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Glycerin in Slush-Ice: Welches Risiko besteht für Kinder?

Kaum steigen die Temperaturen, gehören bunte Slush-Ice-Getränke für viele Kinder zum Sommer dazu. Dabei machen die leuchtenden Farben und die halbgefrorene Konsistenz die Getränke besonders attraktiv.
Nur die wenigsten wissen, dass genau diese typische Konsistenz auf den Lebensmittelzusatzstoff Glycerin zurückzuführen ist. Der Zusatzstoff trägt die Bezeichnung E 422 und verhindert, dass das Getränk vollständig gefriert. So bleibt die typische slushartige Konsistenz erhalten.
Zur Erinnerung: Was ist Glycerin?
Glycerin, auch als Glycerol oder Glyzerin bezeichnet, kommt häufig in pflanzlichen und tierischen Fetten vor und entsteht außerdem bei der alkoholischen Gärung von Zucker. Deshalb findet es sich beispielsweise auch in Wein in geringen Mengen.
In der Europäischen Union darf Glycerin in verschiedenen Lebensmitteln eingesetzt werden. Für aromatisierte Getränke gibt es bislang jedoch keine gesetzlich festgelegte Höchstmenge.
Hersteller dürfen den Zusatzstoff nach dem Prinzip „quantum satis“ verwenden – also nur in der Menge, die technologisch erforderlich ist.
Slush-Ice: Neue Risikobewertung zu Glycerin
Glycerin wird bereits seit vielen Jahren als Lebensmittelzusatzstoff verwendet. Aufmerksamkeit erhielt der Stoff jedoch erst durch Berichte über gesundheitliche Beschwerden bei Kindern nach dem Konsum von Slush-Ice.
Auslöser waren unter anderem Fälle aus Großbritannien und Schottland, bei denen Kinder nach dem Trinken von Slush-Ice ärztlich behandelt werden mussten. Die Beschwerden reichten von Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Schwindel und Benommenheit.
Daraufhin wurden auch in Deutschland Slush-Ice-Getränke untersucht. Die Ergebnisse zeigten eine große Spannweite der gemessenen Glycerin-Gehalte: Rund ein Drittel der analysierten Proben enthielt gar kein Glycerin, während andere Konzentrationen von mehr als 140 g/L aufwiesen. Für Verbraucher ist dieser Unterschied jedoch nicht feststellbar, da der tatsächliche Glycerin-Gehalt nicht angegeben werden muss.
Die vorliegenden Messdaten bewertete das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits im Jahr 2025. Im Frühjahr 2026 veröffentlichte auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre aktuelle Risikobewertung.
Welche Wirkung hat Glycerin im Körper?
In der Medizin wird Glycerin bereits seit vielen Jahren eingesetzt, beispielsweise zur Senkung eines erhöhten Hirndrucks und zur Behandlung von Hirnödemen. Grundlage dieser Anwendung ist die osmotische Wirkung des Stoffes: Glycerin bindet Wasser und kann dadurch den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.
Die gleiche osmotische Wirkung kann jedoch auch unerwünschte Beschwerden auslösen. Zu den möglichen Symptomen eines verminderten Hirndrucks zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel sowie Sehstörungen. Auch Doppelbilder oder Beeinträchtigungen des Hörvermögens wurden beschrieben.
Ob solche Symptome nach dem Verzehr eines Slush-Ice auftreten, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab – insbesondere vom Glycerin-Gehalt des Getränks, der getrunkenen Menge und dem Körpergewicht.
Zur Erinnerung: Glycerin-Zäpfchen bei Verstopfung
Neben anderen Anwendungsbereichen spielt Glycerin auch bei Obstipation in Form von Zäpfchen eine wichtige Rolle.
Der Wirkstoff bindet Wasser im Enddarm, wodurch der Stuhl weicher und die Darmentleerung erleichtert wird. /am
Kinder reagieren empfindlicher auf Glycerin in Slush-Ice
Vor allem jüngere Kinder nehmen bezogen auf ihr Körpergewicht deutlich mehr Glycerin auf als Erwachsene. Deshalb stehen sie im Mittelpunkt der aktuellen Bewertungen.
Nach Berechnungen des BfR kann ein etwa fünfjähriges Kind mit einem Körpergewicht von 20 kg bei einem durchschnittlichen Glycerin-Gehalt von rund 26 g/L bereits mit knapp 200 ml Slush-Ice eine Glycerin-Menge aufnehmen, die einer therapeutisch wirksamen Dosis entspricht.
Glycerin: EFSA empfiehlt, gesetzliche Höchstmengen festzulegen
Im März 2026 leitete die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA, European Food Safety Authority) erstmals eine akute Referenzdosis (ARfD) für Glycerin in Getränken ab. Sie beträgt 125 mg/kg Körpergewicht.
Diese Referenzdosis beschreibt die maximale Glycerin-Menge, die bei einer einmaligen Aufnahme nach heutigem Kenntnisstand kein gesundheitliches Risiko erwarten lässt. Auf Grundlage der im oberen Konzentrationsbereich gemessenen Glycerin-Gehalte in Slush-Ice berechnete die EFSA außerdem, welche Trinkmengen bereits ausreichen, um diese Referenzdosis zu erreichen.
Demnach würde ein Slush-Ice mit hohem Glycerin-Gehalt die Referenzdosis bei Kleinkindern bereits ab etwa 29 ml erreichen. Für Kinder läge dieser Wert bei rund 57 ml, für Jugendliche bei etwa 127 ml und für Erwachsene bei rund 179 ml.
Da der Glycerin-Gehalt in Slush-Ice je nach Produkt unterschiedlich ausfallen kann, können auch die Mengen variieren, die aufgenommen werden können, ohne die Referenzdosis zu überschreiten. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die EFSA der Europäischen Kommission zu prüfen, ob gesetzliche Höchstmengen für Glycerin in Getränken festgelegt werden sollten.
Glycerin in Slush-Ice: Was bedeutet das für die Apothekenberatung?
Gerade in den Sommermonaten können PTA vermehrt Fragen zu Slush-Ice oder Beschwerden nach dessen Verzehr begegnen.
Berichten Eltern, dass ihr Kind unter starker Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, ungewöhnlicher Müdigkeit oder Sehstörungen leidet, sollte in der Beratung auch nach einem kürzlichen Konsum von Slush Ice gefragt werden. Eltern können darauf hingewiesen werden, dass Slush-Ice neben anderen möglichen Ursachen als Auslöser der Beschwerden infrage kommen kann.
Bestehen nach dem Verzehr des gekühlten Getränks ausgeprägte Beschwerden oder verschlechtert sich der Zustand des Kindes, sollten PTA empfehlen, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen. Bis mögliche gesetzliche Höchstmengen für Glycerin eingeführt werden, zählt der Hinweis auf einen maßvollen Konsum, insbesondere bei jüngeren Kindern, zu den wichtigsten Beratungsempfehlungen. Quelle: https://www.bfr.bund.de/mitteilung/eiskalt-und-knallbunt-slush-ice-getraenke-mit-glycerin-koennen-unerwuenschte-gesundheitliche-folgen-haben/