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Essen und Albträume – Studie bestätigt einen möglichen Zusammenhang

Junge Frau geplagt von Schlafstörungen hält Hände vor Gesicht
Für einen guten Schlaf ist es empfehlenswert, spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nichts Schweres mehr zu essen. | Bild: KMPZZZ / AdobeStock

„Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann“, so lautet ein alter Merkspruch, wenn es um das Thema Essen zu verschiedenen Tageszeiten geht. Dass man abends keine allzu großen und schweren Mahlzeiten mehr zu sich nehmen sollte, wenn man in der Nacht einen guten Schlaf haben will, ist damit wohl so etwas wie eine Binsenweisheit.  

Fettes und/oder schwer verdauliches Essen kann zu Verdauungsproblemen, Blähungen, Sodbrennen oder Völlegefühl führen, was bereits das Einschlafen erschweren kann oder auch das Durchschlafen. 

Kanadische Forschende konnten jetzt mit einer größeren Studie zeigen, dass es auch einen konkreten Zusammenhang gibt zwischen dem, was spät gegessen wird, und der Zahl von Albträumen.

Studie untersucht Zusammenhang von Essen und Albträumen

Für ihre Studie, die die Forschenden des „Dream & Nightmare Lab“ der Uniklinik Montreal sowie von den Universitäten Vancouver und Edmonton jetzt im Fachmagazin „Frontiers in Psychology“ veröffentlichten, befragten sie 1.082 Studierende mit einem Online-Fragebogen nach ihren Essgewohnheiten und ihrer Schlafqualität, aber auch nach bestimmten bekannten Lebensmittelunverträglichkeiten und dem Auftreten von Albträumen. 

Als standardisierte Messinstrumente verwendeten sie dabei unter anderem den Pittsburgh Sleep Quality Index und den Nightmare Disorder Index.

Gut zu wissen: Was sind der PSQI und der NDI?

Der Pittsburg Sleep Quality Index (PSQI) ist ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung bestehend aus 19 Fragen. Damit können Schlafqualität und Schlafstörungen des vergangenen Monats erfasst werden.

Der Nightmare Disorder Index (NDI) ist ein aus fünf Fragen bestehender Selbstbeurteilungsfragebogen. Damit wird ermittelt, wie oft Albträume auftreten, wie hoch der daraus resultierende Leidensdruck ist und ob es zu Beeinträchtigungen im Alltag kommt.

Lebensmittel haben Einfluss auf Schlaf und Träume

Auf die konkrete Frage an die Teilnehmenden, ob Lebensmittel Einfluss auf ihren Schlaf oder ihre Träume hätten, gaben 24,7 % an, nach dem Verzehr einen schlechteren Schlaf zu haben. 20,1 % gaben allerdings auch an, dann besser zu schlafen. Dabei gaben die Teilnehmenden an, dass Obst (17,6 %), Kräutertee (13,4 %) und Gemüse (11,8 %) besseren Schlaf fördern würden.

Einen direkten Einfluss auf ihre Träume sahen zumindest 5,5 % der Befragten. „Die wahrgenommene Wirkung von Lebensmitteln auf Träume war mit einer höheren Erinnerung an Alpträume und höheren Werten im Nightmare Disorder Index verbunden“, schreiben die Forschenden. 

Albträume bei Allergien und Unverträglichkeiten

Die Lebensmittel, denen dieser Zusammenhang von den Teilnehmenden zugeschrieben wurde, waren dabei „in erster Linie“ Desserts/Süßigkeiten (31 %) sowie Milchprodukte (22 %). Auch Lebensmittelallergien und Glutenunverträglichkeit wurden von den Teilnehmenden damit in Verbindung gebracht.

In der Auswertung konnten die Forschenden zeigen, dass die Werte des Nightmare Disorder Index in einem engen Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien und Laktoseintoleranz standen. 

Außerdem ließ sich aus den Befragungen zu den Ernährungsgewohnheiten und der Schlafwahrnehmung ableiten, dass „eine gesunde Ernährung, wie etwa weniger Essen am Abend“, eine höhere Traumwahrnehmung voraussagte, „während eine ungesunde Ernährung – einschließlich Magenbeschwerden, geringerer Abhängigkeit von Hunger- und Sättigungssignalen und Essen am Abend – Alpträume und negative Träume vorhersagte“, so die Forschenden. 

Milchprodukte verursachen schlechte Träume

„Diese Ergebnisse stützen in unterschiedlichem Maße die Hypothesen zu lebensmittelspezifischen Auswirkungen, Lebensmittelstress und Auswirkungen auf den Schlaf“, erklären die Forschenden. 

Damit seien Zusammenhänge zwischen Ernährung und Traummerkmalen bestätigt und Lebensmittelunverträglichkeiten, insbesondere Laktoseintoleranz, würden als Faktoren hervorgehoben, die zur Häufigkeit von Albträumen beitragen.  

„Die Ergebnisse eröffnen neue Forschungsansätze zum Thema ernährungsabhängige Träume, indem sie auf Milchprodukte als mögliche Ursache für bizarre oder beunruhigende Träume hinweisen. Sie haben klare Auswirkungen auf das Verständnis, wie Ernährungsfaktoren die Schlafqualität und das Auftreten von Albträumen beeinflussen können, und könnten zu nicht-pharmakologischen Interventionen bei Schlafstörungen beitragen“, schreiben die Autoren.

Träume und Essen: Unklar in welche Richtung der Einfluss erfolgt

Die Kanadier schränken allerdings auch ein, dass sie lediglich Korrelationen festgestellt hätten. Es bleibe damit unklar, „ob die untersuchten Ernährungsfaktoren Traumveränderungen verursachen, ob Träume die Ernährungsgewohnheiten beeinflussen oder ob ein dritter Faktor sowohl die Ernährung als auch das Träumen beeinflusst“, schreiben sie.

Vorläufig lässt sich also feststellen: Am frühen Abend (zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen) leichtes Essen bringt eher guten Schlaf und weniger Albträume mit sich. 

Abgesehen von der Essen-Traum-Korrelation gibt es außerdem Anzeichen dafür, dass spätes schweres Essen auch etwa Darmkrebs begünstigen kann oder den Glucosestoffwechsel nachteilig beeinträchtigt. Quellen:
https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2025.1544475/full
https://www.dgsm.de/gesellschaft/aktionstag/informationen-zum-thema-schlaf/tipps-fuer-ihr-schlafverhalten-selbsttest-schlafstoerung
https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4913824
https://www.dzd-ev.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2025/spaetes-essen-ist-mit-gestoertem-glukosestoffwechsel-verbun