Vaginalgesundheit
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Scheideninfektion – Vaginose oder Scheidenpilz?

Juckreiz und Brennen im Intimbereich sind ein häufiges Anzeichen einer Vaginalmykose. Manchmal steckt aber auch eine bakterielle Infektion dahinter. | Bild: Barabas Attila / AdobeStock

Eine Situation, die jeder im HV schon einmal erlebt hat: Eine Kundin klagt über Jucken und Brennen im Intimbereich und möchte diese Symptome schnell behandeln. Vaginalmykosen sind ein großes Thema in der Selbstmedikation und in den meisten Fällen kann den Frauen auch ohne Arztbesuch geholfen werden, denn die Beschwerden haben eine spezifische Ursache – den Erreger Candida albicans. Obwohl viele Frauen sich relativ schnell sicher sind, dass es sich bei diesen Symptomen um einen Scheidenpilz handelt, kann manchmal auch eine andere Erkrankung Auslöser der Symptome sein. Dazu gehören z. B. bakterielle Infektionen.

Behandlung in der Selbstmedikation

Eine Vaginal-Candidose wird in der Selbstmedikation mit Clotrimazol (z. B. Vagisan® Myko Kombi, Canesten® Gyn Vaginalcreme, Kadefungin® Vaginalcreme, Canifug® Cremolum) oder Nystatin (z. B. Biofanal®) behandelt. An drei aufeinanderfolgenden Abenden (nicht während der Menstruation) werden unmittelbar vor dem Schlafengehen eine (Clotrimazol) bzw. zwei (Nystatin) Vaginal-Tabletten eingeführt. Von den Nystatin-Präparaten kann alternativ eine Vaginal-Tablette täglich über sechs Tage angewendet werden. 

Clotrimazol ist in einer speziellen Galenik als Vaginal-Tablette auch als Ein-Tages-Behandlung erhältlich (z. B. Canesten® Gyn once, Kombination aus Vaginal-Tablette und Vaginal-Creme). Zusätzlich sollte immer für ein bis zwei Wochen die entsprechende Vaginal-Creme äußerlich angewendet werden. Eine Schwangere sollte die Vaginal-Tabletten nicht mit Applikator, sondern mit dem Finger einführen. Nystatin kann in der Schwangerschaft ohne Einschränkungen angewendet werden.

Tipps für die Beratung

Nystatin kann die Wäsche gelb färben, sodass während der Behandlung am besten auf dunkle Unterwäsche zurückgegriffen werden sollte. Alternativ können Slipeinlagen als Wäscheschutz verwendet werden. 

Die Hilfsstoffe mancher vaginal anzuwendender halbfester Zubereitungen kann die Funktion von Latex (Kondome, Diaphragmen) beeinträchtigen. 

Sexualpartner, die als Infektionsquelle für Rezidive in Betracht kommen, sollten nur mitbehandelt werden, wenn sie selbst Symptome einer Candidose zeigen (Juckreiz, Brennen).

Was ist eine bakterielle Vaginose?

Im Gegensatz zur Vaginalmykose wird eine Vaginose nicht von Candida albicans, sondern durch Bakterien ausgelöst. Sie entsteht immer dann, wenn das bakterielle Gleichgewicht der Scheide gestört ist. Eine gesunde Scheidenflora hat einen hohen Anteil an Milchsäurebakterien. Diese produzieren Milchsäure und halten das saure Milieu aufrecht. Ist dieses Milieu gestört, haben insbesondere Gardanellabakterien leichtes Spiel, die Schleimhäute zu besiedeln. 

Ein wesentlicher Unterschied zum Scheidenpilz ist, dass der Ausfluss bei einer bakteriellen Vaginose unangenehm und leicht fischig riecht. Typisch für die bakterielle Vaginose sind außerdem ein Brennen sowie Juckreiz im Intimbereich. Ein weiteres Warnzeichen für eine bakterielle Vaginose ist dünnflüssiger, weißlicher oder grauer, sowie verstärkter Ausfluss. Während bei einer Pilzinfektion Juckreiz und Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr typisch sind, treten diese Symptome bei der bakteriellen Vaginose eher seltener auf.

