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Impfquoten: Wie immun ist Deutschland?

Das Robert Koch-Institut hat zum Jahresende die Impfquoten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene für das Jahr 2024 beziehungsweise für die Influenza- und COVID-19-Saisons 2024/2025 veröffentlicht und die Ergebnisse in Bezug auf die angestrebte Immunität der Gesamtbevölkerung eingeordnet.
Positiv seien unter anderem die hohen Impfquoten bei Kindern und die Einführung der RSV-Prophylaxe im Säuglingsalter zu bewerten. Negativ falle beispielsweise auf, dass die Impfserien oft zu spät oder gar nicht abgeschlossen würden.
Welche Entwicklungen verzeichnet das RKI im Detail? Gegen welche Infektionskrankheiten ist die deutsche Bevölkerung gut geschützt, gegen welche noch zu wenig? Haben neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission den gewünschten Erfolg gebracht?
Der Überblick nach Altersgruppen zeigt, wo Deutschland in Sachen Impfungen steht.
Kinder: Grundimmunisierung nicht im empfohlenen Zeitrahmen
Die Impfquoten bei Kindern lagen 2024 wie in den Jahren zuvor auf einem hohen Niveau: Im Alter von 15 Monaten haben 96 Prozent der Kinder eine Grundimmunisierung gegen DTP – Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten) – und Poliomyelitis (Kinderlähmung) begonnen, was dem Vorjahreswert entspricht. Auch der Anteil der Kinder, die eine zweite Impfstoffdosis erhielten, war mit 93 Prozent weiterhin hoch.
Viele Kinder schlossen die Grundimmunisierung jedoch nicht wie empfohlen ab. So waren im Alter von 24 Monaten lediglich 76 beziehungsweise 75 Prozent der Kinder vollständig gegen DTP und Poliomyelitis geimpft. Bis zum Alter von sechs Jahren hatten immerhin 89 beziehungsweise 88 Prozent der Kinder die Grundimmunisierung gegen die vier Erkrankungen nachgeholt.
Kinder: Weiterhin Lücken bei Masern-Impfung
Gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Hepatitis B und Pneumokokken waren im Betrachtungsjahr 75, 74 beziehungsweise 73 Prozent der Kinder im Alter von 24 Monaten vollständig geimpft. Die Impfquoten lagen damit leicht unterhalb der DTP- und Poliomyelitis-Impfquoten, nähern sich diesen aber weiterhin an.
Beim Masern-Impfschutz gab es weiterhin Lücken: Nur 78 Prozent der Kinder im Alter von 24 Monaten waren vollständig gegen Masern (und dank Kombinationsimpfstoffen gegen Mumps und Röteln) immunisiert. Bis zum sechsten Geburtstag wurde die Impfung jedoch oft nachgeholt, sodass die Quote bis dahin 92 Prozent betrug.
Die Quote für die Varizellenimpfung (Windpocken) lag für die erste Impfung im Alter von 15 Monaten bei 82 Prozent und für die zweite Immunisierung nach 24 Monaten bei 75 Prozent und damit etwas niedriger als die Quote der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln.
Die Rotavirus-Impfquote lag bei Kindern im Alter von 32 Wochen bei 69 Prozent und blieb damit seit 2020 fast unverändert.
Die Meningokokken-C-Impfquote lag bei Kindern im Alter von 24 Monaten mit 73 Prozent rund 4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Die Zahl könnte jedoch durch etwaige Privatleistungen verfälscht sein.
Zudem gibt es seit 2024 mehrere neue Impfempfehlungen für Meningokokken B und – bei Jugendlichen – ACWY, sodass eine Betrachtung der Impfquoten laut RKI erst in den nächsten Jahren Klarheit bringen wird.
RSV-Prophylaxe bei Kindern erfolgreich
Die Einführung der Prophylaxe gegen Respiratorische Synzytial-Viren (RSV) im Säuglingsalter bewertet das RKI als Erfolg: Seit 2024 empfiehlt die STIKO für alle Neugeborenen und Säuglinge eine Einmaldosis vor beziehungsweise in ihrer ersten RSV-Saison, die üblicherweise von Oktober bis März andauert.
54 Prozent der zwischen April und September 2024 geborenen Säuglinge war dank der Prophylaxe in ihrer ersten RSV-Saison vor dem Erreger geschützt – laut RKI ein guter Wert für eine gerade erst eingeführte Immunisierung.
Gut zu wissen: Welche Impfungen werden Säuglingen empfohlen?
Die Ständige Impfkommission hat eine genaue Auflistung, wann Säuglinge und Kinder mit welcher Impfung versorgt werden sollten. Die Empfehlungen haben wir in einem Übersichtsartikel für Sie zusammengefasst.
Impfquoten bei Jugendlichen unzureichend
Erstmals wurden in diesem Jahr auch die Impfquoten für die Auffrischimpfungen im Kindes- und Jugendalter berechnet.
