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Cybermobbing unter Schülern nimmt weiter zu

Das Bündnis gegen Cybermobbing hat im Oktober seine neue Studie „Cyberlife VI – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern“ vorgestellt und die Ergebnisse mit Vorgängerstudien verglichen. Die Datengrundlage bilden bundesweite Onlinebefragungen von 716 Lehrern, 1.113 Eltern und 4.525 Schülern zu Mobbing und Cybermobbing.
Die Antworten zeigen einen anhaltenden Anstieg von digitalen Angriffen, mit immer schwereren Folgen für die Gesundheit der Betroffenen.
Gut zu wissen: Bündnis gegen Cybermobbing
Das 2011 gegründete Bündnis gegen Cybermobbing vereint Eltern, Pädagogen, Ärzte, Juristen und Forschende.
Neben der Aufklärung über Gewalt im Netz fördert das Bündnis die Medienkompetenz an Schulen, entwickelt Präventionskonzepte und unterstützt Vereine und Unternehmen bei Prävention und Intervention.
Jeder fünfte Schüler wird online gemobbt
Laut der neuen Cyberlife-Studie wurden in diesem Jahr bundesweit 20,7 Prozent der Sieben- bis 20-Jährigen (hochgerechnet 2,4 Millionen in Deutschland) digital gemobbt. Vor zwei Jahren hatte der Anteil noch bei 18,5 Prozent, vor zehn Jahren bei 12,7 Prozent gelegen.
Die digitalen Übergriffe waren laut Angaben der Befragten eng mit dem schulischen Umfeld verbunden: 90 Prozent der Betroffenen erlebten Mobbing durch bekannte Personen.
Wie in den Vorjahren berichteten viele Befragte von physischen und psychischen Folgen des Cybermobbings. Genannt wurden unter anderem Kopf- und Magenschmerzen, Angst- und Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und Depressionen.
Besonders deutlich ist der Zusammenhang zwischen Cybermobbing und selbstschädigendem Verhalten und Suizidgedanken gestiegen:
17 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen (hochgerechnet rund 400.000) gaben an, aus Verzweiflung bereits zu Alkohol, Tabletten oder Drogen gegriffen zu haben. 2024 war der Anteil mit 13 Prozent noch deutlich geringer.
Noch gravierender ist der Anteil der Betroffenen mit Suizidgedanken: Jeder Vierte (hochgerechnet fast 600.000) berichtete, bereits über Selbstmord nachgedacht zu haben.
Bündnis gegen Cybermobbing fordert mehr Prävention
Nach Einschätzung des Aktionsbündnisses ist mehr Prävention notwendig. Die Studienergebnisse zeigten, dass Schulen, die präventiv tätig seien, weniger Cybermobbingfälle verzeichneten.
Kinder sollten frühzeitig einen „sozialen Umgang im Internet“ lernen. Gleichzeitig müsse man die Fortbildung von Lehrkräften verbessern, wobei externe Experten die Schulen unterstützen sollten. Zudem benötigten Eltern mehr Informationen und Unterstützung beim Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien.
Zwar hätten sich einzelne schulische Angebote seit 2024 verbessert, doch insgesamt reiche das Angebot nicht aus, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.
Eltern und Lehrer sind für Einschränkung der Mediennutzung
In der Umfrage, die der Cyberlife-Studie zugrunde liegt, wurde auch nach möglichen Einschränkungen des Social-Media-Konsums gefragt – mit eindeutigem Ergebnis:
76 Prozent der Eltern und 81 Prozent der Lehrer befürworteten eine Altersgrenze für soziale Medien und nannten mehrheitlich ein Alter von 16 Jahren. Zudem sprachen sich fast drei Viertel der Lehrkräfte für ein Smartphone-Verbot an ihrer Schule aus.
Das Bündnis gegen Cybermobbing stuft die Forderungen jedoch eher als Ausdruck der Belastung beziehungsweise als Hilferuf ein. Ein Verbot gelte vielen als letzter Schritt, wenn sich Cybermobbing und andere negative Folgen des Konsums nicht mehr kontrollieren ließen.
Mögliche Maßnahmen gegen Cybermobbing
Als Antwort auf die wachsende Belastung durch digitale Übergriffe bringt das Bündnis gegen Cybermobbing verschiedene Vorschläge ins Spiel:
- Die Einführung „verdeckter Klarnamen“ könne helfen, Täter schneller zu identifizieren, und abschreckend wirken.
- Flächendeckende Mobbingberatungsstellen und anonyme Hotlines sollten eingerichtet werden.
- Ein eigenes Cybermobbinggesetz, wie es in Österreich seit 2016 bestehe, könnte auch in Deutschland die Prävention und Ahnung verbessern.
Laut Bündnis gegen Cybermobbing müsse die gesellschaftliche Debatte jetzt schnell Antworten auf die Frage finden, wie sich Kinder und Jugendliche besser schützen lassen. Schließlich zeichne sich mit der künstlichen Intelligenz bereits die nächste Herausforderung ab. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/cybermobbing-jeder-vierte-betroffene-junge-mensch-berichtet-von-suizidgedanken-24a03501-caf9-4c68-b002-6695d9054e7d
- https://buendnis-gegen-cybermobbing.de