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Toxoplasmose: Was man über den Parasiten wissen sollte

Laborantinnen notieren auf Klemmbrett
Gefährlich kann eine Toxoplasmose für Menschen mit geschwächter Immunabwehr und ungeborene Kinder sein. | Bild: NINENII / AdobeStock

Eine Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, genauer gesagt eine Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung. Erreger der Toxoplasmose ist der einzellige Parasit Toxoplasma gondii. Dieser ist weltweit verbreitet und kommt relativ häufig vor.

Hauptsächlich befällt Toxoplasma Katzen. Der Mensch und andere Säugetiere sind allerdings häufige Fehlwirte, während kleinere Säugetiere und Vögel, die zur Beute von Katzen gehören, als Zwischenwirte dienen.

Die Beziehung zwischen Parasit und Wirt reicht evolutionär bereits Millionen von Jahren zurück. Der Erreger hat daher eine ganze Reihe von Anpassungsmechanismen entwickelt und ruft – wie oft bei lange bestehenden Krankheitserregern beobachtbar – in der Regel kaum bis keine Symptome bei seinen Wirten hervor.

Für einige gefährdete Personengruppen besteht allerdings das Risiko schwerwiegender Folgen einer Infektion.

Toxoplasma gondii: Entwicklungsstadien der Erreger

Toxoplasma gondii ist ein einzelliger Eukaryont (Organismus mit einer Zelle, die einen Zellkern besitzt), der parasitisch je nach Entwicklungsstadium intrazellulär, im Gewebe oder im Blut verschiedener Säugetier-Wirte sowie von Vögeln lebt.

Für Toxoplasma gondii sind Katzen die Endwirte. Insbesondere kleinere Säugetiere und Vögel, die von Katzen gefressen werden, dienen als Zwischenwirte. Menschen gelten dementsprechend als Fehlwirte.

Im Darm von Katzen findet die sexuelle Vermehrung von Toxoplasma gondii statt. Bei den Zwischenwirten entwickelt der Parasit verschiedene Anpassungsmechanismen, um dem Immunsystem des Wirts zu entgehen. Dazu gehört unter anderem die Einkapselung in Zysten.

Zudem kann die Toxoplasma-Infektion das Verhalten der Zwischenwirte beeinflussen: Befallene Tiere verlieren etwa ihre Scheu vor Katzen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, gefressen zu werden.

Aus der sexuellen Vermehrung des Parasiten im Darm der Katzen entstehen Millionen Eier (Oozysten), die mit dem Kot ausgeschieden werden und bis zu 18 Monate in feuchter Erde überstehen können – um vom nächsten Zwischen- oder dem Fehlwirt Mensch aufgenommen zu werden.

Gut zu wissen: Wie der Parasit zu seinem Namen kam

Der Name Toxoplasma gondii weist nicht auf eine toxische Komponente hin. Er leitet sich von der Form des freien und infektiösen Entwicklungsstadiums ab, die 1907 den Erstentdeckern Charles Nicolle und Louis Manceaux auffiel. Die Parasiten erscheinen unter dem Mikroskop im flüssigen Medium bogenförmig – „Toxon“ bedeutet im Altgriechischen „Bogen“.

Da die Naturforscher den Parasiten in Tunesien im dort vorkommenden Nagetier Gundi (Ctenodactylus gundi) entdeckten, erhielt das Protozoon (einzelliges Lebewesen mit Zellkern) seinen Namen: Toxoplasma gundii. Dass es auch im Menschen als Pathogen (krankmachender Erreger) vorkommt, weiß man erst seit dem Jahr 1948.

Der Parasit ist der einzige Vertreter seiner Gattung, aber nahe verwandt mit einzelligen Endoparasiten der Gattungen Plasmodium die verschiedene Formen der Malaria verursachen sowie der Gattung Cryptosporidum, die  bei verschiedenen Säugetieren einschließlich des Menschen Cryptosporidiosen auslösen können.

Was sind die Symptome einer Toxoplasmose?

Sowohl bei immunkompetenten Menschen als auch bei (älteren) Katzen verläuft eine Erstinfektion mit Toxoplasma gondii in der Regel ohne Symptome.

Bei manchen Menschen können allerdings leichte unspezifische Symptome auftreten wie:

Seltener treten auch Lymphknoten-Schwellungen, Muskelschmerzen, Ausschläge, Augenentzündungen oder Durchfälle auf.

