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Feinstaub: Wie groß ist das Gesundheitsrisiko?

Obwohl die Feinstaubbelastung in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zurückgeht, bleibt das Einatmen der feinen Partikel im Alltag unvermeidbar.
Um die Feinstaubaufnahme von Menschen auf ihren täglichen Wegen in Ballungsräumen zu untersuchen, haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Messungen durchgeführt. Dafür wurde die Feinstaubbelastung von Fußgängern und Radfahrenden erfasst.
Gut zu wissen: Was ist Feinstaub?
Feinstaub ist ein Sammelbegriff für winzige Partikel in der Luft, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Sie entstehen sowohl auf natürliche Weise, beispielsweise durch Vulkanausbrüche, als auch durch menschliche Einflüsse.
Zu den häufigsten Entstehungsquellen zählen Verbrennungsprozesse, etwa im Straßenverkehr, in Kraftwerken oder beim Abbrennen von Feuerwerk. Nur unter bestimmten Wetterbedingungen kann Feinstaub sich als Dunstglocke bemerkbar machen.
Zudem werden die Partikel in verschiedene Größenklassen eingeteilt, die für vorgegebene Grenzwerte wichtig sind.
Feinstaub: Warum die Partikel gesundheitsschädlich sind
Je kleiner Feinstaubpartikel sind, desto tiefer können sie in die unteren Atemwege eindringen. Teilweise gelangen sie bis in die Lungenbläschen, wie das Umweltbundesamt (UBA) erläutert.
Abhängig von der eingeatmeten Menge und der Dauer der Belastung könne Feinstaub zu Asthma, Bronchitis oder Lungenkrebs führen. Zudem könne Feinstaub das Herz-Kreislauf-System etwa durch Bluthochdruck beeinflussen sowie Diabetes und Demenz begünstigen.
Die gesundheitliche Belastung entstehe jedoch nicht nur durch die Partikel selbst: An ihrer Oberfläche könnten sich zudem gefährliche Stoffe wie Schwermetalle oder krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) anlagern. Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum nennt Feinstaub einen wichtigen Krebsrisikofaktor.
Die Auswirkungen können jedoch noch weiter reichen: Feinstaub erhöhe auch die Sterblichkeitsrate. Etwa ein Drittel der Erkrankungen an Asthma, Krebs und COVID-19 werde durch Feinstaub verursacht oder begünstigt, sagt Stefan Altmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Gut zu wissen: Welche Größenklassen gibt es bei Feinstaub?
Feinstaub wird je nach Größe der Partikel in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die Abkürzung PM steht für „particulate matter“ (deutsch: Feinstaub) und wird vom Bundesumweltministerium für diese Feinstaub-Klassen verwendet.
PM10 umfasst Partikel mit einem Durchmesser von höchstens zehn Mikrometern und PM2,5 solche mit maximal 2,5 Mikrometern.
Wie hoch sind die Feinstaub-Grenzwerte?
Für Feinstaub gelten in Deutschland gesetzlich festgelegte Grenzwerte – diese sind durch das Europarecht festgelegt.
Der PM10-Tagesmittelwert darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen. Für PM2,5 darf der durchschnittliche Jahreswert 25 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten.
Die Feinstaubbelastung nimmt dem UBA zufolge seit Jahren deutlich ab. Die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen jedoch deutlich niedriger.
Die WHO habe zudem in Untersuchungen festgestellt, dass keine Feinstaubkonzentration bekannt sei, bei der eine schädigende Wirkung ausgeschlossen werden könne.
Feinstaubbelastung: Großstadt oder ländliche Region
Zwischen Großstädten und ländlichen Regionen gibt es Unterschiede bei der Feinstaubbelastung.
In Städten entstehe der größte Anteil des Feinstaubs durch das Heizen von Gebäuden, sagt Altmann. In diesem Bereich schwanke die Belastung weniger stark als im Straßenverkehr, wo sich die Werte in Innenstädten innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern können. Häuserschluchten und stark befahrene Straßen sollten daher nach Möglichkeit gemieden werden.
In ländlicheren Regionen seien dagegen die Feinstaubwerte in der Regel niedriger. Die Forschenden zeigten mithilfe simulierter Daten von Leihrädern, dass Menschen auf kurzen Fahrten in einer Metropole wie München mehr Feinstaub einatmen als auf Strecken, die doppelt so lang sind und in der kleineren Stadt Rastatt zurückgelegt werden.
Unterschiede bei der Feinstaubaufnahme: Radfahren oder Gehen
Wie stark sich die Feinstaubaufnahme beim Radfahren und Gehen unterscheidet, zeigt eine Beispielrechnung für eine innerstädtische Strecke von zwei Kilometern bei einer mittleren Feinstaubbelastung von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
Dabei spielt auch die Geschwindigkeit eine Rolle: Zu Fuß sei man langsamer unterwegs als mit dem Rad, ordnet Altmann ein. Gleichzeitig atmen Menschen bei Bewegung mehr Luft ein und können dadurch mehr Feinstaub aufnehmen.
Wer zu Fuß mit vier Kilometern pro Stunde unterwegs sei, benötige etwa eine halbe Stunde und komme bei einem Atemvolumen von 25 Litern pro Minute auf 7,5 Mikrogramm Feinstaub. Auf dem Rad seien es bei 15 Kilometern pro Stunde zwar 35 Liter Atemvolumen pro Minute, durch die kürzere Fahrzeit von acht Minuten würden jedoch nur 2,8 Mikrogramm Feinstaub aufgenommen.
Für die Berechnung der eingeatmeten Luftmenge habe das Forscherteam mit einem Richtwert gerechnet. In der Realität hänge diese unter anderem von Gewicht, Geschlecht und Fitnessniveau ab.
Feinstaubbelastung: Wie beeinflusst das Wetter die Werte?
Niedrige Temperaturen zwischen minus fünf und plus zehn Grad können mit einer erhöhten Feinstaubbelastung einhergehen, sagt Altmann. Ein möglicher Grund dafür sei verstärktes Heizen.
Aus anderen Untersuchungen sei zudem bekannt, dass vor allem länger andauernder Regen die Feinstaubbelastung deutlich verringere.
Ebenso können erhöhte Feinstaubwerte entstehen, wenn Partikel beispielsweise aus der Sahara oder durch Waldbrände nach Deutschland gelangen.
Auch bestimmte Wetterlagen wie winterliche Inversionen können die Feinstaubbelastung erhöhen. Dabei verhindert eine warme Luftschicht über kalter Bodenluft, dass Schadstoffe nach oben abziehen können. Der Feinstaub reichert sich dadurch in den unteren Luftschichten an.
Wo gibt es aktuelle Feinstaubwerte?
Die Feinstaubkonzentration in der Luft wird laut dem UBA an rund 450 Messstationen in Deutschland erfasst. Die aktuellen Werte können unter anderem über die zuständigen Landesbehörden abgerufen werden.
Zusätzlich stellt das UBA mit der App „Luftqualität“ Tageswerte und Warnmeldungen zur Verfügung. Quelle: https://www.dpa-news.de/mediaobject.jsf?moid=90072904&nh=lhr1ji.3