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Erster Fall von Sindbis-Fieber in Deutschland

Nahaufnahme einer Stechmücke auf grünem Blatt
Menschen werden eigentlich nur als Fehlwirt mit dem Sindbis-Virus infiziert. | Bild: achkin / AdobeStock

Im September 2026 wurde bei einem 60-jährigen Mann aus Baden-Württemberg eine Infektion mit dem Sindbis-Virus (SINV) labordiagnostisch bestätigt. Er war Mitte Juli – als erste Person überhaupt in Deutschland – erkrankt und hatte über Fiebergefühl, Hautausschlag und Gelenkschmerzen geklagt.  

Weil der Mann in einem Stadtbezirk mit etablierten Populationen der Asiatischen Tigermücke lebt, wurde er zunächst auf eine Chikungunya-Infektion hin untersucht; es konnten jedoch keine Antikörper festgestellt werden. Solche wurden jedoch für das Sindbis-Virus nachgewiesen.  

Da der Patient im betreffenden Zeitraum nicht außerhalb Baden-Württembergs gereist war und das Virus nicht auf eine andere plausible Weise importiert worden war, wurde die Infektion als autochthon eingestuft. Eine weiterführende molekular biologische Abklärung ist geplant.  

Zur Erinnerung: Was bedeutet autochthon?

Autochthon bedeutet, dass die Virusinfektionen lokal erworben wurden und die Betroffenen sich nicht, wie für diese Erkrankung eigentlich typisch, auf Reisen in anderen Ländern angesteckt haben. /mg

Was ist das Sindbis-Virus?

Das SINV gehört zur Gattung Alphavirus innerhalb der Familie Togaviridae. Es handelt sich um ein einzelsträngiges RNA-Virus, dessen Übertragungszyklus von Stechmücken und Vögeln geprägt ist:  

Vögelbefallende Stechmücken dienen als Reservoir, sind also ständig infiziert, während verschiedene Vogelarten als Amplifikationswirte das Virus vervielfältigen und auf weitere Stechmücken übertragen.  

Aufgrund seines Übertragungsweges wird das SINV der Gruppe der Arboviren zugerechnet – also der Viren, die durch Gliederfüßer wie Moskitos, Sandfliegen und Zecken verbreitet werden.  

Menschen infizieren sich nur selten mit SINV

Der Mensch wird als Fehlwirt infiziert und überträgt SINV aufgrund der geringen und nur vorübergehenden Ansammlung von Viren im Blut normalerweise nicht weiter, wenn er erneut von einer Mücke gestochen wird.

Humane SINV-Infektionen verlaufen häufig asymptomatisch oder mit milden Symptomen. Bei klinisch manifesten Infektionen treten, ähnlich wie beim Chikungunyafieber, typischerweise Fieber, Hautausschläge sowie Gelenkschmerzen oder -entzündungen auf. Hospitalisierungen sind selten.  

In Europa wurden humane SINV-Infektionen insbesondere im Norden des Kontinents beschrieben. Das Krankheitsbild wird dort unter anderem als Ockelbo-Krankheit (Schweden), Pogosta-Krankheit (Finnland) oder Karelisches Fieber (Russland) bezeichnet.

SINV in Deutschland erstmals 2009 nachgewiesen

Der erste Nachweis von SINV in Deutschland erfolgte 2009 in mehreren Stechmückenarten, wobei die untersuchten Virusstämme mit den bereits bekannten europäischen SINV-Stämmen verwandt waren.

Unter 3.389 gesunden Blutspendern aus Deutschland hatten von Januar 2010 bis Februar 2011 vier Personen (0,1 Prozent) SINV-spezifische Antikörper. Alle vier stammten aus der Umgebung von Weinheim in Baden-Württemberg, wo das Virus zuvor in Stechmücken nachgewiesen worden war.

Eine nachfolgende deutschlandweite Untersuchung in den Jahren 2011 bis 2016 identifizierte mehrere SINV-positive Mückenpools in Deutschland, und auch in Vögeln wurde eine lokale Viruszirkulation nachgewiesen.

RKI fordert erweiterte Diagnostik

Nach Meinung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt der aktuelle Krankheitsfall, dass bei bekanntem Vorkommen in Stechmücken und Wildvögeln ebenfalls mit humanen Fällen zu rechnen sei, und unterstreicht die Notwendigkeit einer erweiterten virologischen Diagnostik.

Das RKI empfiehlt Ärzten, bei Patienten mit Fieber, Exanthem und ausgeprägten Arthralgien (Gelenkschmerzen) während der Stechmückensaison auch ohne relevante Reiseanamnese eine Arbovirus-Infektion (Dengue-, Chikungunya- und Sindbis-Fieber) differenzialdiagnostisch in Erwägung zu ziehen. Quelle: RKI