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Schwangerschaft: Leichter Sport ist gut für die Psyche

Schwangere Frau macht Übungen auf Gymnastikball
Es gibt Hinweise darauf, dass sich postnatale Ängste durch sportliche Betätigung während der Schwangerschaft abbauen lassen. | Bild: Trendsetter Images / AdobeStock

Mehrere Studien haben bereits positive Auswirkungen von sportlicher Aktivität während der Schwangerschaft auf das seelische Wohlbefinden von Müttern nach der Geburt festgestellt.  

Elizabeth Mohr und ihre Mitarbeiter vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden gingen nun zwei Fragen nach, die ihrer Meinung nach in der Forschung bisher offen geblieben waren:

  1. Wie intensiv muss die sportliche Betätigung für eine nachweisbare positive Wirkung sein?  
  2. Wirkt sich auch das derzeit bei vielen Schwangeren populäre und in Deutschland von Krankenkassen finanziell unterstützte Yoga günstig auf die Psyche aus?

Um diese Fragen zu beantworten, hat das Team um Mohr in einem Umbrella Review die Ergebnisse von 20 systematischen Übersichten zu weltweit 374 Studien mit insgesamt 73.175 Teilnehmerinnen analysiert.  

Gut zu wissen: Was ist ein Umbrella Review?

Ein Umbrella Review ist eine Übersichtsarbeit über systematische Übersichten oder Metaanalysen. Es wird auch Review of Reviews oder Meta-Metaanalayse genannt.

Diese Methode gilt als eine der höchsten Evidenzstufen in der medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Forschung.

Postnatale Depressionen: Schon leichte Bewegung senkt das Risiko

Mohr und Co. ermittelten für postnatale depressive Verstimmungen nach leichten körperlichen Aktivitäten während der Schwangerschaft wie etwa 150 Minuten Gehen in der Woche eine standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) von –0,52.

Die SMD wird in Metaanalysen verwendet, wenn die Wirkung in verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Instrumenten gemessen wurde. Da die Ergebnisse dieser Messinstrumente nicht direkt miteinander vergleichbar sind, werden sie mithilfe der SMD auf eine gemeinsame Skala gebracht. Sie gibt an, wie weit sich der Mittelwert der Messergebnisse nach der Behandlung verschoben hat.

Eine SMD von 0,5 in die gewünschte Richtung wird als mittelstarker Effekt bewertet. Der Wert von –0,52 steht also für ein signifikant geringeres Risiko für postnatale Depressionen, wenn die Mütter während der Schwangerschaft sich leicht körperlich betätigten.

Yoga, also die Kombination aus Körperhaltungen und Atemübungen, deutete das Autorenteam als leichte Aktivität und ermittelte eine SMD von –0,55. Für gemischte Aktivitäten ergab sich ein sehr ähnlicher Wert von –0,54.

Bewegung in der Schwangerschaft kann postnatale Ängste lindern

Neben einer Verminderung von postnatalen Depressionen fanden die Studienautoren auch Hinweise darauf, dass sich postnatale Ängste durch sportliche Betätigung während der Schwangerschaft abbauen lassen.

Die standardisierte Mittelwertdifferenz betrug beim Thema Ängste sogar –0,85. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass sich die Wirkstärke aufgrund einer weiten Streuung einzelner Analysewerte nur eingeschränkt beurteilen lasse.

Insgesamt sehen Mohr und ihre Co-Autoren in den Ergebnissen einen weiteren Grund, Schwangeren zu Yoga oder anderen körperlichen Aktivitäten zu raten. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/yoga-und-leichter-sport-in-der-schwangerschaft-beugen-perinatalen-depressionen-und-angsten-vor-b16bd4b6-f5a9-4ca3-b6d0-6b96faac024a?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20260814
- Studie: https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(26)00307-X/fulltext
- https://de.wikipedia.org/wiki/Umbrella_Review
 

Gut zu wissen: Wie reagiert das Baby auf Sport?

Die größte gynäkologisch-geburtshilfliche Fachgesellschaft in den USA (ACOG, American College of Obstetricians and Gynecologists) hat die wichtigsten Studien, die sich damit beschäftigen, wie sich körperliche Aktivität der Mutter auf das Baby auswirkt, zusammengefasst.

Laut der ACOG konnten mehrere Studien zeigen, dass sich die kindliche Herzfrequenz „minimal bis mäßig“ um 10 bis 30 Schläge pro Minute während oder nach dem Training erhöhte (normal sind 120 bis 160 Schläge pro Minute). Quelle: „JAMA“: „Fetal Heart Rate Response to Maternal Exertion“ sowie „Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada“: „Clinical physiology of exercise in pregnancy: a literature review“ sowie „American Journal of Obstetrics and Gynecology“: „Fetal heart rate responses to maternal exercise“ und „Obstetrics Gynecology“: „Exercise During Pregnancy: Fetal Responses to Current Public Health Guidelines“ 

Treiben Frauen während der Schwangerschaft Sport, unterscheidet sich das Geburtsgewicht ihrer Babys „minimal bis gar nicht“ von dem der Babys, deren Mütter nicht körperlich aktiv waren. Quelle: „Cochrane“: „Aerobic exercise for women during pregnancy“ sowie „Medicine & Science in Sports & Exercise“: „Effects of physical exercise on pregnancy outcomes“ sowie „Clinical Obstetrics and Gynecology“: „Effect of Exercise on Birthweight“  

Intensive sportliche Aktivität im letzten Schwangerschaftsdrittel erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby 200 bis 400 g weniger wog als die Babys der Vergleichsgruppe. Dem ACOG zufolge bestand allerdings kein „erhöhtes Risiko für eine kindliche Wachstumsverzögerung“. /cb