Superfoods

Ein genialer Marketing-Trick verzaubert das menschliche Gehirn: Während „gesundes Gemüse“ oder „Vollkorn“ eher abschreckend und lustfeindlich klingen, lässt der Begriff „Superfood“ die Herzen höher schlagen. „Superfoods“ gelten als hip und cool. Selbsternannte Ernährungsfachleute versprechen die Lösung aller Gesundheitsprobleme, Gewichtsabnahme meist inbegriffen. Was steckt hinter den als Superfoods gepriesenen Produkten? In dieser Serie wollen wir die am meisten beworbenen und beliebtesten „Superfoods“ unter die Lupe nehmen.
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Bananen – Superfood oder Zuckerbombe?

Drei Bananen unterschiedlich reif
Je reifer die Banane, desto höher ist ihr Zuckergehalt. | Bild: SONJA / AdobeStock

Bananen sind beliebte Sportler-Snacks, denn dank ihres hohen Anteils an verschiedenen Zuckern stellen sie schnell Energie zur Verfügung und machen satt. Gleichzeitig stellt der Zucker eine Gefahrenquelle für Diabetiker und Menschen mit anderweitig hohem Zuckerkonsum dar.

Wer sich ausgewogen ernährt, hat von der Banane jedoch viele Vorteile, die Bezeichnungen wie „Superfood“ oder „Powerfrucht“ durchaus rechtfertigen. Hier sind die wichtigsten Informationen über den Energielieferanten aus der Obstabteilung.

Die Banane aus biologischer Sicht

Bananen (Musa) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Bananengewächse (Musaceae). Der Fruchtstand von Bananen ist eine Staude aus sechs bis 19 Reihen, den sogenannten „Händen“ mit je zehn bis 20 „Fingern“, die botanisch gesehen zu den Beeren gehören.

Essbare Früchte bildet vor allem die Sorte Dessertbanane (Musa × paradisiaca) aus, die es in zahlreichen Formen und Farben gibt, die durchaus nicht alle krumm sind. Bei den bekanntesten Sorten der Essbanane ändert sich jedoch die Wuchsrichtung der Früchte, wenn sie mit Sonnenlicht in Kontakt kommen – sie krümmen sich der Sonne entgegen.

Dessertbananen gehören weltweit und auch in Deutschland zu den am meisten verzehrten Früchten. Neben den bekannten Sorten werden bspw. auch rote Bananen oder Babybananen angeboten – allerdings in kleinen Mengen und zu deutlich höheren Preisen.

Wie die Banane nach Europa kam

Die Banane stammt ursprünglich vom Malaiischen Archipel zwischen Südostasien und Australien und wurde von dort aus Richtung Westen nach Indien, Madagaskar und später auf den afrikanischen Kontinent gebracht. 

Arabische Seefahrer entdeckten sie in Indien und verbreiteten sie in ihrem Einflussbereich, bis sie im 10. Jahrhundert nach Südspanien und damit auf den europäischen Kontinent gelangte. 

Von den Kanarischen Inseln kam die Banane um 1500 in die Karibik und nach Mittelamerika. Im 19. Jahrhundert setzte sie dann ihre Ausbreitung in Richtung Nordamerika fort und etablierte sich in den 1920er-Jahren in Europa. Zunächst aufgrund der langen Transportwege noch ein Luxusgut, wurde sie in den 1950ern allmählich kostengünstiger.

Derzeit ist die Hauptsorte im weltweiten Handel die Cavendish. Sie hat in den 1960er-Jahren die Gros Michel abgelöst, die sich wegen einer Pilzkrankheit nicht mehr lohnenswert im großen Maßstab anbauen lässt.

Gut zu wissen: Ausrutschen auf der Bananenschale

1876, zur Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit der USA, wurden den Bürgern die ersten Bananen präsentiert – einzeln in Silberfolie verpackt und zu Höchstpreisen. 

Noch vor 1900 verbreitete sich der Gag des Ausrutschens auf einer Bananenschale und kam als Slapstick-Einlage sogar in Stummfilmen vor.

Der Bananenanbau heute

Bananen wachsen in tropischen und subtropischen Regionen, bevorzugt im sogenannten Bananengürtel um den 30. Breitengrad. Im Jahr 2023 wurden weltweit knapp 140 Millionen Tonnen geerntet.

Hauptproduzenten sind Indien, China, Indonesien und Nigeria. In Sachen Export führen jedoch die mittelamerikanischen Länder Ecuador, Guatemala und Costa Rica die Rangliste an. Die weltweit größten Importeure waren 2023 die USA, China (zugleich zweitgrößtes Produktionsland), Russland und Deutschland. 

