In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Zum Welt-Alzheimertag am 21. September: Warum Einsamkeit Demenz fördert

Laut der Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) leben in Deutschland 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Rund 1,2 Millionen haben Alzheimer, die häufigste Form von Demenz.
Die Zahlen werden vermutlich steigen, da das Alter der wichtigste nicht beeinflussbare Risikofaktor für Demenz ist und die Bevölkerung immer älter wird.
Einsamkeit erhöht Risiko für späte Demenz
Zu den Faktoren, die sich sehr wohl beeinflussen lassen, gehört die soziale Isolation. Soziale Kontakte fordern unser Gehirn: zuhören, antworten, sich erinnern, planen, reagieren, Gefühle einordnen, Rollen definieren. Wenn all das über lange Zeit fehlt, kann das negative Effekte auf die Gehirngesundheit haben.
So zeigte eine umfangreiche Metaanalyse großer Studien mit Daten von mehr als 600.000 Menschen, dass das Risiko für eine spätere Demenz bei Menschen, die sich einsam fühlen, um 30 Prozent steigt.
Laut der Lancet-Kommission, einer internationalen Grupp von Wissenschaftlern, die regelmäßig zu politisch relevanten Forschungsthemen Stellung nimmt, ist Einsamkeit einer von 14 beeinflussbaren Risikofaktoren.
Würde man diese Risikofaktoren, zu denen auch Bewegungsmangel, Hörverlust und das Rauchen gehören, angehen, könnten laut Kommission 45 Prozent der weltweiten Demenzfälle verzögert oder verhindert werden.
Gut zu wissen: So viele Demenzfälle könnten in Deutschland verhindert werden
Berechnungen zufolge könnten im Jahr 2033 in Deutschland fast 140.000 Fälle von Demenz verhindert werden. Das wären 36 Prozent. Die Zahl ist etwas geringer als weltweit, da in Deutschland schon einige modifizierbare Risikofaktoren bekämpft werden.
Wie Depression, soziale Isolation und Demenz zusammenhängen
Soziale Isolation ist mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden. Die Lancet-Kommission verwendet diesen Begriff, da er einen tatsächlichen Mangel an Kontakten bezeichnet, während „Einsamkeit“ das subjektive Gefühl beschreibt, dass die eigenen Beziehungen nicht ausreichend oder erfüllend sind.
Soziale Aktivitäten fordern das Gehirn auf vielfältige Weise und können dazu beitragen, die kognitive Leistung zu stärken. Regelmäßige soziale Kontakte werden laut aktuellem Forschungsstand mit einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung gebracht.
Zusammen mit einem weiteren der 14 beeinflussbaren Risikofaktoren, der Depression, ergibt sich ein komplexes Gefüge aus Ursache und Wirkung:
Depressionen gelten als Risikofaktor für Demenz, denn depressive Menschen ziehen sich häufig sozial zurück. Zudem bewegen sie sich oft weniger und achten weniger auf ihre Gesundheit, womit weitere vermeidbare Risiken ins Spiel kommen.
Die frühzeitige Behandlung einer Depression kann also gleich auf mehrfache Weise dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken.
Manchmal ist aber die Einsamkeit nicht die Ursache, sondern eine Folge der Demenz: Wer Gesprächen schlechter folgen kann, Termine vergisst, Namen verwechselt, sich in Gruppen überfordert fühlt oder sich für Fehler schämt, zieht sich häufig zurück.
Einsamkeit folgt oft aus veränderten Lebensumständen
Die Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) weist in einer aktuellen Veröffentlichung zum Welt-Alzheimertag am 21. September darauf hin, dass Einsamkeit nicht automatisch zu Alzheimer oder einer anderen Demenz führt. Sie kann aber die Gehirngesundheit belasten und sollte ernst genommen werden.
„Soziale Kontakte fordern unser Gehirn: Wir hören zu, reagieren, erinnern uns, planen und tauschen uns aus. Wenn Menschen sich dauerhaft einsam fühlen oder sich zurückziehen, fehlen diese Anregungen“, erklärt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI.
Einsamkeit entsteht häufig aus Veränderungen der Lebensumstände wie beispielsweise der Auszug der Kinder, der Eintritt in den Ruhestand, eine Erkrankung, ein Umzug, eine Trennung oder der Tod eines nahestehenden Menschen.
Der Aufbau neuer Kontakte fällt dann oft schwer: Viele Menschen haben das Gefühl, andere seien bereits gut eingebunden und hätten keinen Bedarf an neuen Begegnungen.
Die AFI rät ganz klar zu einem aktiven Aufeinanderzugehen: Auch andere Menschen durchliefen Übergänge, erlebten Verluste oder begännen neue Lebensphasen. Wer den ersten Schritt mache, erlebe deshalb oft mehr Offenheit als erwartet.
Doch es müssten nicht immer neue Kontakte sein: Ein erster Schritt aus der Einsamkeit könne darin bestehen, Kontakte mit früheren Bekannten, Freunden oder Arbeitskollegen aufzufrischen.
Auch die Nachbarschaft könne wichtig sein: Ein kurzes Gespräch im Hausflur, Unterstützung beim Einkauf oder ein gemeinsamer Spaziergang ließen mitunter schnell Nähe entstehen.
Oftmals würden auch gemeinsame Interessen soziale Kontakte ermöglichen: Hier böten Sportgruppen, Chöre, Vereine, Kirchengemeinden, Seniorentreffs, Volkshochschulkurse oder auch Ehrenämter gute Gelegenheiten, zusammenzukommen.
Menschen mit eingeschränkter Mobilität rät die AFI, über digitale Angebote wie soziale Medien, Nachbarschaftsplattformen oder Online-Gruppen Menschen mit ähnlichen Interessen zu finden.
„Neue Kontakte entstehen selten auf Knopfdruck. Deshalb sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht sofort klappt. Entscheidend ist, dranzubleiben und Angebote zu suchen, die zur eigenen Lebenssituation passen“, so Pfitzer-Bilsing.
Wenn Angehörige Einsamkeit bemerken
Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt auf seiner Internetseite „Wegweiser Demenz“ Tipps für Angehörige von Senioren, die sich mehr und mehr zurückziehen.
In diesem Fall sei es immer wichtig, das Seh- und Hörvermögen überprüfen zu lassen und entsprechend für eine passende Brille oder Hörgeräte zu sorgen. Denn Beeinträchtigungen beim Sehen und Hören seien häufige Gründe für eine zurückgehende Teilhabe im Alter.
Bei Menschen mit beginnender oder bestehender Demenz müsse das Umfeld zudem die Teilhabe erleichtern: Es reiche nicht, jemanden einzuladen. Oft brauche es Abholung, Begleitung, Orientierung, ruhige Orte, vertraute Abläufe und Menschen. Quellen:
https://www.presseportal.de/pm/7969/6352227
https://www.alzheimer-forschung.de/fileadmin/user_upload/Presse-Downloads/AFI_Factsheet_vorbeugen.pdf
https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/selbsthilfe/blog/einsamkeit-und-demenz-286262