In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
NSAR und PPI: Wann ein Magenschutz wichtig ist

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen gehören zu den Klassikern in jeder Hausapotheke. Sie werden häufig eingesetzt, um Kopfschmerzen, Regelschmerzen, Zahn- oder Gelenkbeschwerden zu lindern.
Gerade weil sie so vertraut wirken und in jeder Apotheke frei erhältlich sind, neigen viele Menschen dazu, die Risiken zu unterschätzen. Dabei gilt: Je höher die Dosis und je länger die Einnahme, desto größer ist die Belastung für den Magen.
Warum Schmerzmittel den Magen belasten
NSAR hemmen die Cyclooxygenase (COX), ein Enzym, das an der Bildung von Prostaglandinen beteiligt ist. Diese Botenstoffe fördern Entzündungen und Schmerzen, schützen aber gleichzeitig den Magen. Sie regen die Schleimproduktion an und verbessern die Durchblutung der Magenwand.
Wird ihre Bildung blockiert, verliert die Magenschleimhaut diesen Schutz. Die Folge: ein höheres Risiko für Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre (Ulzera) und Blutungen. Das gilt besonders bei längerer oder hoch dosierter Einnahme von NSAR.
NSAR und Protonenpumpeninhibitoren in der Selbstmedikation
NSAR sollten ohne ärztliche Rücksprache höchstens 3 bis 4 Tage hintereinander eingenommen werden. Treten Beschwerden länger auf, ist ein Arztbesuch notwendig. Grundsätzlich ist bei einer kurzfristigen Einnahme von NSAR ein Magenschutz nicht erforderlich.
Je nach individueller Situation kann er aber auch schon in der Selbstmedikation sinnvoll sein – etwa bei empfindlichem Magen, bei älteren Patienten, bei gleichzeitiger Einnahme von Cortison-Präparaten sowie bei Rauchern oder regelmäßigem Alkoholkonsum.
In diesen Fällen reagiert die Magenschleimhaut besonders empfindlich. Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol sind in niedriger Dosierung rezeptfrei erhältlich, dürfen jedoch nur gegen Sodbrennen oder saures Aufstoßen eingesetzt werden und maximal 14 Tage in Eigenregie. Ob ihr Einsatz tatsächlich notwendig ist, sollte immer Teil einer individuellen Beratung in der Apotheke sein.
PPI: Ärztliche Verordnung bei NSAR-Dauermedikation
Wird ein NSAR dauerhaft verordnet – etwa bei rheumatischen Erkrankungen oder chronischen Schmerzen – ist ein begleitender Magenschutz häufig notwendig. Doch die Gabe von PPI sollte nicht automatisch erfolgen. Die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) betonen: PPI sind vor allem bei Risikopatienten angezeigt.
Zu den Risikofaktoren zählen:
- Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre in der Vorgeschichte
- H.-pylori-Infektion
- Begleiterkrankungen wie Leberzirrhose, Niereninsuffizienz, Herz- oder Lungenerkrankungen
- Einnahme von Kortikosteroiden, Blutgerinnungshemmern oder ASS
- höheres Lebensalter
- Rauchen oder regelmäßiger Alkoholkonsum
Allein das Alter über 60 Jahre gilt nicht automatisch als Indikation – es kommt immer auf das individuelle Risikoprofil an.
In der Selbstmedikation stehen PPI in 20 mg zur Verfügung. Höhere Dosierungen (z. B. Omeprazol 40 mg oder Pantoprazol 40 mg) sind verschreibungspflichtig.
Gut zu wissen: Risiken des Magenschutzes
So hilfreich PPI sind, auch sie haben Grenzen. Bei längerfristiger Einnahme können sie die Aufnahme von Vitamin B12, Magnesium, Calcium und Vitamin D beeinträchtigen.
Das kann sich langfristig auf Knochenstabilität und Nervenfunktion auswirken. Außerdem verändert die herabgesetzte Magensäure die Verdauung, was zu Blähungen oder Durchfällen führen kann.
Wird ein PPI abgesetzt, kann es durch den sogenannten Rebound-Effekt zu einer verstärkten Säureproduktion kommen. Deshalb sollten Patienten die Medikamente nicht abrupt, sondern schrittweise (ausschleichend) absetzen.
NSAR und PPI: Praktische Bedeutung für die Beratung in der Apotheke
Für PTA bedeutet das: Genau hinsehen, wenn Kunden Schmerzmittel kaufen. Kurze Einnahme ohne Begleitbeschwerden ist meist unproblematisch.
Werden NSAR jedoch regelmäßig oder in höherer Dosierung eingesetzt, sollte das Gespräch auf einen möglichen Magenschutz gelenkt werden – unter Berücksichtigung der Risikofaktoren.
Auch die korrekte Einnahme – NSAR nach einer Mahlzeit, PPI nüchtern vor dem Frühstück – gehört in die Beratung. Damit tragen PTA entscheidend dazu bei, dass Patienten ihre Schmerzmittel wirksam und gleichzeitig sicher anwenden können.