Heimische Heilpflanzen
In unserer Serie „Heimische Heilpflanzen“ stellen wir Ihnen wichtige Arzneipflanzen vor. Dabei greifen wir solche heraus, die in der Apotheke bekannte Therapeutika sind und gleichzeitig sozusagen vor der Haustür wachsen. Auch wenn sich manche dieser heimischen Heilpflanzen eher unscheinbar präsentieren, hat bei genauerer Betrachtung doch jede ein paar Besonderheiten zu bieten. 
Titelbild: Daniil / Adobe Stock
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Kalmus – „Deutscher Ingwer“ bei Verdauungsstörungen

Blütenkolben von Deutschem Kalmus
Der Blütenkolben von Kalmus ist ein unscheinbarer, walzenförmiger, gelb-grüner Blütenstand, der seitlich aus dem Stängel ragt und umgeben ist von schwertförmigen Blättern. | Bild: Volodymyr / AdobeStock

Sein markanter Blütenkolben mag ein Grund dafür sein, dass der Kalmus früher als Aphrodisiakum galt. Heute wird sein aromatisch-bitteres Rhizom bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit verwendet.  

Da diese Anwendungsgebiete auch für den Ingwer typisch sind, wird der Kalmus hierzulande auch „Deutscher Ingwer“ (Acorus calamus) genannt.

Gut zu wissen: Kalmus vs. Ingwer

Im Gegensatz zum „Deutschen Ingwer“ aus der Familie der Kalmusgewächse gehört der echte Ingwer (Zingiber officinale) zu den Ingwergewächsen und gedeiht nicht an Gewässern.  

Verwirrend ist einerseits, dass der „Deutsche Ingwer“ ursprünglich aus Indien stammt – woher auch der meiste echte Ingwer nach Deutschland importiert wird – und deshalb mitunter „Indischer Kalmus“ genannt wird.  

Zweitens wird mittlerweile auch in Deutschland Ingwer angebaut, wenn auch in geringen Mengen. Wer im Internet nach „Deutschem Ingwer“ sucht, erhält deshalb die meisten Ergebnisse zu Ingwer aus deutschem Anbau.  

Kalmus – Sumpfpflanze aus Indien

Acorus calamus ist eine schilfartige Sumpfpflanze aus der Gattung Kalmus (Acorus) innerhalb der Familie Kalmusgewächse (Acoraceae). Er zählt zu den Röhrichtpflanzen und besiedelt die Uferzonen nährstoffreicher, stehender und langsam fließender, sonnenwarmer Gewässer.  

Kalmus stammt ursprünglich aus Indien und ist seit dem späten 16. Jahrhundert bei uns heimisch. Er wurde zunächst kultiviert, verwilderte aber bald. Heute ist er auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet.  

Kalmus ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 60 und 120 Zentimetern erreicht. Er besitzt einen fleischigen, etwa daumendicken, aromatisch kampferartig riechenden Wurzelstock (Rhizom), der etwa zwei bis neun Prozent ätherische Öle enthält.

Laub und Blütenkolben des Deutschen Ingwers

Die schwertförmigen Laubblätter des Kalmus sind unifazial und erinnern an die der Sumpf-Schwertlilie. Im Gegensatz zu dieser zeigt sich Kalmus im frischen Zustand aber etwas heller und eher gelbgrün.

Charakteristisch ist der vier bis zehn Zentimeter lange grünliche bis rötliche Blütenkolben, der sich im Juni und Juli zeigt. Er besteht aus vielen unscheinbaren zwittrigen Blüten, die allerdings in unseren Breiten nicht zur Samenreife gelangen. Stattdessen erfolgt die Ausbreitung in Europa ausschließlich vegetativ über das Rhizom.

Vielseitige Verwendung von Kalmus

Der Kalmuswurzelstock diente früher zum Würzen von Speisen. Außerdem verzehrte man die Stücke des Rhizoms in kandierter Form – wie Ingwer. Der „Deutsche Ingwer“ war also als Dessert beliebt.  

Heute dienen getrockneter Kalmuswurzelstock, der im September und Oktober geerntet wird, sowie das daraus gewonnene Öl im Bereich der Erfahrungsheilkunde als Stomachikum und Carminativum zur Förderung der Verdauung, bei Völlegefühl, zur Linderung von Blähungen und Magen-Darm-Koliken sowie zur Appetitanregung.

Das ätherische Öl kommt auch in der Parfümherstellung und bei der Produktion von Likören, vor allem Magenbittern, zum Einsatz.

Traditionelle Arzneimittel mit Kalmus

Meist wird Kalmuswurzelstock (Calami rhizoma) als Tee angeboten, zum Beispiel von den Herstellern Aurica, Bombastus oder Aleavedis.  

Kalmuswurzelstock-Öl ist Bestandteil von Salben wie Kalmusöl Salbe 10 % von Hecht Pharma, Mundwässern und Kosmetika.

Auszüge aus dem Wurzelstock sind in nicht apothekenpflichtigen Arzneimitteln sowie zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten.  

Außerdem bestätigen mittlerweile mehrere Quellen die Vermutung, dass zum Geheimrezept von Coca-Cola ebenfalls ein Extrakt aus dem Kalmusrhizom gehört. Quellen:
- https://flexikon.doccheck.com/de/Kalmus
- https://de.wikipedia.org/wiki/Kalmus_(Art)#Namen
- https://www.gelbe-liste.de/suche?term=KALMUS
 

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