Superfoods

Ein genialer Marketing-Trick verzaubert das menschliche Gehirn: Während „gesundes Gemüse“ oder „Vollkorn“ eher abschreckend und lustfeindlich klingen, lässt der Begriff „Superfood“ die Herzen höher schlagen. „Superfoods“ gelten als hip und cool. Selbsternannte Ernährungsfachleute versprechen die Lösung aller Gesundheitsprobleme, Gewichtsabnahme meist inbegriffen. Was steckt hinter den als Superfoods gepriesenen Produkten? In dieser Serie wollen wir die am meisten beworbenen und beliebtesten „Superfoods“ unter die Lupe nehmen.
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Moringa – ein echter Wunderbaum?

Pulver, Blätter und Samen von Moringa
Die gesundheitlichen Wirkungen, die Moringa nachgesagt werden, sind wissenschaftlich nicht bewiesen. | Bild: Luis Echeverri Urrea / AdobeStock

Nahrungsergänzungsmittel, die unter dem Namen „Moringa“ angeboten werden, stammen von einem schnell wachsenden Baum mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Moringa oleifera, der auch Meerrettichbaum oder Wunderbaum genannt wird.  

Die schnellwüchsige, bis zehn Meter hohe laubtragende Pflanze gehört zur Gattung Moringa in der Familie der Bennussgewächse (Moringaceae).  

Sie stammt ursprünglich aus der Himalaya-Region in Nordwestindien, wächst aber inzwischen weltweit in den Tropen und Subtropen.

Moringa als Lebensmittel

Sehr junge, unreife dunkelgrüne Moringa-Früchte werden vor allem in Süd- und Südostasien wie Grüne Bohnen verzehrt. Auch die rübenartigen Wurzeln kommen in der Küche zum Einsatz, nachdem sie von ihrer alkaloidhaltigen und damit leicht giftigen Rinde befreit wurden.

Die jungen Blätter werden wesentlich seltener als Gemüse gegessen, werden aber in Asien und Afrika in Saftform gegen Mangelernährung und daneben auch als Tierfutter verwendet. Aus den Samen wird ein lang haltbares Pflanzenöl gepresst.  

Alle Pflanzenteile, vor allem aber die Wurzeln, enthalten Senfölglykoside, die für den meerrettichartigen Geschmack – und für den Namen des Meerrettichbaums – verantwortlich sind.

In Deutschland und Europa gelangt Moringa vor allem in Form von Tees, Speiseöl und Nahrungsergänzungsmitteln in den Handel. Das Öl ist darüber hinaus Bestandteil von Kosmetika.

Nahrungsergänzungsmittel aus Moringa

Zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln werden die Blätter und/oder die Samen des Meerrettichbaums sowie teilweise auch die Wurzeln zu Pulver, Kapseln oder Extrakt verarbeitet.  

Zu den verbreiteten Anpreisungen der Hersteller gehören

  • die Regulierung gestörter Fett- und Blutzuckerwerte,
  • der Schutz verschiedener Organe wie der Leber, des Herzens oder des Gehirns sowie
  • eine Wirkung gegen Krebs.

Die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Bayern stellen jedoch unmissverständlich klar, dass es bislang keine ausreichenden Hinweise auf einen gesundheitlichen Nutzen von Moringa gibt und keine gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims) zugelassen sind.  

Viele der Werbeaussagen bezögen sich auf Wirkungen, die Arzneimitteln vorbehalten seien. Nahrungsergänzungsmittel wie Moringa dürften jedoch laut Gesetz nicht zur Vorbeugung oder Behandlung von Krankheiten beworben werden.  

Zur Erinnerung: Was sind gesundheitsbezogene Angaben?

Seit 2007 gilt die sogenannte Health-Claims-Verordnung. Sie legt fest, welche gesundheitsbezogenen Angaben für Lebensmittel, also auch für Nahrungsergänzungsmittel (NEM), zulässig sind.  

Demnach dürfen z. B. keine Aussagen zu einem Lebensmittel bzw. NEM gemacht werden, die eine arzneiliche Wirkung suggerieren oder eine Krankheitsheilung versprechen.  

Als Beispiel wäre folgende Formulierung unzulässig: „Vitamin C – zur Linderung von Erkältungskrankheiten“.

Nährstoffe: Was steckt alles in Moringa?

Alle Pflanzenteile des Meerrettichbaums, vor allem aber die Blätter, bieten ein breites Nährstoffspektrum. Sie enthalten

Dabei ist zu beachten, dass viele der Inhaltsstoffe auch in heimischen Gemüse- und Obstsorten – und deutlich mehr Calcium in Milch – vorkommen und die in Moringa enthaltene Kombination durch eine ausgewogene Ernährung problemlos zu erzielen ist.  

Die Verbraucherzentralen warnen zudem vor irreführender Werbung: Hier würden andere, scheinbar weniger nährstoffreiche Gemüsesorten mit dem Pulver der getrockneten Pflanze verglichen, das durch den Wasserentzug Nährstoffe in konzentrierter Form enthalte.  

Auch gäben die Hersteller als Bezugsmenge meist nicht wie vorgeschrieben die Tagesportion von in der Regel zehn Gramm Pulver oder ein bis zwei Gramm in Kapselform an, sondern verwiesen auf Gehalte pro 100 Gramm Pulver, was die tatsächlichen Nährstoffgehalte stark verschleiere.