So werden bakterielle Vaginosen behandelt

Üblicherweise wird die bakterielle Vaginose mit Antibiotika behandelt. Als Mittel der Wahl gilt Metronidazol, das entweder als Creme, Vaginaltabletten oder in Tablettenform zum Einnehmen verordnet wird. Bei Schwangeren ist die orale Gabe jedoch laut den ärztlichen Leitlinien nicht empfohlen. Als Alternative gilt Clindamycin als Vaginalcreme.

Was tun bei unklaren Beschwerden?

Egal, ob bakterielle Erreger oder eine Pilzinfektion hinter den Beschwerden stecken, die Hersteller von Antiseptika werben damit, mit ihren Vaginaltherapeutika immer richtig zu liegen. 

Ein solcher „Alleskönner“ gegen Bakterien, Pilze und Hefen sowie einige Viren und Protozoen sind „Vagisan® sept Vaginalzäpfchen mit Povidon-Iod“. Sie sind indiziert bei „bei spezifischen und unspezifischen Infektionen der Scheide und bei Scheideninfektionen durch Trichomonas vaginalis und Candida albicans“. In der Leitlinie zu Vaginalmykosen wird Povidon-Iod im Kapitel „alternative und komplementäre Medizin“ aufgeführt. Seine Verwendung soll eine rasche Linderung der Symptome bewirken. Der Wirkmechanismus beruhe auf der Oxidation von Aminosäuren.

Das Octenisept® Vaginaltherapeutikum (Wirkstoffkombination aus Octenidin und Phenoxyethanol) hat folgendes Anwendungsgebiet: „Linderung der Symptomatik bei bakteriell oder durch Pilzinfektionen (Candidosen) bedingtem Juckreiz, Brennen und Ausfluss im Vaginalbereich“ .

Grenzen der Selbstmedikation

In jedem Beratungsgespräch muss abgeklärt werden, ob eine Behandlung im Rahmen der Selbstmedikation möglich ist. In folgenden Fällen muss die Patientin an den Arzt verwiesen werden:

  • Wenn eine Schwangerschaft vorliegt.
  • Frauen, die unter 18 Jahre alt sind.
  • Wenn die beschriebenen Symptome nicht eindeutig sind.
  • Bei erstmaligem Auftreten der Beschwerden.
  • Bei chronisch rezidivierenden Infektionen (mehr als viermal pro Jahr).
  • Wenn eine Behandlung mit einem Antimykotikum die Symptome nicht gelindert hat.
  • Wenn bestimmte Arzneimittel gleichzeitig eingenommen werden, z. B. Antibiotika, Glucocorticoide, Immunsuppressiva und Zytostatika.

Tipps für die Beratung

So können Kundinnen Vaginalmykosen in Zukunft vorbeugen:  

  • Nach dem Toilettengang von vorne nach hinten in Richtung After wischen.
  • Nicht in stark gechlorten Schwimmbädern baden.
  • Synthetik-Unterwäsche und Slipeinlagen mit Kunststoffbeschichtung sollten gemieden werden.
  • Hygienemaßnahmen nicht übertreiben: Es reicht aus, den Intimbereich mit lauwarmem Wasser und pH-neutralen Seifen zu waschen. Auf Desinfektionsmittel, Intimsprays, Scheidenspülungen oder Präparate mit Parfumzusätzen sollte man verzichten.

Zusatzempfehlung und Nachbehandlung

Als Zusatzempfehlung bietet sich ein Hygienespüler (z. B. Canesten® Hygiene Wäschespüler) an, um Erreger schon bei niedrigen Waschtemperaturen abzutöten und somit eine Reinfektion über die eigene Unterwäsche oder Handtücher zu vermeiden. Pilze und Bakterien werden erst ab circa 60 °C abgetötet, nicht jede Wäsche verträgt jedoch so hohe Temperaturen. Der Hygienespüler ist sowohl für die Wäsche in der Waschmaschine als auch für Handwäsche geeignet.

Mit Vaginalpräparaten wie z. B. Vaginaltabletten oder Vaginalgelen, die Milchsäure oder Milchsäurebakterien enthalten, können Frauen im Anschluss an die antimykotische Therapie den Aufbau der physiologischen Vaginalflora unterstützen und so erneuten Infektionen vorbeugen.

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