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E-Learning: Die Schilddrüse – ein Update

Die Schilddrüse ist für zahlreiche endokrine Vorgänge verantwortlich. Von Körpergewicht über Schlaf bis zum Kinderwunsch: das schmetterlingsförmige Organ hat viele Aufgaben. | Bild: Siam / AdobeStock

Produktion der Schilddrüsenhormone

So eben haben wir erklärt, wie die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone gesteuert wird. Woher aber kommen die Schilddrüsenhormone?

Die Schilddrüse ist in der Lage, T3 und T4 selbst zu synthetisieren. Dafür benötigt sie Jod, das entgegen des Konzentrationsgefälles aktiv aus dem Blutkreislauf in die Schilddrüse aufgenommen und dort angereichert wird.

Da Jod nur begrenzt in der Schilddrüse gespeichert werden kann, ist die Schilddrüse auf eine regelmäßige Zufuhr angewiesen. Der Bedarf an Jod ist von Alter und Lebenssituation abhängig. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über den jeweiligen Bedarf:

Täglicher Jodbedarf
Säuglinge40–80 µg
Kinder 1–9100–140 µg
Kinder 10–12180 µg
Jugendliche und Erwachsene200 µg
Personen über 50 Jahre180 µg
Schwangere230 µg
Stillende260 µg

Die Synthese der Schilddrüsenhormone läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Jodid wird entgegen des Konzentrationsgefälles aktiv in die Schilddrüse aufgenommen.
  2. Jodid wird in der Epithelzelle zu Jod umgewandelt und an Tyrosin gekoppelt. Tyrosin ist eine Aminosäure, die sowohl mit der Nahrung aufgenommen als auch vom Körper selbst produziert werden kann. Je nach Anzahl der angelagerten Jodmoleküle entsteht so Mono-Jod-Tyrosin (MJT) und Di-Jod-Tyrosin (DJT).
  3. Im weiteren Schritt werden nun MJT und DJT aneinander gekoppelt, dabei entstehen T3 und T4.
  4. Die fertigen Schilddrüsenhormone werden in den Schilddrüsenfollikeln gespeichert, bis im Körper Bedarf entsteht und die Hypophyse den Befehl zur Ausschüttung gibt.
  5. Sowohl T3 als auch T4 werden ins Blut abgegeben, dort wird das weniger aktive T4 in die aktivere Form T3 umgewandelt.
Die Synthese der Schilddrüsenhormone | Bild: PTAheute

Gut zu wissen: Jodidtabletten bei Reaktorunfall

Bei einem Reaktorunfall können große Mengen an radioaktivem Jod freigesetzt werden. Eine Anreicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse würde zu Schilddrüsenreizungen bis hin zu bösartigen Veränderungen (Schilddrüsenkarzinom) führen.

Aus diesem Grund halten die Behörden große Mengen an Jodidtabletten für die Bevölkerung vorrätig, die im Fall einer Reaktorkatastrophe an die Bevölkerung verteilt werden. Nach dem Prinzip der kompetitiven Hemmung verdrängt das „normale“ Jod das radioaktive Jod aus dem Körper.


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