Was ist gesund, was ungesund an der Banane?

Eine durchschnittliche Cavendish-Banane ist etwa 120 g schwer und liefert circa 100 Kilokalorien. Bananen enthalten kaum Fett und wenig Eiweiß, dafür aber in relevanten Mengen Vitamin C, Mineralstoffe wie Magnesium, Phosphor, Calcium und Kalium sowie Ballaststoffe.

Vor allem bei Kalium, Vitamin C und Magnesium deckt bereits eine Banane mit 20, 16 bzw. 12 Prozent einen nennenswerten Anteil des täglichen Bedarfs eines Erwachsenen.

Eine Besonderheit ist der hohe Anteil an Kohlenhydraten: Bananen gehören, wie bspw. auch Trauben und Kirschen, zu den zuckerreichen Früchten mit mehr als 10 g Zucker pro 100 g reifer Frucht. Das Verbrauchermagazin Ökotest gibt für die Banane 15,8 g Zucker pro 100 g an, was bei durchschnittlicher Größe 17 bis 20 g Zucker bedeutet.

In der Banane kommen sowohl die Einfachzucker Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker) als auch der molekular verbundene Zweifachzucker Saccharose mit den Bestandteilen Glucose und Fructose vor. Die Südfrucht ist also ein effektiver Energielieferant für Menschen mit einem hohen Energiebedarf wie Sportler oder Jugendliche im Wachstum.  

Den vielen ernährungstechnischen Vorteilen stehen die allgemeinen Gefahren eines zu hohen Zuckerkonsums wie Karies, Übergewicht oder Diabetes gegenüber.

Diabetiker oder Menschen, die schon durch anderen Ursprung viel Zucker zu sich nehmen, sollten aufpassen, die Gesamttagesmenge nicht zu überschreiten – wobei es empfehlenswerter ist, auf Süßgetränke oder Schokolade zu verzichten als auf Bananen.

Wer von der Banane auf Früchte mit wenig Zucker umsteigen will, ist mit Wassermelonen, Brombeeren, Erdbeeren oder Himbeeren gut beraten. 

Die Banane als Heilmittel

Die Banane wird oft als Heilmittel gegen leichtere Beschwerden empfohlen, und die positiven Wirkungen lassen sich auch wissenschaftlich erklären.

In den folgenden Situationen kann die Frucht helfen:

  • Wer an einem Kaliummangel leidet, kann die Zufuhr des wichtigen Elektrolyts durch Bananen erhöhen und durch dessen blutdrucksenkende Wirkung das Risiko für Muskel-, Nerven- und vor allem Herzprobleme senken.
  • Nach Alkoholgenuss können Bananen dabei helfen, den Ausscheidungsverlust des Mineralstoffs Magnesium auszugleichen und so den Kater zu reduzieren.
  • Ganz allgemein sind reife Bananen wegen ihres geringen Stärkegehalts sehr leicht verdaulich und eignen sich deshalb gut als Krankenkost.
  • Aufgrund ihres Gehaltes an Ballaststoffen, natürlichen Stärken und Polysacchariden im Fruchtfleisch kann der Verzehr von Bananen den Stuhlgang regulieren. Vor allem der wasserlösliche Ballaststoff Pektin wirkt wohltuend auf den Magen-Darm-Trakt. Bananen sind daher dafür bekannt, sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall zu wirken.

Tag der Banane am 15. April

Immer am dritten Mittwoch im April wird der Tag der Banane (engl. Banana Day) begangen – dieses Jahr fällt das Datum somit auf den 15. April. An diesem Aktionstag wird der Banane besondere Aufmerksamkeit geschenkt. /vs

Nährwerte: Reifegrad der Banane entscheidend

Bananen müssen unreif geerntet werden, damit sie nicht an der Staude aufplatzen und mehlig werden. Anschließend reifen sie nach, wobei Stärke in Zucker umgewandelt wird.

Bei unreifen – im Fall von Cavendish grünen – Bananen liegt das Stärke-Zucker-Verhältnis bei etwa 20:1 und kehrt sich bis zum Ende der Reifung um in 1:20. Je gelber die Schale, umso größer ist der Zuckeranteil und umso mehr erhält die Frucht den typischen Bananengeschmack. 

