Häufige Interaktionen
Interaktionsmeldungen treten im Apothekenalltag sehr häufig auf. Dabei geht es sowohl um Interaktionen zwischen verschiedenen Wirkstoffen als auch um Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und Nahrungsmitteln, bzw. der Nahrungsaufnahme allgemein.
Nicht jede Interaktionsmeldung erfordert auch tatsächlich eine Gegenmaßnahme, manchmal sind Wechselwirkungen sogar erwünscht. In dieser Serie greifen wir die relevantesten Interaktionen auf, erklären die Hintergründe und geben Ihnen wichtige Informationen für das Beratungsgespräch an die Hand.
Titelbild: Schelbert / PTAheute
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Amitriptylin, Paro­xetin & Ivabradin: Gefährliches Triple fürs Herz

Frau fasst sich an die Brust und sitzt vor einem Arzt
Die Einnahme von Amitriptylin, Paroxetin und Ivabradin kann zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. | Bild: sebra / AdobeStock

Eine 34-jährige Frau aus Großbritannien starb plötzlich an schweren Herzrhythmusstörungen. Sie litt unter einer Sinustachykardie (Herzrhythmusstörung; Herzfrequenz über 100 Schläge/Minute in Ruhe) und einem Linksschenkelblock (Störung des Erregungsleitungssystems des Herzens). Dafür erhielt sie Ivabradin, ein Medikament, das den Puls senkt. Schon seit mehreren Jahren nahm die Patientin die beiden Antidepressiva Amitriptylin und Paroxetin ein. 

Obwohl diese Kombination lange gut vertragen wurde, kam es 2023 zum plötzlichen Herztod. Der Gerichtsmediziner vermutet nun eine tödliche Wechselwirkung – zusätzlich begünstigt durch eine Schlafapnoe.

Das Problem: In den meisten Interaktionsdatenbanken werden Risiken nur zwischen zwei Medikamenten angezeigt. Komplexe Kombinationen aus drei oder mehr Präparaten bleiben häufig unerkannt.

Amitriptylin, Paroxetin und Ivabradin: Wirkungen verstärken sich

Paroxetin hemmt ein wichtiges Leberenzym (CYP2D6), das normalerweise Amitriptylin abbaut. Dadurch steigt der Blutspiegel von Amitriptylin an. 

Gleichzeitig können Amitriptylin und Paroxetin die QT-Zeit verlängern, während Ivabradin den Herzschlag verlangsamt. Diese Faktoren verstärken einander und führen zu einer gefährlichen Konstellation, die das Herz aus dem Rhythmus bringen kann.

Besonders gefürchtet sind die sogenannten Torsade-de-Pointes-Arrhythmien (gefährliche Herzrhythmusstörung), die in Kammerflimmern übergehen und zum plötzlichen Herztod führen können.

Gut zu wissen: Was ist die QT-Zeit?

  • QT-Zeit: Abschnitt im Elektrokardiogramm (EKG), der zeigt, wie lange die Herzkammern für Anspannung und Erholung brauchen.
  • Gefahr: Verlängert sich die QT-Zeit, kann das Herz „aus dem Takt geraten“. Im schlimmsten Fall drohen Rhythmusstörungen oder plötzlicher Herztod.
  • Ursachen: Medikamente, Herzkrankheiten, Elektrolytstörungen, Schlafapnoe oder angeborene Veränderungen
  • Risikofaktoren: Kombination mehrerer QT-verlängernder Medikamente, langsamer Puls, weibliches Geschlecht, hohe Blutspiegel
  • Wichtig in der Apotheke: Bei Symptomen wie Schwindel, Ohnmacht oder Herzstolpern sofort Arztkontakt empfehlen.

Wichtig ist außerdem, dass nicht nur Medikamente eine Rolle spielen: Auch Begleiterkrankungen wie Schlafapnoe, Elektrolytstörungen oder strukturelle Herzerkrankungen können das Risiko zusätzlich erhöhen.

Zur Erinnerung: Was ist Schlafapnoe?

  • Schlafapnoe bedeutet Atemaussetzer im Schlaf. 
  • Besonders häufig ist die obstruktive Schlafapnoe, bei der die Atemwege während des Schlafs zusammenfallen. 
  • Typische Symptome sind lautes Schnarchen, Atempausen und Tagesmüdigkeit.

Warum ist das relevant fürs Herz?

  • Atemaussetzer belasten Herz und Kreislauf.
  • Sauerstoffschwankungen und Stressreaktionen können die elektrische Aktivität des Herzens stören.
  • Studien zeigen, dass Schlafapnoe zu einer QT-Zeit-Verlängerung beitragen kann.

Worauf PTA in der Beratung achten sollten

Für die Beratung in der Apotheke ist entscheidend, die gesamte Medikation eines Patienten im Blick zu behalten und nicht nur einzelne Wechselwirkungen isoliert zu betrachten. Besonders wichtig ist es, mögliche Risikofaktoren wie bestehende Herzkrankheiten, Schlafapnoe oder Störungen im Elektrolythaushalt zu erfragen. 

Auch unspezifische Beschwerden wie Schwindel, Herzstolpern oder Ohnmacht können wertvolle Hinweise auf eine gefährliche Wechselwirkung sein und sollten ernst genommen werden. 

Werden mehrere risikobehaftete Medikamente kombiniert, ist es sinnvoll, den Arztkontakt anzuregen und auf eine engmaschige Kontrolle hinzuweisen. So können PTA einen wichtigen Beitrag leisten, um potenziell lebensbedrohliche Situationen frühzeitig zu erkennen und im besten Fall zu verhindern. Quellen:
- https://flexikon.doccheck.com/de/Torsade-de-Pointes-Tachykardie
- https://flexikon.doccheck.com/de/Schlafapnoe
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2025/03/21/amitriptylin-paroxetin-ivabradin-toedliche-kombi
 

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