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Erbrechen nach Medikamentengabe – was tun?

Kleines Mädchen sitzt auf Sofa und hält sich vor Übelkeit Hände vor Mund und Bauch
Ist der Zeitabstand zwischen Arzneimitteleinnahme und Erbrechen groß genug, wurde der Wirkstoff resorbiert. | Bild: New Africa / AdobeStock

Erbrechen nach der Einnahme oraler Arzneimittel ist bei Kindern häufig, aber meist harmlos. Dennoch stellen sich pharmazeutisch relevante Fragen. Jetzt kommt es auf eine kompetente Beratung an, um unnötiges Nachdosieren oder aber einen Therapieabbruch zu vermeiden. 

Ob ein Nachdosieren des Medikaments erforderlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Berücksichtigt werden müssen sowohl der Gesundheitszustand des Kindes, die galenische Form des Arzneimittels, die Zeitspanne zwischen Einnahme und Erbrechen sowie eine mögliche emetogene Wirkung des Arzneimittels.

Häufige Auslöser von Erbrechen nach Arzneimittelgabe

Erbrechen nach Medikamentengabe kann viele verschiedene Ursachen haben. Manchmal reizt der Wirkstoff selbst den Magen, das ist zum Beispiel bei Antibiotika, Eisen- oder Zinkpräparaten oder bei der Einnahme von Ibuprofen auf nüchternen Magen der Fall. Medikamente wie Opioide und Chemotherapeutika können dagegen zentral vermittelt Übelkeit auslösen. 

Wirkstoff/GruppeBeispielpräparateHauptindikationHäufigkeit/MechanismusHinweis/Bemerkung
β-Lactam-AntibiotikaAmoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, CefaclorAtemwegs-, HNO-, Harnwegsinfektehäufig; v. a. bei ClavulansäureEinnahme zu den Mahlzeiten
Makrolid-AntibiotikaClarithromycin, ErythromycinAtemwegsinfekte, Pertussishäufigbesonders bei Erythromycin
NSAR/AnalgetikaIbuprofenFieber, Schmerzengelegentlich bis häufignach dem Essen einnehmen
EisenpräparateFerro-sanol®, Maltofer®Eisenmangelanämiehäufig; lokale Schleimhautreizungmit Vitamin-C-haltigem Getränk einnehmen, nicht nüchtern
AntiepileptikaValproat, Carbamazepin, LevetiracetamEpilepsiehäufig; zentrale Wirkung, Magenreizunganfangs niedrig dosieren, langsame Dosissteigerung 
KortikosteroidePrednisolon, DexamethasonAsthma, Pseudokruppgelegentlich; Schleimhautreizung, zentrale Wirkungmorgens mit Nahrung einnehmen
TheophyllinBronchoretard®, Unifyl®Asthma bronchialehäufig; zentrale Wirkungenge therapeutische Breite
ZytostatikaMethotrexatjuvenile Arthritishäufig; zentrale Wirkungabends mit Nahrung einnehmen, Folsäuregabe reduziert Risiko
OpioideMorphin, TramadolSchmerzenhäufig; zentrale WirkungRetardpräparate mindern Risiko, mit Nahrung einnehmen

 

Zusätzlich spielen geschmackliche oder galenische Eigenschaften eine Rolle:  Ein unangenehmer Geschmack, eine zu viskose Suspension oder große Tabletten können ebenfalls Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Überdosierungen oder falsche Einnahmebedingungen, etwa ohne begleitende Nahrung, sind weitere mögliche Auslöser.

Nicht zu unterschätzen sind auch psychische Faktoren wie Angst oder Abneigung, besonders bei bitter schmeckenden Suspensionen. Begleiterkrankungen wie Infekte oder starker Husten können das Erbrechen zusätzlich begünstigen.

Nachdosieren bei Erbrechen nach Arzneimittelgabe – ja oder nein?

