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CED: Diagnose dauert bei Frauen länger

Frau sitzt vor einem Arzt und hält beide Hände an den schmerzenden Bauch
Frauen fühlen sich von Ärzten häufiger nicht ernst genommen als Männer. | Bild: Kanjana / AdobeStock

Schon frühere Untersuchungen haben darauf hingedeutet, dass Frauen eine CED-Diagnose (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) später erhalten als Männer. Hierbei zeigten sich meist Geschlechterunterschiede bei der Dauer bis zum ersten Gang zum Arzt.  

Eine neue Studie hat nun erstmals analysiert, welche Schritte im eigentlichen Diagnoseprozess zu der Zeitdifferenz beitragen – einer Differenz, die das Risiko von Frauen für Komplikationen und frühere operative Eingriffe erhöht.

Dazu wertete eine Forschungsgruppe um Josephine Conrad von der Medizinischen Hochschule Hannover Daten von 1.185 Erwachsenen mit bestätigter CED aus, darunter 768 Frauen. Die Daten stammten aus einer webbasierten Befragung der Patienten unter Beteiligung von 42 deutschen Behandlungszentren.

Neue Studie zeigt Verzögerungen in der CED-Diagnose bei Frauen

Die aktuelle Analyse zeigt, dass nicht nur bis zum ersten Hilfegesuch, sondern auch im weiteren Versorgungsprozess bei Frauen mehr Zeit vergeht als bei Männern:

Der Zeitraum vom Beginn der Symptome bis zur Diagnosestellung betrug bei Frauen durchschnittlich 0,74 Jahre, bei Männern 0,42 Jahre. Das entspricht einem Unterschied von knapp vier Monaten.

Nur ein kleiner Teil dieser Differenz entstand, bevor medizinische Hilfe gesucht wurde: Frauen warteten nach Symptombeginn im Durchschnitt 0,25 Jahre bis zum aktiven Hilfegesuch, Männer 0,17 Jahre – ein Unterschied von knapp einem Monat.  

Drei Viertel der Verzögerung entstanden somit im Versorgungssystem: Männer wurden früher überwiesen und erhielten schneller einen Termin in einer Fachpraxis. Dort angekommen, war zudem die Zeit bis zur Diagnosestellung kürzer.

Frauen bewerten die CED-Behandlung schlechter als Männer

Auch bei der Wahrnehmung der medizinischen Versorgung gab es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie die Befragung der Studienteilnehmer zeigte:  

31,3 Prozent der Frauen fühlte sich in der hausärztlichen Praxis nicht ernst genommen. Bei den Männern waren es nur 19 Prozent.  

Zudem gaben 16,8 Prozent der Frauen an, dass das Geschlecht der behandelnden Person ihrer Ansicht nach Einfluss auf Behandlung und Überweisung habe. Männer waren nur zu 7,3 Prozent dieser Meinung.  

In der Folge erwarteten 15,6 Prozent der Frauen und nur und 4,8 Prozent der Männer einen positiven Effekt durch die Behandlung bei einer Ärztin statt eines Arztes.  

Die Fachpraxis wechselten Frauen und Männer ähnlich häufig. Patientinnen nannten jedoch (51,6 versus 39,8 Prozent) deutlich häufiger Unzufriedenheit als Grund.

Forscher sehen geschlechtsspezifische Unterschiede bei der CED-Diagnose

Die an der Studie beteiligten Mediziner weisen darauf hin, dass eine Querschnittsstudie, die zudem auf Angaben der Betroffenen beruhe, die Gründe für die Verzögerungen bei der CED-Diagnose nicht mit letzter Sicherheit identifizieren könne.  

Ihrer Ansicht nach sprechen die Ergebnisse jedoch für geschlechtsspezifische Unterschiede im Diagnose- und Versorgungsprozess bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

„Diese Befunde legen nahe, dass geschlechtsspezifische Aspekte in der CED-Versorgung stärker berücksichtigt und bestehende Versorgungsstrukturen weiter reflektiert werden sollten“, erklärten sie bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse auf dem Kongress „Viszeralmedizin 2026“ im September. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/diagnose-einer-chronisch-entzundlichen-darmerkrankung-frauen-warten-langer-als-manner-7c54f7fa-3225-4f61-9dfe-efffc34dfe64
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0046-1826500