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FSME: Zahl der Risikogebiete in Deutschland steigt

Zecken-Warnschild im Wald
Aufgrund des Klimawandels sind Zecken immer früher im Jahr anzutreffen. | Bild: Ronald Rampsch / AdobeStock

Nach wie vor treten die meisten Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern auf. Hier liegen die meisten FSME-Risikogebiete. Weitere Risikogebiete befinden sich unter anderem im südlichen Hessen und im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. 

Das heißt aber nicht, dass anderswo kein FSME-Risiko besteht. Es bedeutet nur, dass in anderen Regionen Deutschlands die Zahl der gemeldeten Fälle deutlich niedriger liegt.

Zwei neue FSME-Risikogebiete

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat Ende Februar zwei neue Risikogebiete bestimmt: Hinzu kommen der Landkreis Nordsachsen in Sachsen und der Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt, wie es in einem aktuellen RKI-Bericht heißt. Insgesamt gebe es damit in Deutschland 185 FSME-Kreise. 

Klimawandel begünstigt Ausbreitung von Zecken und FSME 

Die Zecke (der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus) überträgt durch ihren Stich das FSME-Virus. Seit einigen Jahren zeigen die Spinnentierchen eine zunehmende Aktivität.

Mutmaßlich aufgrund des Klimawandels sind die kleinen Blutsauger immer früher im Jahr anzutreffen oder sind sogar ganzjährig aktiv. „Damit die Zecke im Winter nicht überlebt, braucht es richtig knackig tiefe Temperaturen, die auch einmal wochenlang andauern“, erklärt Professorin Mackenstedt. Ein paar Tage Frost im Winter reichen nicht.  

Zecken sind aber nicht nur jahreszeitlich, sondern auch räumlich gesehen aktiver geworden. So erobern sie inzwischen Regionen, die früher als zeckenfrei galten. Das betrifft vor allem Bergregionen bis 1.200 Meter. Hier kommen heute stabile Zeckenpopulationen vor.

FSME-Erkrankung nicht unterschätzen

Die Anzahl der jährlich gemeldeten FSME-Fälle ist schwankend und bewegt sich zwischen circa 200 und 700. Seit einigen Jahren zeigt sich eine steigende Tendenz. 

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für das Jahr 2025 693 FSME-Erkrankungen gemeldet, etwas mehr als noch im Jahr zuvor (686). Das sei die dritthöchste Erkrankungszahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Auch in diesem Jahr sind schon erste Infektionen gemeldet worden.

Die FSME sollte als Erkrankung nicht unterschätzt werden, warnt Prof. Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Sogar bei Kindern könne sie einen schweren Verlauf nehmen. 

Bei ihnen werde häufig von einem uncharakteristischen Krankheitsbeginn berichtet, beispielsweise mit Symptomen wie bei einer Sommergrippe oder gar mit Darmsymptomen. Das führe immer wieder zu verspäteten Diagnosen.  

Gut zu wissen: FSME-Erkrankung

Ein Großteil der FSME-Infektionen verläuft symptomlos oder mild. Kommt es jedoch zur Erkrankung, macht sich diese nach einer Inkubationszeit von circa sieben bis 14 Tagen bemerkbar. Dann treten meist grippeähnliche Symptome auf. Wenn diese abklingen, kann die Infektion überstanden sein. Doch bei etwa zehn Prozent der Infizierten kommt es im Anschluss zu neurologischen Komplikationen wie

  • Hirnhaut- oder Gehirnentzündung mit hohem Fieber,
  • starken Kopfschmerzen,
  • Nackensteifigkeit und
  • Bewusstseinsstörungen.

Diese Symptome können monatelang anhalten. Etwa ein Prozent der Fälle endet tödlich.  

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt eine FSME-Impfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert sind. Auch in den Risikogebieten bewegen sich die Impfquoten auf niedrigem Niveau – insbesondere bei den über 60-Jährigen. Gerade diese Altersklasse hat ein deutlich erhöhtes Risiko für eine schwere Erkrankung.  

Fast alle Erkrankten ohne Impfschutz

Laut RKI waren 98 Prozent der 2025 gemeldeten FSME-Erkrankten gar nicht oder unzureichend geimpft. Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte nach Expertenmeinung wahrscheinlich durch höhere Impfquoten – insbesondere in FSME-Risikogebieten – verhindert werden. Vor allem dort sollte die Bevölkerung verstärkt über den Nutzen einer FSME-Impfung aufgeklärt werden.

Zu niedrige Impfquoten gegen FSME

Eine Impfung gegen FSME wird allen Personen in FSME-Risikogebieten empfohlen. Dennoch liegen die Impfquoten seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Im Jahr 2024 lag sie bei Kindern und Jugendlichen bei 30 Prozent und damit auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren. 

Bei Erwachsenen sieht es noch schlechter aus: Lediglich 19 Prozent weisen einen vollständigen Impfschutz gegen FSME auf.

Für den vollen FSME-Impfschutz sind drei Impfungen erforderlich. Nach der ersten erfolgt die zweite Impfung ein bis drei Monate später, die dritte Impfung fünf bis zwölf Monate danach. 

Durch Impfung nach einem Schnellschema kann ein Impfschutz auch kurzfristig erreicht werden, zum Beispiel vor einer Reise in ein Risikogebiet. Eine Auffrischimpfung wird je nach Alter nach drei bzw. fünf Jahren empfohlen, bei einer Schnellimmunisierung bereits früher. Quellen:
Universität Hohenheim; Robert Koch-Institut (RKI); BKK VBU
 

Gut zu wissen: Anstieg der Borreliose-Fälle

Neben FSME übertragen Zecken auch die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose. Borreliose kommt in ganz Deutschland vor, es gibt aber keine bundesweite Meldepflicht. 

Auch bei Borreliose verzeichnete das RKI in diesem Jahr mehr Fälle: Bislang wurden 9.730 Fälle gemeldet, im Vorjahr waren es insgesamt 9601. 

Unbehandelt kann Borreliose zu Entzündungen der Gelenke, des Herzmuskels und des Nervensystems führen. Bisher gibt es keine Schutzimpfung. Quelle: dpa / mia