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Was ist eigentlich Sundowning?

Ältere Fru redet beruhigend auf älteren Mann ein
Um das Symptom der Verwirrtheit beim Sundowning-Syndrom abzumildern, können beruhigende Worte helfen. | Bild: LIGHTFIELD STUDIOS / AdobeStock

Wie Schlafstörungen oder ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus gehört auch Sundowning zu den Begleiterscheinungen einer Demenzerkrankung. Wer daran leidet, wird am späten Nachmittag oder Abend ungewöhnlich aktiv und nervös oder zeigt andere ungewohnte Verhaltenmuster.  

Der Begriff wurde 1987 von der US-amerikanischen Pflegeexpertin und Dozentin Dr. Lois K. Evans geprägt, der die Verbindung zwischen der zunehmenden Verwirrung von Demenzpatienten und der Tageszeit auffiel. Im Deutschen spricht man auch von Sundowning-Syndrom oder Sundowning-Phänomen.

Warum es zu diesen Zuständen von Unruhe oder Verwirrung kommt, ist zurzeit noch nicht geklärt. Zur Linderung beziehungsweise Prävention gibt es jedoch verschiedene Ansätze.  

Symptome und Risikofaktoren von Sundowning

Sundowning scheint häufiger in den mittleren Stadien einer Demenz aufzutreten und mit dem Fortschreiten der Krankheit abzuklingen. Unter Menschen mit Alzheimer-Demenz wird die Prävalenz auf 20 bis 45 Prozent geschätzt.  

Vor allem die folgenden Symptome sind typisch für das Phänomen:

  • Anspannung
  • Verwirrung  
  • Angst
  • Unruhe
  • Umherwandern
  • Stimmungsschwankungen
  • geistige und/oder körperliche Erschöpfung
  • Aggressivität

Das Entstehen des Sundowning-Phänomens wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:

  • Müdigkeit
  • Schlaflosigkeit
  • fremde Umgebung
  • schwache Beleuchtung
  • Schwierigkeiten, die Realität von Träumen zu unterscheiden
  • Hunger und/oder Durst
  • Infektionen  
  • Langeweile
  • Schmerzen
  • Depressionen

Wer bei einem Demenzpatienten Anzeichen von Sundowning erkennt, sollte dessen Tagesablauf gut beobachten. Auf diese Weise lassen sich die individuellen Risikofaktoren unter Umständen identifizieren und eliminieren oder zumindest verringern.  

Prävention und Linderung von Sundowning

Auch wenn sich dem Sundowning nicht immer sicher vorbeugen lässt, gibt es Möglichkeiten, die Auftrittswahrscheinlichkeit zu beeinflussen:

  • Einhalten einer Tagesroutine mit festen Essens- und Schlafzeiten
  • kurze Ruhezeit am Nachmittag, wenn diese den Nachtschlaf nicht gefährdet
  • bei einsetzender Dämmerung Zimmer gleichmäßig ausleuchten (keine dunklen Ecken)
  • statt opulentem Abendessen lieber mehrere leichte Snacks am Nachmittag und Abend
  • beruhigende Musik oder Geräusche
  • Alkohol vermeiden
  • ab dem Mittag auf Kaffee und Zucker verzichten
  • Lieblingsgegenstände wie Kissen oder Stofftier zur Verfügung stellen  
  • tagsüber für ausreichend Bewegung sorgen, aber:
    • anstrengende oder aufregende Aktivitäten eher vormittags als nachmittags ansetzen

Kommt es trotz der Präventionsmaßnahmen zu Sundowning, sollten Betreuer ruhig bleiben, wenn der Patient nervös wird. Diesen möglichst nicht körperlich festhalten, sondern lieber mit Worten beruhigen (Aggressionsgefahr). 

Unter Umständen sollte auch eine medikamentöse Therapie, zum Beispiel mit Schlafmitteln, Benzodiazepinen, Antidepressiva oder Antipsychotika in Betracht gezogen werden, wobei Nebenwirkungen oft das Risiko-Nutzen-Verhältnis einschränken. Quellen:
https://demenz-portal.at/aktuelles/sundowning-unruhe-bei-einbruch-der-dunkelheit/
https://flexikon.doccheck.com/de/Sundowning-Syndrom
https://en.wikipedia.org/wiki/Sundowning
 

Sundowning auf einen Blick:

Krankheitsbild: abendliche Verhaltensänderungen im Rahmen einer Demenzerkrankung

Symptome: u. a. Anspannung, Verwirrung, Angst, Unruhe, Erschöpfung, Aggressivität

Risikofaktoren: u. a. Müdigkeit, schwache Beleuchtung, Hunger/Durst, Langeweile, Schmerzen

Prävention: u. a. konsequente Tagesroutine, nachmittags auf Koffein und Zucker verzichten, Zimmer abends gut ausleuchten, beruhigende Geräusche

Linderung: selbst ruhig bleiben und Patienten mit Worten beruhigen; evtl. Medikamente