Die Stärke in der unreifen Banane wird erst durch den Reifungsprozess zu Fructose, Glucose und Saccharose umgewandelt. Unreife Bananen können durch ihren hohen Zelluloseanteil Bauchschmerzen verursachen, eignen sich aber wegen des hohen Stärkeanteils gut zum Kochen. Ihr Geschmack ähnelt dann dem der Süßkartoffel.

Man kann grüne Bananen problemlos kaufen und zu Hause ausreifen lassen. Ein beigelegter reifer Apfel oder Tomaten bzw. eine Abdeckung können den Reifungsprozess beschleunigen, da sie die Ethen-Konzentration in der Umgebung der Banane erhöhen.

Ethen ist ein pflanzlicher Botenstoff, der bei allen Pflanzen für die Ausbildung und Reife der Geschlechtsorgane und Fruchtkörper verantwortlich ist.

Bananen richtig lagern

Bananen gehören nicht in den Kühlschrank, denn unter zwölf Grad nimmt die Schale eine graue oder braune Färbung an und das Fruchtfleisch verliert an Aroma – allerdings ohne zu verderben oder weich zu werden.

Bananen hängt man an einen Haken, um auch bei längerem Nachreifen Druckstellen zu vermeiden. Auch wenn die Schalen schon dunkel oder fleckig sind, ist das Fruchtfleisch meist noch einwandfrei.

Sollte sich beim Schälen herausstellen, dass eine Banane überreif ist, lässt sie sich immer noch bedenkenlos verzehren – oder für den späteren Gebrauch einfrieren. Wer keine weichen Bananen mag, verarbeitet die überreifen Früchte zu Bananenbrot.

Der ökologische Fußabdruck von Bananen

Wer in Europa Bananen essen möchte, kann dies leider nicht nach dem ökologischen Prinzip regional und saisonal tun und muss sich bewusst sein, dass Bananen auf unterschiedliche Weise die Umwelt belasten können. 

Die folgenden Punkte spielen dabei eine Rolle:

  • Den Bananenplantagen müssen in den Tropen und Subtropen oft Wälder weichen, was die Artenvielfalt und die CO2-Absorption verringert. Der Anbau in Monokulturen schwächt das Ökosystem zusätzlich.
  • Bananen brauchen viel Wasser, was in wasserarmen Gebieten ggf. das Ökosystem belastet.
  • Im Bananenanbau werden viele Pestizide und Fungizide eingesetzt, die Wasservorkommen verschmutzen und auch Nichtschädlinge töten können.
  • Bananen müssen meist weit transportiert und dabei auch noch gekühlt werden, um nicht vorzeitig zu reifen. Das verschlechtert die CO2-Bilanz dieser Obstsorte.

Laut einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) aus dem Jahr 2020 kommen in Deutschland gekaufte Bananen unter Miteinbeziehung aller relevanten Eckdaten auf 0,6 kg CO2-Äquivalent pro kg Lebensmittel. Saisonale Äpfel aus Deutschland lagen in der Untersuchung bei 0,3 kg, Bio-Äpfel schafften sogar 0,2 kg.

Im Vergleich zu anderen weitgereisten Früchten wie bspw. Äpfeln aus Neuseeland (0,8 kg CO2-Äquivalent) liegt die Banane jedoch vorn. Wenn also das regionale und saisonale Angebot im Winter weniger wird, sind Bananen eine bessere Alternative als viele andere Importfrüchte. Quellen:
- https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/lebensmittel/banane-warum-die-suedfrucht-so-gesund-ist/
- https://www.oekotest.de/essen-trinken/Zucker-in-Obst-Welche-Fruechte-enthalten-am-meisten-Zucker_13357_1.html
- https://www.green-chefs.org/die-gruene-wahrheit-hinter-den-bananen-auswirkungen-auf-die-umwelt/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Dessertbanane
 

Bananen auf einen Blick

  • Bananen sind botanisch betrachtet Beeren. Sie gehören weltweit und in Deutschland zu den am häufigsten verzehrten Früchten.
  • Die heutige Hauptsorte ist die gelbe, gebogene Cavendish-Banane mit einem Gewicht zwischen 100 und 130 g.
  • Bananen enthalten viel Vitamin C, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und wenig Fett und Eiweiß.
  • Bananen gehören zu den zuckerreichen Früchten mit mehr als 10 g Zucker pro 100 g reifer Frucht.
  • Bananen können bei Kaliummangel, Alkoholkater, Magen-Darm-Leiden und allgemein als Krankenkost positiv wirken.
  • Bananen sollten außerhalb des Kühlschranks und am besten hängend gelagert werden. Reife und auch überreife Früchte lassen sich gut einfrieren.
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