unvollständigem Impfschutz
  • Impfung ab 9 Monaten für Kleinkinder, die vor dem 11. Monat eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen
  • nicht oder unzureichend geimpfte Personen ab Jahrgang 1971 mit beruflichem Risiko durch Arbeit in medizinischen oder Pflegeeinrichtungen oder Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Asylbewerberheimen

Röteln-Impfschema und Impfstoffe

Es handelt sich um Lebendimpfstoffe. In Deutschland sind die MMR-Kombinationsimpfstoffe M-M-R VaxPro und Priorix sowie die MMRV-Kombinationsimpfstoffe Priorix-Tetra und ProQuad zugelassen.

Bei der Standardimpfung im Kleinkindalter sollte die erste Impfung zwischen 11 und 14 Monaten, die zweite zwischen 15 und 23 Monaten erfolgen. Fehlende Impfungen sollten im Jugendalter nachgeholt werden.

Zwischen den einzelnen Impfstoffgaben muss bei Lebendimpfungen ein Mindestabstand von 4 Wochen liegen.

Zur Sicherstellung der höchstmöglichen Immunität sind für Kinder und bisher ungeimpfte Erwachsene zwei Impfstoffgaben erforderlich. (Lediglich bei der beruflichen Impfindikation für Männer genügt eine einmalige Impfung.) Quellen:
https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/roeteln/
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/R/Roeteln/roeteln-node.html
https://dgk.de/impfen-und-infektionen/krankheiten-von-a-bis-z/roeteln.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Mumps
https://de.wikipedia.org/wiki/Röteln
https://www.msd-gesundheit.de/impfungen/roeteln/
 

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