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Energydrinks: Konsum bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland konsumieren Umfragedaten zufolge Energydrinks. Vor allem der monatliche Konsum nahm in den vergangenen Jahren zu, wie die im „Deutschen Ärzteblatt International“ vorgestellte Auswertung ergab. Häufig solche Produkte zu trinken, könne gravierende gesundheitliche Folgen haben, warnen Experten.
Energydrinks sind gesüßte Getränke, die mit Koffein und anderen Inhaltsstoffen wie Taurin und Glucuronolacton versetzt sind. Sie enthalten hohe Koffein- und Zuckerkonzentrationen, die in großen Mengen schädlich für unser Herz-Kreislauf-System sein können, so Experten. Ein regelmäßiger und hoher Konsum könne langfristig die Entstehung von Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes begünstigen.
Koffein in Getränken: Gesetzliche Obergrenze oft ausgenutzt
Die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung sieht eine Maximalgrenze von 320 Milligramm Koffein pro Liter vor. Eine marktübliche 500-Milliliter-Dose enthält den „Ärzteblatt“-Autoren zufolge häufig die gesetzliche Obergrenze von 160 Milligramm Koffein sowie etwa 55 Gramm Zucker.
Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist bei Kindern ein Konsum von maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag wahrscheinlich unbedenklich – bei 50 Kilogramm Gewicht wären das 150 Milligramm.
Energydrinks: Konsum bei Minderjährigen gestiegen
Julia Hansen, Clemens Neumann und Reiner Hanewinkel von der Forschungseinrichtung IFT-Nord in Kiel hatten Daten des vom Institut jährlich erhobenen „Präventionsradars“ für die Schuljahre 2020/21 bis 2025/26 ausgewertet.
Insgesamt wurden Angaben von mehr als 107.000 Schülerinnen und Schülern unter 16 Jahren aus 15 Bundesländern ausgewertet. Allerdings: Die tatsächlich konsumierte Menge wurde nicht erfasst. Die Daten aus den Fragebögen könnten zudem durch sozial erwünschte Antworten verzerrt sein.
So gaben 46 Prozent der 9- bis 12-Jährigen und 72 Prozent der 13- bis 15-Jährigen an, bereits Energydrinks konsumiert zu haben.
Bei den unter 13-Jährigen tranken zuletzt 13 Prozent mindestens einmal im Monat Energydrinks, in der ersten berücksichtigten Erhebung 2020/21 waren es noch knapp 10 Prozent. Bei den Jugendlichen stieg der Anteil von 25 auf 33 Prozent.
Mindestens einmal pro Woche konsumierten zuletzt 6 Prozent der Kinder – der Wert blieb nahezu unverändert – sowie 19 Prozent der Jugendlichen nach knapp 16 Prozent im Schuljahr 2020/21. Kaum Veränderung gab es beim Prozentsatz täglich konsumierender Kinder: rund 2 Prozent der Kinder und etwa 6 Prozent der Jugendlichen.
Täglicher Energydrink-Konsum oft zusammen mit Zigaretten oder Alkohol
Täglicher Energydrink-Konsum war der Befragung zufolge eng mit dem Konsum von Nikotin verbunden. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten genutzt hatten, wiesen eine 2,4-fach höhere Rate täglichen Energydrink-Konsums auf als Jugendliche ohne Nikotinkonsum.
Auch Alkohol- und Cannabiskonsum, höhere Risikobereitschaft, mehr Bildschirmzeit sowie Aufmerksamkeits- und emotionale Probleme standen mit täglichem Konsum in Zusammenhang.
Gerade der Mischkonsum mit Alkohol kann gefährlich werden, da Koffein die Müdigkeit durch Alkohol überdecken kann, ohne die tatsächliche Beeinträchtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination zu verringern. Dadurch kann man sich nüchterner fühlen, als man tatsächlich ist, und eher mehr Alkohol trinken oder die Risiken unterschätzen.
Allerdings: Aus den erhobenen Daten lässt sich nicht schließen, ob häufiger Energydrink-Konsum eher zu Nikotin-, Alkohol- und Cannabiskonsum verleitet.
Energydrinks bei Kindern: Strengere Verkaufsregeln gefordert
Den Angaben zufolge war täglicher Energydrink-Konsum seltener bei Schülerinnen und Schülern an Gymnasien als an anderen Schulformen. Auch stärkeres elterliches Monitoring und eine höhere Risikowahrnehmung gegenüber Substanzen gingen mit niedrigeren Konsumraten einher. Ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigte sich nicht.
Aufgrund der möglichen Gesundheitsrisiken empfehlen Experten neben Maßnahmen zur Verhaltensprävention strengere Regeln für den Verkauf und das Bewerben von Energydrinks. Besonders die Vermarktung über Influencer und soziale Medien könne den Konsum bei Jugendlichen fördern.
In anderen Ländern wurden Energydrinks bereits stärker reguliert: In Litauen, Lettland und Polen dürfen sie nur noch an Kunden ab 18 Jahren verkauft werden. In Norwegen gilt ein Verkaufsverbot an unter 16-Jährige. Quelle: dpa / mg