Impfungen
Wissen Sie, wo Ihr Impfausweis liegt? Viele von Ihren Patienten müssen über diese Frage wahrscheinlich länger nachdenken. Denn wenn nichts Besonderes passiert, sind Impfungen oft kein Thema mehr. Aber auch Erwachsenen wird empfohlen, ihren Impfschutz regelmäßig prüfen zu lassen. Welche Standard-Impfungen die Ständige Impfkommission (STIKO) für welches Alter empfiehlt, vor welchen Krankheiten diese schützen und was Sie sonst noch darüber wissen sollten, erfahren Sie in unserer Serie „Impfungen im Kurzportrait“.
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Varizellen-Impfung: Das Wichtigste zur Immu­ni­sierung gegen Windpocken

Kindergarten-Junge mit Windpocken auf dem Rücken
Windpocken treten vor allem im Kindesalter auf. | Bild: natus111 / AdobeStock

Windpocken, oder Varizellen, sind eine durch Tröpfcheninfektion übertragbare Infektionskrankheit, die durch das Varizella-Zoster-Virus aus der Familie der Herpesviren ausgelöst wird.  

Ihren Namen tragen die Windpocken zu Recht: Sie breiten sich sozusagen mit dem Wind aus und überwinden dabei leicht mehrere Meter. Neben der Tröpfcheninfektion ist eine Schmierinfektion durch virushaltigen Bläscheninhalt möglich.

Die Varizellen-Impfung hat das Ziel, die Infektionskrankheit in ihrer Häufigkeit zurückzudrängen. Vor allem soll die Gefahr schwerwiegender Folgen reduziert werden – insbesondere bei Schwangeren, Neugeborenen und Risikopersonen.

Ansteckung und Krankheitsverlauf von Windpocken

Varizellen sind äußerst infektiös: Eine infizierte Person steckt in ihrem Haushalt 80 bis 90 Prozent der nicht immunisierten Familienmitglieder oder Mitbewohner an.  

Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen macht sich die Infektion bemerkbar: zunächst mit einem unspezifischen Krankheitsgefühl und ein bis zwei Tage später mit dem spezifischen Krankheitsbild, das vor allem Fieber und einen juckenden Hautausschlag umfasst.  

Der Ausschlag beginnt zuerst am Rumpf und im Gesicht, kann sich aber schnell auf andere Körperteile ausbreiten. Oft sind auch Kopfhaut und Schleimhäute, zum Beispiel in Mund, Nase oder Genitalien, befallen.  

Die anfangs hellroten Knötchen entwickeln sich innerhalb weniger Stunden zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen, die nach einigen Tagen austrocknen und verkrusten. Schon zwei Tage, bevor der Ausschlag auftritt, besteht Ansteckungsgefahr.

Verschiedene Verläufe von Windpocken

Im Kindesalter verläuft eine Varizellen-Erkrankung meist mild und dauert nur drei bis fünf Tage. Wird nicht gekratzt, heilen die Windpocken narbenlos aus. 

In der Apotheke kann man juckreizstillende und austrocknende Dermatika zur symptomatischen Linderung anbieten: Es gibt Präparate mit synthetischen Gerbstoffen (z. B. Tannolact® Lotio, Tannosynt® Lotio) oder mit dem Wirkstoff Lauromacrogol (z. B. Anaesthesulf® Lotio) sowie die Zinkoxid-Schüttelmixtur Lotio alba aquosa. Auch das orale Antihistaminikum Dimetinden (z. B. Fenistil® Tropfen) dämpft den Juckreiz.

Mit zunehmendem Erkrankungsalter entstehen vermehrt Komplikationen wie zum Beispiel Lungen-, Hirn-, Hirnhaut- oder Leberentzündung sowie Schlaganfall, Sepsis oder Gelenkbeschwerden. Immunsupprimierte Personen können an einer Varizellen-Erkrankung sogar sterben.  