Ob eine erneute Gabe des Arzneimittels nach dem Erbrechen sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

Patientenbezogene Aspekte

  • Indikation: akute Situation oder Dauertherapie?
  • Ursache des Erbrechens (z. B. Magenreizung, unangenehmer Geschmack, Infekt)
  • Nutzen-Risiko-Abwägung bei zu niedriger oder doppelter Dosis

Arzneimittelbezogene Aspekte

  • Wie schnell tritt die Wirkung ein?
    Flüssigkeiten und Schmelztabletten werden in der Regel rascher resorbiert als feste Formen.
  • Wie lange hält die Wirkung an (Einmalgabe oder mehrfache tägliche Einnahme)?
  • Welche Folgen hätte ein Auslassen der Dosis?

Zeitintervall zwischen Einnahme und Erbrechen

  • Je länger der Abstand zwischen Einnahme und Erbrechen, desto wahrscheinlicher ist eine ausreichende Resorption.
  • Nur, wenn das intakte Medikament im Erbrochenen erkennbar ist, kann man sicher davon ausgehen, dass es wieder ausgeschieden wurde.
  • Bei kranken Kindern kann die Magenentleerung oder Darmtätigkeit verzögert sein, was die Aufnahme beeinflusst.

Diese Faktoren stehen oft in Wechselwirkung, daher sollten sie möglichst in ihrer Gesamtheit berücksichtigt werden. In der Praxis wird eher nachdosiert, wenn das Erbrechen innerhalb von 15 Minuten nach Einnahme auftritt, nach 60 Minuten in der Regel nicht mehr. Bei Unsicherheit sollte immer Rücksprache mit dem Kinderarzt genommen werden.

Beratungstipps für Eltern bei Erbrechen nach Arzneimittelgabe

Einige Arzneimittel können selbst Erbrechen als Nebenwirkung auslösen. Darauf sollten Eltern schon bei der Abgabe hingewiesen werden. Oft lässt sich das Risiko senken, wenn magenreizende Medikamente wie Amoxicillin/Clavulansäure oder Ibuprofen zu oder direkt nach einer Mahlzeit eingenommen werden.

Bei Kindern, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen und nach der Einnahme häufig erbrechen, kann der Kinderarzt, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen, ein Antiemetikum wie Ondansetron verordnen.

Gut zu wissen: Tipps zur besseren Arzneimittelverträglichkeit

  • Arzneimittel mit oder nach dem Essen geben, sofern das die Fachinformationen erlauben.
  • Präparat kühlen: Das verbessert den Geschmack und mindert unangenehme Geruchsreize.
  • Kleine Schlucke Flüssigkeit nach der Einnahme trinken lassen.
  • Eine ruhige Atmosphäre schaffen.
  • Kindgerechte Darreichungsform wählen, wie Saft, Tropfen oder Schmelztabletten.
  • Unangenehmen Geschmack maskieren: Mit Fruchtsaft mischen oder danach einen zuckerfreien Lutscher anbieten.
  • Höchstmögliche Wirkstoffkonzentration bevorzugen, um das Einnahmevolumen zu reduzieren.

Wann nach Erbrechen nach Arzneimittelgabe ärztliche Rücksprache notwendig ist

Einmaliges Erbrechen nach Arzneimittelgabe ist meist harmlos. In folgenden Fällen sollte jedoch ärztlicher Rat eingeholt werden:

  • bei wiederholtem Erbrechen oder Verdacht auf Unverträglichkeit
  • bei starkem, anhaltendendem Erbrechen: Dehydrierungsgefahr
  • nach Einnahme kritischer Medikamente wie Antibiotika oder Antiepileptika
  • bei Blut im Erbrochenen
  • bei Bewusstseinsveränderungen oder Atemproblemen: Verdacht auf Überdosierung
  • bei Säuglingen unter 6 Monaten, wenn sie wiederholt erbrechen und das Trinken verweigern

Wichtig ist, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eventuell mit Elektrolytlösungen, zur Vorbeugung einer Dehydrierung zu achten. Grundsätzlich gilt: Bei Unsicherheit immer den Kinderarzt kontaktieren. Quelle: https://doi.org/10.1111/apa.70121; aerztezeitung.de