Gesundheitliche Wirkungen von Moringa nicht ausreichend belegt

Erste Studien, die meist mit Tieren und Zellkulturen und nur selten mit Menschen durchgeführt wurden, lieferten Hinweise auf gewisse positive Effekte von Moringa-Blattpulver, konnten aber die Wirksamkeit aufgrund unzulänglicher Studiendesigns nicht hinreichend belegen.

Untersuchungen an Tieren deuteten darauf hin, dass verschiedene Extrakte aus Moringa antientzündliche, gewebeschützende, schmerzlindernde, blutdruckregulierende und immunmodulatorische Wirkungen haben könnten.  

Verantwortlich für diese Wirkungen sind vermutlich die in den Zubereitungen enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe. Da chronische Entzündungen dazu beitragen können, Krebs zu verursachen, sind antientzündliche Wirkungen prinzipiell schützend.  

Weil jedoch bisher die Wirkweise dieser Stoffe nicht geklärt werden konnte, spielt Moringa in der Krebstherapie derzeit keine Rolle.

Wenige Humanstudien zu Moringa

In Humanstudien konnten gewisse positive Effekte von Moringa-Blattpulver auf gestörte Blutzucker- und Blutfettwerte nachgewiesen werden, außerdem eine antioxidative Wirkung, wie sie von vielen Gemüsen und Früchten bekannt ist.  

Die Studien fanden beispielsweise erste Hinweise auf eine Senkung des Blutzuckerspiegels nach Mahlzeiten bei Patienten mit Typ-II-Diabetes. Langzeiteffekte wurden jedoch nicht untersucht, und bei gesunden Probanden blieb die Moringa-Diät wirkungslos.  

Andere präklinische Studien schreiben Moringa oleifera, insbesondere den Blättern, blutdrucksenkende Eigenschaften zu.  

Wie bei den Tierstudien bestehen jedoch bei allen bisherigen Humanstudien Zweifel an den Studienbedingungen, und die Wirkmechanismen sind noch nicht vollständig geklärt.

Neben- und Wechselwirkungen von Moringa

Bei der Einnahme hoher Dosen Moringa-Pulver können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Sodbrennen auftreten. Deshalb sollte man mit einer kleinen Dosis beginnen und diese langsam steigern.

Personen, die eine durch hohes Alter, Medikamente oder Vorerkrankungen eingeschränkte Immunabwehr haben, sollten die Einnahme von Moringa vorab mit ihrem Arzt klären.

Dasselbe gilt für Menschen mit chronischen Erkrankungen, denn es können Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Immunmodulatoren, Antihormon- oder Chemotherapeutika, Blutverdünnern, Blutdruck- und Cholesterinsenkern sowie Antimykotika auftreten.  

Für Kinder, Schwangere und Stillende ist Moringa nicht geeignet. Zudem wurde eine etwaige fruchtbarkeitseinschränkende Wirkung nicht ausgeschlossen, weshalb auch Paare mit Kinderwunsch auf Moringa verzichten sollten.

Warnung vor Verunreinigungen von Moringa-Produkten

Die Verbraucherzentralen weisen zudem darauf hin, dass in Moringa-Produkten immer wieder Pestizide oder Salmonellen nachgewiesen werden. Entsprechende Warnungen sind seit 2014 im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF) zu finden.

Außerdem könnten getrocknete Gras- und Blattprodukte grundsätzlich mit bakteriellen Krankheitserregern belastet sein. Auch Belastungen mit Toxinen oder Schwermetallen wie Chrom und Nickel seien prinzipiell möglich.

Wer zu entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln greift, sollte darauf achten, dass diese sauber deklariert sind, inklusive Haltbarkeitsdatum, Chargennummer und Herstellerkontakt. 

Bei der Lagerung ist sicherzustellen, dass Moringa in Pulverform keine Feuchtigkeit zieht, in der sich Schimmelpilze bilden können. Wenn das Pulver beim Öffnen der Packung modrig riecht, sollte es nicht mehr verwendet werden.

Ist Moringa ein Superfood?

Wie viele andere Gemüse- und Obstsorten bietet Moringa ein vorteilhaftes Nährstoffprofil, kann also Baustein einer gesunden Ernährung sein. Eine Supplementierung liefert jedoch keine Inhaltsstoffe, die sich nicht anderweitig, zum Beispiel durch heimisches Gemüse, zuführen ließen.  

Einige Behauptungen rund um die gesundheitliche Wirkung von Moringa scheinen biochemisch sinnvoll, allen voran die entzündungshemmenden Eigenschaften der enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe. Doch kommen auch diese in anderen pflanzlichen Lebensmitteln – vor allem in grünem Blattgemüse – vor.  

Schon aufgrund der geringen Mengen an Moringa, die die Nahrungsergänzungsmittel enthalten, ist im besten Fall von einer unterstützenden Wirkung auszugehen. Eine grundsätzlich abwechslungsreiche Ernährung mit hohem pflanzlichem Anteil bildet im Kampf gegen Entzündungsprozesse jedoch einen weitaus wichtigeren Baustein als die Supplementierung mit Moringa. Quellen:
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/moringa-ein-heilendes-superfood-109776
https://youtu.be/zWVoNKbfToQ
https://de.wikipedia.org/wiki/Meerrettichbaum
https://www.apotheken-umschau.de/moringa-als-superfood-risiken-und-wissenschaftliche-realitaet-1449911.html
 

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