Bei Katzen sind ebenfalls selten folgende Symptome möglich:

  • Leichter Durchfall
  • Fieber
  • Lymphknotenschwellung
  • Husten
  • Atembeschwerden
  • Gelbsucht
  • Augenentzündungen
  • Herzmuskel-, Muskel- und Hirnentzündungen (Enzephalitis)

Nach der Erstinfektion entwickeln sowohl Menschen als auch Katzen in der Regel eine lebenslange Immunität gegen den Erreger, der allerdings in Zysten persistieren (fortbestehen) kann.

Gefährlicher kann es aber für einige vulnerable Personengruppen (und Katzen) werden.

Toxoplasmose: Für wen ist die Infektion besonders riskant?

So können Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – etwa bei HIV-Infektion, während der Krebstherapie oder einer Immunsuppression nach einer Organtransplantation – schwere Symptome einer Toxoplasmose entwickeln.

Dabei kann sowohl eine Erstinfektion gefährlich sein als auch eine Reaktivierung von in Zysten persistierenden Erregern kommen.

Bei schweren Verläufen sind verschiedene Organbeteiligungen möglich wie:

Gefährdet ist auch ein Ungeborenes, wenn die Schwangere sich erstmals mit Toxoplasmen infiziert.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft: Risiken für das ungeborene Kind

Denn während einer Schwangerschaft kann eine Erstinfektion durch die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden, wodurch schwere bleibende Schäden entstehen können. 

Möglich dabei sind

  • ein Hydrocephalus (Ansammlung von Gehirnwasser im Schädel),
  • Schäden an Leber, Lunge, Hirn, Augen, Herzmuskel und/oder Hirnhaut,
  • geistige Behinderungen,
  • Spastiken,
  • Epilepsie,
  • Blindheit oder Taubheit.

Bei schweren Infektionen, insbesondere im ersten Trimenon, kommt es oft zu einer Fehlgeburt.

Die größte Gefahr für bleibende Schäden oder eine Fehlgeburt gibt es in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft – oft aber bleibt eine Toxoplasmose vor der Geburt lange Zeit unauffällig. 

Es besteht allerdings bis zu 20 Jahre nach der Geburt ein Risiko für eine Folgeerkrankung durch die konnatale (angeborene) Toxoplasmose. Mögliche Folgen sind etwa Epilepsie, Taubheit oder eine verzögerte Entwicklung.

Föten von Schwangeren, die bereits vor der Schwangerschaft eine Toxoplasma-Infektion erlitten haben, sind in der Regel durch die maternalen Antikörper vor einer Infektion im Mutterleib geschützt.

Toxoplasma gondii: Wie infiziert man sich mit dem Erreger?

Eine Infektion mit Toxoplasma gondii erfolgt in der Regel oral: Entweder indem zystenhaltiges Fleisch oder Fleischprodukte verzehrt werden oder die Oozysten des Erregers aufgenommen werden.

Das kann beim Kontakt mit kontaminierter Erde oder Sand beispielsweise bei der Gartenarbeit geschehen, beim Kontakt mit Katzen oder auch über verunreinigtes Obst und Gemüse. In feuchter Erde überleben die Eier der Parasiten, die Oozysten, bis zu 18 Monate. Durch Schmutz- und Schmierinfektionen sind Übertragungen möglich.

Die Erreger können auch ins Grundwasser gelangen – sodass etwa mit Brunnenwasser gewaschenes Obst und Gemüse aus dem Garten immer noch eine Infektionsquelle darstellen kann. Bei der Trinkwasseraufbereitung sterben die Erreger dagegen in der Regel ab.

Wie beeinflussen regionale Essgewohnheiten das Infektionsrisiko?

In Europa dominiert tatsächlich der Weg über Lebensmittel. Der Verzehr von rohem Fleisch wie etwa Schweinemett oder Rohwürsten und anderen rohen Fleischprodukten stellt dabei die Hauptinfektionsquelle dar.

Die Zysten bleiben bei 4 Grad Celsius gekühltem Fleisch so lange lebensfähig, wie das Fleisch für den Verzehr geeignet ist. Erst Einfrieren unter minus 21 Grad Celsius oder mindestens zwanzigminütige Erhitzen über 50 Grad Celsius tötet den Erreger ab.