Infiziert sich eine nicht immunisierte Schwangere, besteht zu ein bis zwei Prozent das Risiko für Schäden beim Kind (fetales Varizellen-Syndrom), die bei zwei Dritteln aus schweren Schädigungen des Nervensystems bestehen und bei der Hälfte der Kinder die Augen oder das Skelettsystem betreffen. 25 bis 30 Prozent der Kinder versterben.

Varizellen-Zweiterkrankung Herpes zoster

Gürtelrose ist die Zweiterkrankung nach einer Windpocken-Virus-Infektion. | Bild: franciscodiazpagador / iStockphoto

Nach überstandener Windpocken-Erkrankung überdauert das Varizella-Zoster-Virus in den Spinalganglien (Nervenknoten im Wirbelkanal). 

Es kann im späteren Leben reaktiviert werden und dann eine Gürtelrose (Herpes zoster) hervorrufen. Hierbei bildet sich ein Bläschen-Ausschlag, der meist einseitig am Körperstamm in Form eines Gürtels auftritt. 

Der Ausschlag kann mehrere Wochen bestehen bleiben und mit starken Schmerzen verbunden sein.

Windpocken-Impfschutz

Sowohl gegen die Windpocken wie auch gegen Herpes zoster gibt es Impfstoffe. Die Herpes-zoster-Impfung mit dem Totimpfstoff Shingrix wird seit Dezember 2018 für alle Personen ab 60 Jahren als Standardimpfung empfohlen. 

Zusätzlich empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Immunisierung mit Shingrix als Indikationsimpfung für Personen ab 50 Jahren mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung für das Auftreten eines Herpes zoster infolge einer Grundkrankheit oder für Personen mit Immundefizienz oder Immunsuppression.

Die zweiteilige aktive Varizellen-Immunisierung gegen Windpocken ist bereits seit 2004 fester Bestandteil der STIKO-Impfempfehlungen für Kleinkinder. Empfohlen wird die Varizellen-Impfung auch einigen Risikogruppen, insbesondere noch nicht immunisierten Frauen mit Kinderwunsch.

Für die Impfung gibt es zum einen Varizellen-Einzelimpfstoffe (Varilrix und Varivax), zum anderen MMRV-Kombinationsimpfstoffe, die zusätzlich gegen Masern, Mumps und Röteln schützen (Priorix Tetra und ProQuad).  

Da die Impfstoffe abgeschwächte Varizella-Viren enthalten, kann ein bis vier Wochen nach der Impfung eine leichte Impfkrankheit mit Fieber und Ausschlag auftreten.

STIKO-Impfempfehlungen gegen Windpocken

Standardimpfempfehlung:

  • alle Kleinkinder ab 11 Monaten bis zum Ende des 2. Lebensjahres

Indikationsimpfempfehlung:

  • noch nicht immunisierte Frauen mit Kinderwunsch
  • noch nicht immunisierte Patienten vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation
  • empfängliche Patienten mit schwerer Neurodermitis
  • empfängliche Personen, die zu den vorgenannten Kontakt haben
  • noch nicht immunisiertes Personal im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter

Varizellen-Impfschema 

Die Immunisierung erfolgt mit Lebendimpfstoffen, die unabhängig vom Alter in zwei Impfungen mit einem Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht werden.  

Bei der Standardimpfung im Kleinkindalter sollte die erste Impfung zwischen 11 und 14 Monaten, die zweite zwischen 15 und 23 Monaten erfolgen.  

Die erste Impfung kann entweder simultan mit der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) durchgeführt werden oder frühestens vier Wochen nach dieser erfolgen.

Die zweite Impfung kann mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) verabreicht werden.  

Fehlende Impfungen sollten bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Quellen:
https://www.infektionsschutz.de/impfen/fuer-kinder-0-12-jahre/windpocken-impfung-bei-kindern/
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/V/Varizellen/varizellen-node.html
https://dgk.de/impfen-und-infektionen/krankheiten-von-a-bis-z/windpocken-varizellen.html
https://www.msd-gesundheit.de/impfungen/windpocken/
https://de.wikipedia.org/wiki/Windpocken
 

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