Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

4 min merken gemerkt Artikel drucken

Was ist eigentlich Alexithymie?

zwei Männer im Gespräch
Menschen mit Alexithymie haben Schwierigkeiten, Gefühle anderer zu erkennen. | Bild: auremar / AdobeStock

Der deutsche Alternativname der Alexithymie – Gefühlsblindheit – sagt eigentlich schon alles: Wer von dieser psychiatrischen Störung betroffen ist, hat Schwierigkeiten, die eigenen Emotionen einzuschätzen und zu beschreiben.  

Dabei sind die Gefühle durchaus vorhanden, sie werden aber als rein körperliche Symptome interpretiert. Der Schweregrad der Alexithymie reicht von leichten Problemen beim Erkennen bestimmter Emotionen bis hin zu hochgradiger Gefühlsblindheit.  

Oft ist das innere Problem mit einem äußeren verknüpft: Wer die eigenen Gefühle nicht richtig wahrnehmen kann, hat meist auch Schwierigkeiten, sich in andere Menschen einzufühlen.  

Gut zu wissen: Woher kommt der Name Alexithymie?

Alexithymie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „ohne Worte für Gefühle“. 

Das Konzept und den Begriff prägten die beiden US-Psychiater John Case Nemiah und Peter Emanuel Sifneos im Jahr 1973.

Was sind die Ursachen von Alexithymie?

Gefühlsblindheit ist meist mit anderen psychischen und physischen Störungen verknüpft, vor allem mit Autismus, kann aber auch völlig selbstständig auftreten. Bei manchen Patienten ist sie angeboren, andere erwerben die Störung im Lauf des Lebens.  

Bei Letzteren scheinen psychische Traumata eine wichtige Rolle zu spielen. Die Gefühlsblindheit ist dann ein Schutzmechanismus gegen schwer zu verarbeitende Emotionen.  

Auch Vernachlässigung im Kindesalter wird als häufiger Auslöser diskutiert: Würden Kinder vernachlässigt, könne sich ihre Affektwahrnehmung und -verarbeitung nicht ausreichend entwickeln.

Davon zu unterscheiden ist die organische Alexithymie, die auf physischem Weg, durch Schädel-Hirn-Traumata oder andere erworbene Hirnschäden, entsteht.  

Oft lässt sich schwer beurteilen, ob die Alexithymie die Ursache, eine Folge oder ein Begleitsymptom einer anderen Störung ist und wie sich die Erkrankungen gegenseitig beeinflussen.  

Statistisch signifikante Komorbiditäten sind unter anderem:

Wie häufig ist Alexithymie?

Gefühlsblindheit ist in ihren verschieden starken Ausprägungen durchaus häufig: Experten schätzen die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung auf zehn bis 13 Prozent, wobei Männer etwas öfter betroffen sind als Frauen.  

Dabei gilt es, die zahlreichen Abstufungen zu betrachten: Niemand ist zu 100 Prozent alexithym – so wie niemand zu 100 Prozent empathisch ist.  

Was bedeutet Gefühlsblindheit im Alltag?

Betroffene haben Schwierigkeiten, Emotionen von rein physischen Symptomen zu unterscheiden, und vermuten beispielsweise hinter dem Schwitzen und Herzklopfen bei Angst oder Aufregung eine körperliche Erkrankung.  

Dass sie die Emotionen anderer nicht erkennen, lässt sie im Alltag oft unangemessen oder gar nicht reagieren, was vom Umfeld mitunter als Gefühlskälte oder Boshaftigkeit interpretiert wird.  

„Dieses Fremdheitsgefühl, das dann zwischenmenschlich entstehen kann, registrieren auch alexithyme Personen“, sagt Matthias Franz, Professor für psychosomatische Medizin und Psychotherapie von der Uni Düsseldorf. Für sie sei das ein diffuser Stressor, dessen Ursache sie nicht orten könnten.

Meist zeichnen sich gefühlsblinde Menschen durch einen rationalen, auf äußere Ereignisse fokussierten Denkstil aus. Eigene Wünsche oder Einstellungen spielen kaum eine Rolle. Gelegentlich wird zudem ein Mangel an Fantasie und das weitgehende Fehlen von Träumen beschrieben.  

Eine angeborene oder schon in der Kindheit entwickelte Alexithymie gilt als Risikofaktor für psychische Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.  

Lässt sich Gefühlsblindheit behandeln?

Psychotherapien schlagen bei Betroffenen schlechter an, weil erstens das Ausgangsniveau der Störung höher ist und zweitens die Gefühlsblindheit selbst die Therapie erschwert.  

Selbstverletzungen und Selbstmorde sind bei alexithymen Menschen häufiger als bei psychisch Kranken ohne zusätzliche Gefühlsblindheit.  

Entsteht die Alexithymie im Erwachsenenalter infolge psychischer oder physischer Erkrankungen, so kann sie mit Abklingen der Grunderkrankung wieder verschwinden.  

Allgemein werden Gruppentherapien als erfolgversprechend angesehen, in denen die Patienten Nähe- und Distanzerfahrungen machen können. Wenn sie hier ihre Fähigkeiten verbessern, kann das auch die medizinische Behandlung von assoziierten Erkrankungen fördern. Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexithymie
https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/alexithymie-darum-koennen-manche-menschen-mit-ihren-gefuehlen-nichts-anfangen/
https://flexikon.doccheck.com/de/Alexithymie