In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Dupilumab bei Urtikaria: Zulassung für Kinder ab zwei Jahren

Die chronisch spontane Urtikaria (CSU) ist weit mehr als ein harmloser Hautausschlag. Betroffene leiden unter plötzlich auftretenden Quaddeln und starkem Juckreiz. Die Symptome können über Wochen oder Monate bestehen und den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Gerade für Kinder ist die Belastung oft besonders hoch. Schlafstörungen, Unruhe und Einschränkungen im Alltag sind keine Seltenheit. In der Therapie kommen zunächst H1-Antihistaminika zum Einsatz. Doch nicht alle Patienten sprechen ausreichend darauf an.
Dupilumab: Neue Zulassung schließt Versorgungslücke
Mit der aktuellen Entscheidung der EU-Kommission darf Dupilumab nun auch bei Kindern im Alter von zwei bis elf Jahren eingesetzt werden. Voraussetzung ist eine mittelschwere bis schwere CSU, die auf Antihistaminika nicht ausreichend anspricht und bei der noch keine Anti-IgE-Therapie erfolgt ist.
Damit steht erstmals eine gezielte Therapie für diese junge Patientengruppe zur Verfügung. Für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene ist diese Option bereits seit Ende 2025 etabliert.
Was steckt hinter Dupilumab?
Dupilumab ist ein monoklonaler Antikörper und Bestandteil des Arzneimittels Dupixent®. Der Wirkstoff greift gezielt in das Entzündungsgeschehen ein. Er blockiert die Signalwege von Interleukin-4 und Interleukin-13.
Diese beiden Botenstoffe sind zentrale Treiber der sogenannten Typ-2-Inflammation. Diese Form der Entzündung spielt nicht nur bei der Urtikaria eine Rolle, sondern auch bei anderen Erkrankungen wie Neurodermitis oder Asthma.
Durch die Blockade dieser Signalwege wird die Entzündungsreaktion abgeschwächt. In der Folge nehmen Juckreiz und Quaddelbildung ab.
Dupilumab: Nicht nur bei Hauterkrankungen zugelassen
Dupilumab ist kein neuer Wirkstoff. Er wird bereits bei verschiedenen chronisch-entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:
- atopische Dermatitis (Neurodermitis) ab dem Säuglingsalter
- schweres Asthma ab sechs Jahren
- eosinophile Ösophagitis ab einem Jahr
- chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen bei Erwachsenen
- Prurigo nodularis (chronische Hauterkrankung) bei Erwachsenen
- COPD bei ausgewählten Patienten
Die Gemeinsamkeit dieser Erkrankungen liegt in der zugrunde liegenden Typ-2-Entzündung. Das erklärt, warum ein Wirkstoff in unterschiedlichen Indikationen eingesetzt werden kann.
Unter Dupilumab deutlich weniger Beschwerden bei CSU
Die erweiterte Zulassung von Dupilumab bei CSU basiert auf klinischen Studien bei Jugendlichen und Erwachsenen. Ergänzend wurden Daten bei Kindern erhoben.
Im Fokus stand der Urtikaria-Aktivitäts-Score (UAS7). Dieser bewertet die Krankheitsaktivität über sieben Tage. Unter Dupilumab zeigte sich eine deutlich stärkere Reduktion der Symptome im Vergleich zu Placebo.
Konkret gingen Juckreiz und Quaddeln signifikant zurück. Viele Patienten erreichten eine bessere Krankheitskontrolle. Die Daten legen nahe, dass der Effekt bei Kindern ähnlich ist wie bei älteren Patienten.
Anwendung und Dosierung von Dupilumab im Überblick
Dupilumab wird als Fertigspritze oder Fertigpen subkutan verabreicht. Die Injektion erfolgt meist in den Oberschenkel oder den Bauch.
Die Dosierung richtet sich nach Alter, Gewicht und Indikation. Bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren erfolgt die Gabe alle vier Wochen. Eine Initialdosis ist in dieser Altersgruppe nicht vorgesehen.
Die Anwendung kann nach entsprechender Schulung auch zu Hause erfolgen. Bei Kindern unter elf Jahren übernehmen die Eltern die Injektion.
Welche Nebenwirkungen können bei Dupilumab auftreten?
Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen die Injektionsstelle. Dazu gehören Rötung, Schwellung oder Juckreiz. Auch Augenbeschwerden wie eine Bindehautentzündung können auftreten.
Selten kommt es zu schwereren allergischen Reaktionen. Insgesamt gilt das Sicherheitsprofil als gut handhabbar. Dennoch ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle wichtig, insbesondere bei einer Langzeittherapie.
Zulassung von Dupilumab: Wichtiger Schritt für pädiatrische Therapie
Mit der erweiterten Zulassung wird deutlich, dass gezielte Therapien zunehmend auch für jüngere Patientengruppen verfügbar werden. Für Kinder mit schwer kontrollierbarer chronisch spontaner Urtikaria eröffnet sich damit erstmals eine Behandlungsoption, die direkt an den zugrunde liegenden Entzündungsmechanismen ansetzt und den Krankheitsverlauf nachhaltig verbessern kann. Quellen:
https://goldesel.de/aktien/news/regeneron-sanofi-pushen-dupixent-in-europa-eu-zulassung-fur-kinder-mit-csu-ab-2-jahren
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/04/14/dupilumab-fuer-kinder-ab-zwei-jahren
https://www.ema.europa.eu/de/documents/overview/dupixent-epar-medicine-overview_de.pdf