Hier fällt als Erstes negativ auf, dass die Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis von vielen Jugendlichen nicht wahrgenommen wurden: Die Quote für die im Alter von 9 bis 16 Jahren empfohlene Auffrischung beträgt nur 57 Prozent, wobei jedem Zehnten dieser Jugendlichen die Poliomyelitis-Impfstoffkomponente fehlte.
Auch die Impfquote gegen Humane Papillomviren (HPV) lässt zu wünschen übrig: Sie lag unter den 15-jährigen Mädchen bei 55 Prozent und stagniert somit seit 2022. Bei 15-jährigen Jungen stieg sie seit dem Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 36 Prozent, liegt aber weiterhin deutlich hinter der Quote bei Mädchen.
Demnach startet laut RKI weiterhin ein Großteil der Jugendlichen ohne ausreichenden Schutz vor HPV-assoziierten Krebserkrankungen ins Erwachsenenleben.
Die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die allen Personen in Zecken-Risikogebieten empfohlen wird, erhielten 30 Prozent der von der Empfehlung betroffenen Kinder und Jugendlichen – und damit ähnlich viele (bzw. wenige) wie in den Vorjahren.
Erwachsene nutzen Impfangebot zu selten
Die empfohlenen Impfungen für Erwachsene werden nach Ansicht des Robert Koch-Instituts insgesamt zu selten genutzt.
So ist die Quote der Standardimpfung gegen Influenza bei Personen ab 60 Jahren in der Saison 2024/2025 im Vergleich zur Vorsaison um vier Prozentpunkte auf nur noch 34 Prozent gesunken und liegt damit auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Berichterstattung in der Saison 2008/2009.
Seit der Saison 2023/2024 empfiehlt die STIKO allen Personen ab 60 Jahren sowie Personen mit Grunderkrankung eine jährliche COVID-19-Auffrischimpfung im Herbst. In der Saison 2024/2025 betrug die Quote nur 14 Prozent und lag damit noch einmal exakt ein Drittel niedriger als in der Saison 2023/2024.
Grundsätzlich ließen sich deutlich weniger Menschen gegen COVID-19 als gegen Influenza impfen, obwohl beide Impfungen gleichzeitig verabreicht werden können.
Die Pneumokokken-Impfquote bei Personen zwischen 60 und 69 Jahren stagniert seit 2020 und lag 2024 bei geringen 21 Prozent.
Dagegen hat die Herpes-zoster-Impfquote (Gürtelrose) bei Personen ab 60 Jahren mit 24 Prozent ihr bislang höchstes Niveau erreicht. Allerdings verlangsamte sich der Anstieg seit Einführung der Impfung im Jahr 2018 deutlich, und gut drei Viertel der Menschen ab 60 Jahren waren weiterhin nicht gegen die Erkrankung geschützt.
Die FSME-Impfquote lag bei Erwachsenen, die in Zecken-Risikogebieten wohnen, im Jahr 2024 mit 19 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren. Damit nutzten Erwachsene die FSME-Impfung deutlich seltener als Kinder.
Gut zu wissen: Impfempfehlungen für Senioren
Für Senioren werden eine Reihe Impfungen empfohlen. Eine Liste der Impfungen, die die STIKO für Personen ab 60 Jahren empfiehlt, haben wir in einem Übersichtsartikel für Sie erstellt.
Impfquoten bei Schwangeren verbessern sich langsam
Die Impfung gegen Pertussis wird seit 2020 allen Schwangeren empfohlen. Im Jahr 2024 setzte die Quote bei werdenden Müttern ihren Anstieg weiter fort, von 34 Prozent bei Einführung auf nun 51 Prozent.
Die STIKO empfiehlt seit 2010 allen Frauen, die in einer Influenza-Saison (Anfang Oktober bis Mitte Mai) schwanger sind, eine Influenza-Impfung. In der Saison 2024/2025 ließen sich bundesweit 23 Prozent der Schwangeren gegen Influenza immunisieren.
Die Quote setzte damit den positiven Trend der vergangenen zehn Jahre fort, auch wenn der vorläufige Höchstwert von 24 Prozent in der Saison 2020/2021, also während der COVID-19-Pandemie, nicht ganz erreicht wurde.
Regionale Unterschiede bei den Impfquoten
Das RKI weist ergänzend zu den gesamtdeutschen Zahlen darauf hin, dass es bei vielen Impfungen deutliche Quotenunterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Dies betrifft sowohl Kinder- und Jugendimpfungen als auch Impfungen im Erwachsenenalter.
Beispielsweise schwanken die Quoten der Poliomyelitis-Impfung bei Kindern im Alter von 24 Monaten zwischen 67 Prozent in Baden-Württemberg und 80 Prozent in Niedersachsen, und bei Masern reicht die Spanne in dieser Altersgruppe sogar von 55 Prozent in Sachsen bis 84 Prozent in Schleswig-Holstein.
Noch weiter geht die Schere auf, wenn man die Zahlen auf Landkreisebene miteinander vergleicht: So wurden zwischen 26 und 75 Prozent der 15-jährigen Mädchen gegen HPV und 8 bis 60 Prozent der Personen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Quelle: RKI