Tollwut-Impfung

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Erkrankt ein Mensch an Tollwut (Rabies), ist er praktisch todgeweiht. Weltweit kommt dies mindestens 55.000-mal pro Jahr vor. Den sichersten Schutz vor der tödlichen Virus-Infektion bietet die Impfung. Diese ist innerhalb Deutschlands nur für ganz wenige Personengruppen erforderlich. Bei zahlreichen Urlaubszielen ist sie jedoch für Reisende empfehlenswert.

Tödliche Krankheit

In Deutschland trat der letzte menschliche Tollwutfall im Jahr 2007 auf. Es handelte sich um einen 55-jährigen Mann, der einige Wochen zuvor während einer Marokko-Reise von einem streunenden Hund in die Hand gebissen worden war. Trotz intensivmedizinischer Maßnahmen verstarb der Mann.

Gefährliche Tierbisse

Der Fall macht deutlich, auf welchem Weg das Tollwut-Virus (Rabies-Virus) in der Regel übertragen wird: durch den Biss eines infizierten Tieres. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel drei bis acht Wochen, in Einzelfällen bis zu mehrere Jahre. Nach zunächst unspezifischen Beschwerden treten gesteigerte Reizbarkeit und ausgeprägte Abneigung gegen Wasser auf. Im Verlauf weniger Tage kommt es zu Krämpfen, Schluckstörungen und schließlich zu tödlicher Atemlähmung oder Lähmung der Herzmuskulatur.

Risiko in Asien, Afrika, Lateinamerika

Streunende Haustiere wie Hunde oder Katzen stellen in Tollwut-Risikogebieten die größte Gefahr dar. Aber auch wildlebende Säugetiere können das Virus übertragen. Dabei muss nicht unbedingt ein gravierender Biss stattfinden. Schon wenn ein Tollwut-infiziertes Tier über aufgeschürfte Haut leckt, besteht Infektionsgefahr durch den infektiösen Speichel. Das Tollwut-Risiko ist besonders hoch in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Virusreservoir bei Fledermäusen

In vielen Ländern Europas ist die klassische Tollwut ausgerottet, in Deutschland seit 2008. Dazu trug vor allem die orale Immunisierung von Füchsen mittels Ködern bei. Füchse galten hierzulande als Hauptüberträger des Virus. Zahlreiche Fledermausarten beherbergen jedoch nach wie vor Tollwut-Viren. Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Fledermäusen zu tun haben, sollten deshalb gegen Tollwut geimpft sein. Wer eine Fledermaus findet, sollte sie nur mit dicken Handschuhen anfassen.

Aktive und passive Immunisierung

Für die Tollwut-Impfprophylaxe stehen in Deutschland zwei Impfstoffe mit inaktivierten Tollwut-Viren für die aktive Immunisierung zur Verfügung: Rabipur® und Tollwut-Impfstoff (HDC) inaktiviert. Für Reisende ist die Immunprophylaxe angezeigt, wenn in Tollwut-Risikogebieten Tierkontakte möglich sind, zum Beispiel bei einer Trekking-Tour.
Wenn es bei einer Person bereits zu einem eventuellen Kontakt mit Tollwut-Viren gekommen ist, erfordert dies eine schnellstmögliche postexpositionelle Immunprophylaxe. Sie besteht zum einen aus der aktiven Immunisierung und zum anderen aus der meist zusätzlichen Gabe von Tollwut-Immunglobulin (z.B. Berirab®).

STIKO-Impfempfehlungen

Indikationsimpfempfehlung:

  • Personen mit engem Kontakt zu Fledermäusen
  • Tierärzte, Jäger, Forstpersonal etc. nur in Gebieten mit neu aufgetretener Wildtiertollwut
  • Laborpersonal mit Expositionsrisiko gegenüber Tollwut-Viren
  • Reisende in Regionen mit hoher Tollwut-Gefährdung (z.B. durch streunende Hunde)

Impfschema und Impfstoffe

  • Tollwut-Impfstoffe enthalten inaktivierte Tollwut-Viren (z.B. Rabipur®, Tollwut-Impfstoff (HDC) inaktiviert).
  • Bei der Impfprophylaxe werden zur Grundimmunisierung drei Impfstoffdosen an den Tagen 0-7-21 (od. 28) verabreicht.
  • Nach Erregerkontakt (postexpositionell) wird eine Impfstoffgabe sofort – zeitgleich mit Immunglobulin – verabreicht, weitere Impfstoffdosen an den Tagen 3-7-14-28.
  • Auffrischimpfungen sind bei weiter bestehendem Risiko ca. alle 2 bis 5 Jahre erforderlich.
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de