Die unterschiedlichen regionalen Verzehrgewohnheiten von Rohfleischprodukten erklären auch die unterschiedliche Durchseuchungsrate. In nordischen Ländern wie Norwegen, in denen weniger rohes Fleisch auf den Tisch kommt, ist sie deutlich niedriger als etwa in Deutschland.

Seltener ist die Übertragung die Übertragung auf das Ungeborene durch die Mutter bei einer Erstinfektion der Schwangeren oder gar durch eine Organtransplantation, wenn der Spender eine Toxoplasmose durchgemacht hat, der Empfänger aber nicht.

Ansonsten kann eine Mensch-zu-Mensch-Infektion ausgeschlossen werden.

Wie verbreitet ist Toxoplasma gondii?

Der Erreger kommt weltweit vor und lässt sich in drei Hauptgenotypen (I–III) einteilen. In Nordamerika und Europa dominiert der Typ II.

Gut zu wissen: Unterarten des Parasiten sind nicht gleich krankmachend

Die drei Genotypen sind vermutlich weitestgehend ähnlich. Es gibt aber Hinweise darauf, dass es z. B. in Südamerika aggressivere Stämme gibt, die unter anderem durch Hybridisierung entstanden sind. Sie führen unter Umständen selbst bei Immunkompetenten (Personen mit intaktem Immunsystem) eher zu schweren Augenschäden.

Ferner gibt es Hinweise darauf, dass einige für den Parasiten spezifische RNA-Viren (Apocryptovirus odysseus) die Virulenz von Toxoplasma gondii beeinflussen können.

Weltweit ist schätzungsweise jeder Dritte seropositiv für den Parasiten (besitzt Antikörper). Die Verteilung ist aber regional und nach Alter und Geschlecht sehr unterschiedlich.

In Deutschland geht man davon aus, dass 50 Prozent aller Erwachsenen Antikörper besitzen. In den USA sind es dagegen nur rund 9 Prozent, in den Niederlanden ca. 26 Prozent und in Norwegen rund 7 Prozent. In den USA wird aber auch beispielsweise vom Verzehr roher Fleischprodukte von Seiten der Behörden recht strikt abgeraten.

Mit steigendem Alter wächst die Prävalenz (Häufigkeit einer Ansteckung) – vom 20. bis zum 80. Lebensjahr von 20 Prozent auf rund 77 Prozent. Risikofaktoren sind männliches Geschlecht, Katzenhaltung und ein höherer Body-Mass-Index über 30. Wer sich vegetarisch ernährt, hat ein geringeres Risiko (bei entsprechender Küchenhygiene).

Eine Meldepflicht gibt es nur bei Tierinfektionen sowie bei konnatalen Infektionen.

Wie werden Toxoplasmen nachgewiesen?

Ein Nachweis auf eine durchgestandene Toxoplasmose erfolgt in der Regel aus dem Blut. Für Schwangere ist ein Toxoplasmose-Test beispielsweise als IGeL-Leistung möglich, die in der Regel nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Dabei sind allerdings auch falsch positive Ergebnisse möglich.

Bei einem Antikörpernachweis werden IgG- und IgM-Antikörper gesucht. Bei positivem IgG und negativem IgM geht man von Immunität aus. Ein IgM-Nachweis kann auf eine akute Infektion hindeuten.

Außerdem lässt sich als direkter Erregernachweis die DNA in der Regel per PCR nachweisen.

Wie lässt sich Toxoplasmose behandeln?

Arzneimittel der Wahl für die Behandlung der akuten Toxoplasmose sind

  • Spiramycin,
  • Pyrimethamin,
  • Sulfadiazin,
  • Clindamycin und unter Umständen Atovaquon.

Die Wirkstoffe zielen dabei vor allem auf Stoffwechselwege der Folsäure- und Proteinsynthese der Toxoplasmen ab.

Als Indikation für eine notwendige Behandlung gilt eine Toxoplasmose bei immunsupprimierten Menschen, immer bei einer Beteiligung der Augen (okuläre Toxoplasmose) sowie eine pränatale Infektion des Embryos. Therapiert werden in letzterem Fall auch Neugeborene.

Die ohnehin meist unbemerkte symptomlose und unkomplizierte (postnatale) Toxoplasmose bei Kindern und Erwachsenen bedarf in der Regel keiner Behandlung.

Toxoplasmose: Wie können Schwangere einer Infektion vorbeugen?

