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Was sind eigentlich Absencen?

„Es wurden bei mir temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen festgestellt, welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind. (…) Ich weiß, dass diese auf den ersten Blick scary wirken – für mich sind sie aber aktuell Teil meines Alltags.
Ich bin diesbezüglich in bester medizinischer Behandlung und sehr optimistisch. (…) Wichtig ist, es besteht kein darüber hinaus gehendes gesundheitliches Risiko.“
Mit diesen Worten erklärt der 23-jährige deutsch-britische Fußballprofi Jamal Musiala auf Instagram, warum er bei zwei Testspielen gegen Leipzig und Heidenheim am 15. beziehungsweise 18. August 2026 auf dem Spielfeld zu Boden sank.
Doch was sind Absencen genau? Wie häufig treten sie auf? Lassen sie sich verhindern? Und ist das gesundheitliche Risiko tatsächlich überschaubar?
Was ist eine Absence?
Eine Absence (französisch für „Abwesenheit“) ist eine kurzzeitige Bewusstseinsstörung, die als plötzlicher Anfall im Rahmen einer Epilepsie auftritt. Ist eine Epilepsie vor allem durch Absencen charakterisiert, so handelt es sich um eine Absence-Epilepsie.
Während einer typischen Absence, die zwischen fünf und 20 Sekunden dauert, reagieren Betroffene nicht oder kaum auf ihre Umgebung und auf Ansprache. Dabei kann es vorkommen, dass die Augen nach oben rollen.
Die typischen Symptome sind
- plötzliches Unterbrechen einer Tätigkeit
- Starren mit leerem Blick
- fehlende Reaktionsfähigkeit
Sobald eine typische Absence vorüber ist, kann eine betroffene Person ihre vorherige Tätigkeit schon nach kurzer Zeit wieder fortsetzen – in der Regel bleibt nur eine kurze Erinnerungslücke.
Daneben gibt es sogenannte atypische Absencen, die länger dauern und bei denen Beginn und Ende weniger abrupt sein können. Manche Patienten zeigen dabei automatische Bewegungen wie leichte Muskelzuckungen, vermehrtes Blinzeln, Kau- oder Fingerbewegungen.
Wer ist von Absencen betroffen?
Absencen beginnen meist bei Kindern zwischen vier und zehn Jahren und sind in diesem Fall häufiger bei Mädchen als bei Jungen zu beobachten.
Sie werden oft mit Tagträumen und Unaufmerksamkeit verwechselt und in vielen Fällen nicht als Symptom eines gesundheitlichen Problems erkannt. Kommen sie jedoch häufig vor – bis zu 100 Anfälle pro Tag sind dokumentiert –, so können sie das Lernen und die Konzentrationsfähigkeit in der Schule beeinträchtigen.
Absence-Epilepsien, die im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter beginnen, sind deutlich seltener, können aber in ungünstigen Fällen, zum Beispiel durch fehlende Therapie, bestehen bleiben oder sich zu einer anderen Epilepsieform weiterentwickeln.
Zudem treten hier häufig auch die für bekanntere Epilepsieformen typischen Krampfanfälle auf. Beide Geschlechter sind etwa gleich oft betroffen.
Welche Ursachen und Auslöser führen zu Absencen?
Absencen beruhen auf pathologisch synchronisierten Entladungen in bestimmten Gehirnregionen, die den Wachzustand kurzzeitig unterbrechen.
Die Ursachen für eine Absence-Epilepsie sind nicht abschließend geklärt, die Wissenschaft geht jedoch von einer großen Beteiligung genetischer Faktoren aus. Zu den weiteren möglichen Ursachen gehören
- Stoffwechselstörungen,
- Infektionen,
- vergangene Hirntraumata und
- Tumorerkrankungen.
Die folgenden Trigger können bei Menschen mit einer Absence-Epilepsie einen Anfall auslösen:
- emotionaler Stress
- körperliche Anstrengung
- Hitze
- Schlafmangel
- Hyperventilation
Wie werden Absencen behandelt?
Eine Absence-Epilepsie lässt sich mit Antiepileptika gut behandeln und die Häufigkeit der Anfälle deutlich reduzieren. Bei vielen Kindern enden die Absencen mit der Pubertät vollständig, während ältere Patienten eher zu Rückfällen neigen und oftmals eine längerfristige Therapie benötigen.
Zu den häufigsten Medikamenten gegen Absencen gehören
- Ethosuximid: erste Wahl bei Absence-Epilepsie im Kindesalter
- Valproinsäure: wirksam, jedoch mit möglichen Nebenwirkungen
- Lamotrigin: Alternative, wenn andere Medikamente nicht vertragen werden
Im Rahmen der Therapie wird die Dosis des jeweiligen Medikaments so lange gesteigert, bis der Patient anfallsfrei ist. Nach langen Intervallen ohne Absencen ist es sinnvoll, die Medikamente auf Probe wegzulassen.
Lebensstiländerungen wie regelmäßiger Schlaf, der Verzicht auf flackerndes Licht, zum Beispiel bei Videospielen, und die Reduzierung von Stress können die Therapie unterstützen. Quellen:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/absencen-die-neurologische-stoerung-hinter-blackouts-von-jamal-musiala-a-b5895791-efdb-4480-ae2a-3fa22bce978b
https://www.medizin-lexikon.de/Absence/
https://flexikon.doccheck.com/de/Absenceepilepsie
https://www.zdfheute.de/wissen/musiala-blackout-was-sind-absencen-100.html
Absencen auf einen Blick:
Krankheitsbild: anfallsartige Bewusstseinsstörungen im Rahmen einer Absence-Epilepsie
Symptome: plötzliches Unterbrechen einer Tätigkeit, Starren mit leerem Blick, fehlende Reaktionsfähigkeit, manchmal automatische Bewegungen
Betroffene: meist Kinder zwischen vier und zehn Jahren (häufiger Mädchen), seltener Jugendliche und junge Erwachsene
Ursachen: wahrscheinlich vor allem genetische Disposition, daneben Stoffwechselstörungen, Hirntraumata, Tumorerkrankungen
Auslöser: körperlicher oder emotionaler Stress, Hyperventilation
Therapie: Antiepileptika
Prognose: bei kindlicher Absence-Epilepsie häufig sehr gut (Anfallsfreiheit), bei älteren Patienten höhere Rückfallquote