Das Portal Familienplanung.de und andere Fachgremien geben folgende Tipps für Schwangere, die bislang noch keine Toxoplasmose durchlebt haben und keine Antikörper gegen Toxoplasma gondii besitzen:

  • Fleisch und Wurst nur essen, wenn die Lebensmittel ausreichend erhitzt und durchgegart wurden. (Länger als 20 Minuten mit einer Kerntemperatur über 50 Grad Celsius)
  • Salate, ungekochtes Gemüse und Obst gründlich waschen (nicht mit Wasser aus eigenem Brunnen, sondern mit Trinkwasser, am besten heiß).
  • Hände gründlich waschen. Das gilt vor allem vor dem Essen, nach dem Zubereiten von Fleisch oder nach Arbeiten im Garten und dem Besuch von Sandspielplätzen. Letztere werden von frei umherlaufenden Katzen gern als „Katzenklo“ genutzt. Auch nach dem Streicheln von Katzen sollte man sich die Hände gut waschen.
  • Katzenbesitzer sollten diese während einer Schwangerschaft nur mit Dosen- oder Trockenfutter füttern und das Katzenklo von einer anderen Person reinigen lassen. Das Behältnis sollte man täglich mit mindestens 70 Grad heißem Wasser auswaschen.

Haben Toxoplasmen auch Auswirkungen auf Gesunde?

In jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, dass die an sich als harmlos geltende Infektion unter Umständen auch ungeahnte Auswirkungen bei immunkompetenten Menschen haben kann. Sie erkranken zwar nicht – aber die Toxoplasmen scheinen Einfluss auf chemische Prozesse im Gehirn zu haben.

So weiß man, dass bei Zwischenwirten, die auf dem Speiseplan von Katzen stehen, nach einer Toxoplasma-Infektion eine sogenannte „Fatale feline Attraktion“ auftreten kann. Anders als nicht-infizierte Tiere verlieren die Infizierten die Scheu beispielsweise vor Katzenurin – sie werden so unter Umständen eher gefressen.

Ebenso konnte man in Riechtests auch beim Menschen feststellen, dass Toxoplasma-Positive Katzenurin weniger unangenehm empfinden als Toxoplasma-Negative – auch wenn das „fatal“ bei dieser felinen Attraktion sicherlich nicht zutrifft.

Andere Forschungsarbeiten haben eine Toxoplasma-Infektion bereits wiederholt mit Schizophrenie und anderen neurologischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht.

Neuere Arbeiten konnten ein ambivalentes Verhältnis von Toxoplasmose-Infektionen mit dem Risiko für insbesondere Hirntumore darlegen. Auf der einen Seite erhöht eine Infektion offenbar die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung. Unter bestimmten Bedingungen lassen sich aber Antigene von Toxoplasma wohl auch als mögliches Therapeutikum gegen Krebs einsetzen, da sie die Aktivität des Immunsystems steigern können. Jüngste Arbeiten dazu stammen erst aus dem Jahr 2026. Quellen:
-https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Toxoplasmose.html
-https://flexikon.doccheck.com/de/Toxoplasmose
-https://gesund.bund.de/toxoplasmose#definition
-https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/beschwerden-und-krankheiten/akute-erkrankungen-und-infektionen/toxoplasmose/
-https://www.aerzteblatt.de/archiv/toxoplasmose-in-deutschland-64653150-62cf-4ade-95e3-f3042a70435f
-https://www.spektrum.de/news/bei-einer-toxoplasmose-kann-der-parasit-das-gehirn-beeinflussen/1940401?gad_source=1&gad_campaignid=23698415728&gbraid=0AAAAAD_c8R5qEtgpHaW-Uo1cgTixigQr2&gclid=CjwKCAjwhNbTBhB4EiwAsFSg-r9J2oRfW_Nan7eKff0lb9siwpQ_lVBc8SnK2lGIwv3hsXrayIX7bRoCmmEQAvD_BwE
-https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12875063/#abstract1
-https://doi.org/10.3390/pathogens15040351
-https://www.mdpi.com/2076-0817/15/4/351
-https://doi.org/10.1155/japr/5586858
-https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1155/japr/5586858
-https://doi.org/10.1186/s13027-026-00747-6
-https://link.springer.com/article/10.1186/s13027-026-00747-6#Sec9
-https://viamedici.thieme.de/lernmodul/5138665/4958829/toxoplasma+gondii
-https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38817668/